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Abfuhr durch Wohngebiete sorgt für Ärger
Holztransporte: Hauberg bittet um Solidarität

In den Wäldern herrscht nach wie vor ein reger Lkw-Verkehr. Die abgestorbenen Fichten müssen vor Ort aufgearbeitet und anschließend abtransportiert werden. Das führt unweigerlich zu Problemen in den angrenzenden Wohngebieten.
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  • In den Wäldern herrscht nach wie vor ein reger Lkw-Verkehr. Die abgestorbenen Fichten müssen vor Ort aufgearbeitet und anschließend abtransportiert werden. Das führt unweigerlich zu Problemen in den angrenzenden Wohngebieten.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

thor Mudersbach/Brachbach. Er ist das größte Fitnessstudio der Region – und verlangt keinen Monatsbeitrag. Er ist ein gigantischer Freizeitpark – und man muss nicht Hunderte Kilometer anreisen. Er sorgt für gute Luft und ein gesundes Klima – und verlangt dafür keinen SUV-Verzicht. Der (Siegerländer) Wald gibt viel – und verlangt wenig. So war es seit Jahrzehnten und ist es noch. Doch in einer seiner größten Krisen erwarten der Wald und mit ihm seine Besitzer vielleicht zum ersten Mal in der Geschichte eine echte Gegenleistung: Solidarität und Verständnis.

Die Fichtenbestände der Region sind tot, seit nunmehr drei Jahren werden Tausende von trockenen Stämmen aus dem Wald geholt. Mit großen Sattelzügen und Container-Lkw.

thor Mudersbach/Brachbach. Er ist das größte Fitnessstudio der Region – und verlangt keinen Monatsbeitrag. Er ist ein gigantischer Freizeitpark – und man muss nicht Hunderte Kilometer anreisen. Er sorgt für gute Luft und ein gesundes Klima – und verlangt dafür keinen SUV-Verzicht. Der (Siegerländer) Wald gibt viel – und verlangt wenig. So war es seit Jahrzehnten und ist es noch. Doch in einer seiner größten Krisen erwarten der Wald und mit ihm seine Besitzer vielleicht zum ersten Mal in der Geschichte eine echte Gegenleistung: Solidarität und Verständnis.

Die Fichtenbestände der Region sind tot, seit nunmehr drei Jahren werden Tausende von trockenen Stämmen aus dem Wald geholt. Mit großen Sattelzügen und Container-Lkw. Das führt unweigerlich zu Problemen beim Abtransport und Belästigungen der Anwohner. Und die Beschwerden nehmen zu. Überall, auch in Mudersbach und Brachbach. Doch es gibt derzeit keine wirkliche Alternative: Das wurde bei einem Gespräch deutlich, zu dem jetzt der 1. Beigeordnete Bernhard Steiner (Mudersbach) Vertreter beider Haubergsgenossenschaften und des Staatsforstes eingeladen hatte.

Waldbauern wollen Menschen informieren und mitnehmen

Dabei ging es nicht um Schuldzuweisungen, wie Brachbachs Ortsbürgermeister Steffens Kappes treffend anmerkte, vielmehr sollte die Situation aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden. Die Menschen müssten mehr sensibilisiert werden, meinte Kappes: „Der Wald wird oft als Allgemeingut angesehen.“ Dabei werde nicht beachtet, dass dahinter auch Besitzverhältnisse stehen. „Jeder ist geschockt, wie der Wald aussieht. Das ist eine Naturkatastrophe“, betonte Ulrich Merzhäuser, 1. Beigeordneter der Verbandsgemeinde Kirchen.

„Wir wollen mehr informieren und die Leute mitnehmen“, sagte Steiner, bevor er beispielhaft den Brief von Anliegern aus den Schinden vortrug, indem sich über kaputte Straßen beklagt wurde. Und zudem könne man den Wald ja nur noch mit Gummistiefeln betreten. Steiner aber brach eine Lanze für den Hauberg: „Der hat in den letzten Jahren alles richtig gemacht. Es wurde immer nur so viel Holz entnommen, wie nachwachsen konnte.“

Hohes Anspruchsdenken der Menschen im Wald

Der Mudersbacher Haubergsvorsteher Bernhard Killer berichtete auch im Namen seiner Kollegen von dem gestiegenen Anspruchsdenken der Menschen im Wald. Die hohe Zahl der Holztransporte sei durch den Hauberg nicht absichtlich herbeigeführt wurden. Aber irgendwie müsse das Holz ja aus den Wäldern. Dafür eigneten sich nun einmal nur wenige Strecken. „Wir versuchen das Ganze schon zu entzerren, indem wir zwischen der Birker und der Schelderhütter Seite wechseln“, sagte Killer.
„Wenn wir das Holz nicht aus dem Wald holen, können wir auch nicht vernünftig aufforsten“, ergänzte sein Brachbacher Kollege Hermann Jung. Allein unter diesem Gesichtspunkt bedürfe es der Solidarität der Bevölkerung. Einen genauen Zeitplan für die Arbeiten und Fahrten zu liefern, sei allerdings nicht möglich. Killer verdeutlichte, dass das Holz nach dem aktuellen Bedarf der Käufer abtransportiert werde. Und wenn zum Beispiel in der Eintracht ein kompletter Zug beladen werden müsse, habe man nur ein sehr enges Zeitfenster. Revierförster Stefan Wulf verdeutlichte anhand von Zahlen aus dem Forstrevier Freusburg, welche Dimension die Sache angenommen hat. Wurden früher rund 13.000 Festmeter pro Jahr eingeschlagen, sind es mittlerweile 80.000.

Menschen werden dünnhäutig - auch beim Thema Holutransporte

Doch klar: Die Transporte verursachen Lärm und Schmutz – und manchmal auch Schäden, um die sich keiner kümmert, wie Kappes anmerkte. Doch weder Haubergsgenossenschaften noch Ortsgemeinden könnten jeden Lkw von einer Kehrmaschine verfolgen lassen. Erfried Gerhardus (Mudersbach) machte in diesem Zusammenhang darauf aufmerksam, das die Menschen allgemein dünnhäutiger gewordene seien – vielleicht auch bedingt durch die Corona-Krise.

Aus dem Bereich der Oelsbach in Mudersbach wird das Holz über die Barbara- und die Steinstraße abgefahren.
  • Aus dem Bereich der Oelsbach in Mudersbach wird das Holz über die Barbara- und die Steinstraße abgefahren.
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Was die Schäden auf den Straßen angeht, so wollen am Montag die Ortsbürgermeister der Verbandsgemeinde besprechen, inwieweit man angesichts der gesamtgesellschaftlichen Aufgabe nicht beim Land Zuschüsse einfordern sollte. Weder Hauberg noch Gemeinden könnten diese Aufgabe allein stemmen. Kritisiert wurde dabei von Steiner, Kappes und Merzhäuser der radikale Sparkurs des Landes bei den Forstämtern. Mainz müsse allmählich das ganze Ausmaß der Katastrophe verstehen, denn in Mudersbach und Brachbach fürchtet man auch Auswirkungen auf die Wasserversorgung.

"Wirtschaftswege, keine Bürgersteige"

Zur Sprache kam weiterhin das Thema Waldwege – ebenfalls regelmäßig ob des Zustands Bestandteil der Kritik. Hermann Jung fand dazu klare Worte: „Das sind Wirtschaftswege, keine Bürgersteige.“ Die Haubergsgenossenschaften investierten permanent in die Unterhaltung, hieß es. Letztlich werde es aber nicht möglich sein, alle wieder instand zu setzen.
Am Ende hatte Erfried Gerhardus dann fast noch eine positive Botschaft parat: Wenn alles Holz aufgearbeitet und abtransportiert sei, herrsche Ruhe, und zwar für lange Zeit: „Dann wird in den nächsten 50 bis 60 Jahren nichts mehr passieren.“

In den Wäldern herrscht nach wie vor ein reger Lkw-Verkehr. Die abgestorbenen Fichten müssen vor Ort aufgearbeitet und anschließend abtransportiert werden. Das führt unweigerlich zu Problemen in den angrenzenden Wohngebieten.
Aus dem Bereich der Oelsbach in Mudersbach wird das Holz über die Barbara- und die Steinstraße abgefahren.
Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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