Hinter den Kulissen der CDU...

...herrscht nicht nur eitel Sonnenschein/Eine Wahl und ihre Begleitumstände/Kampfabstimmung sollte vermieden werden

thor Kirchen. Dr. Josef Rosenbauer wollte am liebsten gar nicht mehr über die Sache reden: »Das ist doch Schnee von gestern.« Meinte jedenfalls der CDU-Kreisvorsitzende, als er gestern am Telefon in Mainz von der Siegener Zeitung auf den vergangenen Mittwoch angesprochen wurde. Im Bürgerhaus von Harbach hatten bekanntlich die anwesenden Mitglieder des CDU-Gemeindeverbands Kirchen, dem alle Ortsvereine aus der Verbandsgemeinde angehören, einen neuen Vorstand gewählt (die SZ berichtete). Das allein ist wenig spektakulär, wäre es nicht zu einer Kampfabstimmung gekommen, die man an dieser Stelle von den Christdemokraten nun überhaupt nicht gewohnt ist. Georg Becker (Ortsverband Kirchen) trat als bisheriger Stellvertreter gegen Amtsinhaberin Claudia Schuhen (Wehbach) an und siegte mit 83 zu 61 Stimmen. Alles andere hätte überrascht, war es für Becker doch eine Art Heimspiel. Die Kirchener waren mit Mann und Maus – 72 Stimmberechtigten – angereist. Da war die berühmte Nachtigall schon vor der Wahl lautstark ins Bürgerhaus »getrapst«.

Die verantwortlichen Mandatsträger der CDU in der Verbandsgemeinde sprechen von einem »ganz normalen demokratischen Vorgang«, nicht so Claudia Schuhen. »Was da im Vorfeld gelaufen ist, war einfach nur schlimm. Das habe ich noch nicht erlebt!« Mehr wolle sie dazu nicht sagen. Die Wehbacherin als schlechte Verliererin? Könnte man meinen, doch gibt es da eine gewisse Vorgeschichte.

Fakt ist: Als Manfred Schlechtriemen vor zwei Jahren seinen Posten als Chef des CDU-Gemeindeverbands niederlegte, stand Georg Becker bereits als potenzieller Nachfolger zur Diskussion. Ein Problem war nur, dass der Kirchener gerade nach Abschluss des Jura-Studiums in seine Heimat zurückgekehrt war und noch keinerlei kommunalpolitische Meriten erworben hatte. Und noch etwas stand einer Kandidatur entgegen. Weil Vater Werner Becker in Kirchen das Amt des 1. Beigeordneten anstrebte, wollte man den Eindruck vermeiden, dass das eine irgend etwas mit dem anderen zu tun haben könnte – so berichtet es jedenfalls Uli Merzhäuser, Sprecher der CDU-Verbandsgemeinderatsfraktion.

»Übergangslösung« gesucht

Gesucht wurde also eine »Übergangslösung«, und in Claudia Schuhen fand Dr. Rosenbauer schließlich eine geeignete Führungskraft mit reichlich Erfahrung aus Ortsgemeinderat und Kreistag. Die Wehbacherin stellte sich »für die Partei« zur Verfügung und wurde mit 80 von 83 Stimmen zur neuen Vorsitzenden gewählt. Damals sei aber von einer Amtszeit von lediglich zwei Jahren nie die Rede gewesen – »das hätte ich sonst nicht gemacht«. So war Claudia Schuhen nach eigenen Angaben leicht erstaunt, als durchsickerte, dass der CDU-Ortsverband Kirchen mit aller Macht Georg Becker an die Spitze setzen wollte. »Man hätte im Vorfeld offen und ehrlich reden können. Es sind keine Vorwürfe erhoben, es ist keine Kritik an mir geäußert worden, meine Arbeit wurde immer nur bestätigt.« So hätte Claudia Schuhen gerne den Gemeindeverband auch ins nächste Jahr geführt, wenn die Kommunalwahlen anstehen.

»Claudia hat gute Arbeit gemacht«

Das hätte sich auch Joachim Hillen vom Ortsverband Wehbach gewünscht, der Claudia Schuhen in Harbach erneut als Vorsitzende vorgeschlagen hatte: »Für mich war das ganz klar, die Claudia hat gute Arbeit gemacht und einige Impulse gesetzt, z.B. in der Zusammenarbeit mit Freudenberg.« Zusammen mit Hillen vertraten diese Meinung am vergangenen Mittwoch auch 60 andere Christdemokraten.

»Mir wäre es persönlich lieber gewesen, wenn es keine Kampfabstimmung gegeben hätte«, sagte Rosenbauer, als er schließlich doch noch mit der SZ über die Wahl reden wollte. Der CDU-Kreisvorsitzende erklärte – ohne konkret zu werden –, dass er im Vorfeld beiden Kandidaten auch eine »Lösung« angeboten habe. Er selbst habe eine neutrale Position bezogen und sich nicht eingemischt, zumal »die Kirchener die Initiative ergriffen haben«.

Auch Bürgermeister Wolfgang Müller, nicht ganz unbeteiligt an der damaligen Kandidatenkür von Claudia Schuhen, hält es mittlerweile eher mit Pilatus: »Meine Rolle ist nun eine andere. Ich halte mich da raus, auch wenn ich eine persönliche Meinung zu der Sache habe und diese im Vorfeld auch kundgetan habe.« Der Verwaltungschef sprach von einem »demokratischen Akt« und zog Parallelen zum Bezirksparteitag der CDU: »Was in Wissen recht und billig war, sollte auch für Harbach gelten.«

Brauer: »...dann ziehe ich das durch«

Nichts Außergewöhnliches an den Wahlumständen findet auch Rüdiger Brauer, der Vorsitzende des mächtigen CDU-Ortsverbands Kirchen. Er hatte seine Reihen u.a. durch persönliche Anschreiben perfekt geschlossen. Gegenüber der SZ betonte er einen gewissen Führungsanspruch der Kirchener. »Irgendwann kommt der Tag X, dann muss man seinen Kandidaten aufstellen, und zwar so früh wie möglich«, sagte Brauer auf die Frage, ob man nicht noch hätte warten können. Mit Claudia Schuhen habe es vorher keinerlei Gespräche, »und dann ziehe ich das, was ich angefangen habe, auch durch«.

Georg Becker selbst fand die »Zeit reif« für eine Kandidatur: »Wenn ich gefragt werde, stehe ich zur Verfügung.« Er wolle auch dem Eindruck entgegen wirken, dass die Kirchener nun darauf aus seien, ihre Übermacht im Gemeindeverband auszuspielen. Vor einem allzu starken Selbstbewusstsein hat bereits Rosenbauer gewarnt: »Die Kirchener werden wissen, dass sie auf die anderen Verbände angewiesen sind.«

»Keine Pro-Kirchen-Politik«

Dazu passt auch ein Kommentar von Vorstands- und Kreistagsmitglied Christel Reuber (Friesenhagen): »Die Außenverbände werden sich von Kirchen nicht an die Wand drücken lassen.« Uli Merzhäuser als Mudersbacher ist sicher: »Es wird keine Pro-Kirchen-Politik geben.« Das wird sich zeigen – spätestens bei der Aufstellung der Liste für die Wahl des Kreistags. Hier sitzt Claudia Schuhen noch in der ersten Reihe der CDU-Fraktion...

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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