Hochwasser riss Bahndamm weg

Vor 60 Jahren: Personenzug entging in Wehbach nur knapp einem Unglück

sz Wehbach. Angesichts der jüngsten Wetterkapriolen in Süd- und Ostdeutschland erinnern sich vielleicht manche ältere Wehbacher und Kirchener an ein ähnlich dramatisches Ereignis: Am frühen Morgen des 5. Februar 1942 riss die Hochwasser führende Asdorf unweit der heutigen ev. Christuskirche in Wehbach ein Stück von etwa 40 Metern Länge aus dem Bahndamm der Asdorfstrecke. Unmittelbar vorher hatte gegen 5.45 Uhr ein von einer Dampflok gezogener Personenzug die Stelle passiert.

»Als der Zug kurz darauf 200 Meter weiter im Bahnhof Wehbach hielt und ihm viele Beschäftigte der Friedrichshütte entstiegen, die sich zur 6-Uhr-Schicht begaben, hörten diese plötzlich ein lautes Krachen«, weiß Hubert Behner (Wingendorf) nach Befragen von Zeitzeugen zu berichten. Die Herkunft des merkwürdig lauten Geräusches war bald entdeckt: Ein langes Stück Bahndamm war unter den Schienen weggebrochen und in den reißenden, mehrere Meter tiefen Wassermassen der Asdorf verschwunden. Der Schienenstrang hing abgeknickt im Wasser.

Dem Zugpersonal und den Fahrgästen ist im Nachhinein wohl der Schreck in die Glieder gefahren. Der Lokführer soll angegeben haben, er habe an der fraglichen Stelle der Strecke keinerlei Auffälligkeiten bemerkt. Man mag sich gar nicht vorstellen, was geschehen wäre, wenn der Bahndamm samt Lok und Personenwagen in die bei Hochwasser mehrere Meter tiefe Asdorf gestürzt wäre. Sicherlich wären zahlreiche Opfer zu beklagen gewesen.

Die für den Personen- und Güterverkehr des Asdorftales damals mitten im Zweiten Weltkrieg so wichtige Bahnlinie blieb für mehre Tage unterbrochen. Bautrupps der Reichsbahn waren bald mit schwerem Gerät zur Stelle. Sie rammten zum Asdorfbach hin Schienenstücke in den Bahnkörper, verfüllten die entstandene Bresche mit festen Materialien, brachten Steinaufschüttungen ein und sicherten ihn auf diese Weise auf einer längeren Strecke vor Unterspülungen.

Beim Neubau der Asdorfbrücke in der Dorfmitte Wehbachs in den 80er Jahren wurde das Bachufer zum Bahndamm hin nochmals mit einer Packlage aus großem Gestein geschützt. Die Gefahr, dass dem auf der Bahntrasse entstandenen neuen Radweg, der am kommenden Samstag eingeweiht wird, ein Schaden wie vor 60 Jahren drohen könnte, scheint nach menschlichem Ermessen im Bereich der oberen Heinrich-Klostermann-Straße um die ev. Christuskirche damit gebannt.

Erst beim Bau der Asdorfbahn in den Jahren 1886/87 erhielt die Asdorf ihr heutiges Bachbett. Sie wurde damals begradigt und im Bereich der Heinrich-Klostermann-Straße parallel zur Bahnlinie verlegt. Dadurch wurde ihre Fließgeschwindigkeit stark erhöht. Gleichzeitig aber schützte der erhöhte Bahndamm wie ein Deich den Bereich der heutigen Heinrich-Klostermann-Straße vor Überflutungen bei Hochwassern.

Die Bebauung im oberen Bereich der Straße begann 1924/25 mit der Errichtung des ev. Vereinshauses. Dieses erwarb 1941 die ev. Kirchengemeinde Kirchen. 1951/52 erweiterte sie es durch Um- und Anbauten zu ihrer Filialkirche mit der Bezeichnung »Christuskirche". Die ev. Kirchengemeinde erinnert sich dankbar an diese Einweihung vor 50 Jahren und feiert am 7. und 8. September dieses Jahres rund um die Christuskirche, die inzwischen zur »Kirche am Radweg« geworden ist, das Kirchweih-Jubiläum.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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