Ikarus wäre sicher stolz gewesen!

Zu Besuch beim SFC Betzdorf-Kirchen:

Internet eröffnet neue Möglichkeiten für Segelflieger / Bundesliga erst seit drei Jahren

JaK Wingendorf. Es mag immer noch einige Erdenbürger geben, für die das Internet ein Fluch unserer modernen und schnell lebigen Zeit ist – für die komplette Segelflugszene rund um den Erdball ist das World Wide Web jedoch ein Segen. Seit das Netz der ungeahnten Möglichkeiten allerorten Einzug gehalten hat und spätestens seit auch PDA’s – das sind kleine mobile Computer für die Hosentasche – für jedermann erschwinglich sind, ergeben sich für die Segelflieger Wettbewerbsbedingungen, von denen ihre Väter und erst recht Flugpionier Ikarus nur träumen konnten. Nicht umsonst hat darum auch die Fachzeitschrift »Aerokurier« eine Segelflug-Bundesliga ins Leben gerufen, die – Tag für Tag per Internet aktualisiert – völlig neue Reize für die Sportler ergibt. So auch für den SFC Betzdorf-Kirchen, der einer der besten Vereine seiner Zunft in diesem bundesweiten Kräftemessen ist.

»Diesen sogenannten ,Online-Contest’ gibt es erst seit drei Jahren«, berichtet Harald Starsinski, Referent Segelflug im SFC, über die rasante Entwicklung seiner Sportart: »Früher hat es eine Bundesliga überhaupt nicht gegeben!« Die Gründe hierfür sind mannigfaltig, liegen aber vor allem an den großen Entfernungen zwischen den einzelnen Segelflug-Clubs. Um diesen Kostenfaktor auszuschalten, kam der »Aerokurier« seinerzeit auf die Idee, mittels eines Programms die GPS-Daten der ohnehin schon zwei oder drei Jahre vorher eingeführten PDA’s auszuwerten und online im Internet zugänglich zu machen. Dabei besteht der besondere Reiz und auch der Unterschied gegenüber vielen anderen Sportarten darin, dass sich die Teilnehmer nicht Runde für Runde an einem Ort treffen, sondern jeder für sich von seinem Heimatflugplatz aus starten und an dem Online-Contest teilnehmen kann. Maßgeblich für die Wertung ist letztendlich die Durchschnittsgeschwindigkeit aus zweieinhalb Stunden. In die Wertung für die Bundesliga gehen die Ergebnisse der besten drei Piloten eines jeden Vereins ein.

Manipulation beinahe unmöglich

Da werden sich viele fragen, ob das auf Grund der unterschiedlichen Wetterlage im Bundesgebiet nicht an Wettbewerbsverzerrung grenzt. »Grenzt es nicht«, meint Starsinski und verweist darauf, dass eine Bundesligasaison aus zwölf Runden besteht, die im Zeitraum von April bis August angesetzt sind. Auch die elektronische Routenbestimmung ist beinahe nicht zu manipulieren, zumal das mobile PDA alle 20 Sekunden Koordinaten, Flughöhe und einige Daten mehr bestimmt, aus dem es dann die Plausibilität errechnet. Sollte hier also jemand schummeln, ist die Gefahr, dass er erwischt wird, relativ groß. Derzeit, sprich nach der 3. Runde, liegen die heimischen »Adler« vom Flugplatz Wingendorf auf dem 3. Platz der Tabelle, was auch an der guten Nachwuchsarbeit der Betzdorf-Kirchener liegt. »Wir haben insgesamt 14 Fluglehrer«, erklärt Ausbildungsleiter Armin Brast. Somit ist gewährleistet, dass der willige Nachwuchs von Anfang an eine entsprechende Ausbildung genießt. Los geht es mit knapp 14 Jahren. »Der Schüler sitzt gleich auf dem vorderen Platz«, erklärt Brast die ersten Geh-, besser Flugversuche des Nachwuchses. Der Lehrer, der auf dem hinteren Sitz Platz nimmt, ist aber nicht von der Intuition seines Schülers abhängig.

14-Jährige haben große Verantwortung

»Alle Bedienelemente sind doppelt vorhanden, so dass dort keine Gefahr besteht. Ab dem 15. oder 20. Flug darf der Schüler dann alleine fliegen«, gibt der Ausbildungsleiter einen Einblick, wie schnell das Fluggerät zu beherrschen ist. Abschließend macht der Pilot seinen Flugschein. Harald Starsinki ist sich sicher, dass die frühe Heranführung an seinen Sport für die jungen Piloten einen sehr positiven Aspekt hat: »Die Jugendlichen sind dann teilweise mal gerade 14 Jahre alt und fliegen alleine. Sie übernehmen damit eine große Verantwortung, die ihnen im Straßenverkehr zu dem Zeitpunkt noch gar nicht zugetraut wird!«

Sehr schwierig ist zu Beginn die Orientierung. Schließlich müssen die Flugschüler ihr Handwerk von der Pike auf lernen. Und das heißt zunächst einmal: Das GPS-Gerät bleibt auf dem Boden. »Wir müssen den Neulingen erst einmal erklären, wie sie unseren Flugplatz wieder finden«, erzählt Brast. Doch dies ist im Falle von Wingendorf recht einfach. Armin Brast: »Man kann von weitem schon die gelben Schäfer-Container in Betzdorf erkennen. Daran kann man sich leicht orientieren.«

Neuer Flieger meist »auf Pump«

Erst danach dürfen die Schüler Kompass und später auch GPS benutzen. Richtig schwierig wird es übrigens immer dann, wenn ein Verein – im Falle des SFC Betzdorf-Kirchen gibt es gerade mal 150 Mitglieder – sich ein neues Flugzeug beschaffen will. Diese sind meist Vereinseigentum und kosten gerne auch schon einmal 90000 e. Da muss dann meist ein Kredit her, der nach und nach abbezahlt wird.

Doch deshalb muss einem Segelflug-Club – und sei er noch so klein – nicht bange werden. »Man hat ja auch einen Gegenwert dafür, den man in der Not wieder verkaufen kann«, so Harald Starsinski: »Und Segelflugzeuge gewinnen mit den Jahren eher an Wert!« Die meisten der Fluggeräte, die weltweit eingesetzt werden, stammen übrigens aus Deutschland, wenngleich es immer mehr Konkurrenz aus anderen – oft auch osteuropäischen – Ländern gibt. Und die produziert – das ist nichts neues – sehr viel kostengünstiger. Doch der SFC Betzdorf-Kirchen setzt weiter auf »Adler made in Germany«. »Schließlich«, so merkt Harald Starsinski mit einem Augenzwinkern an: »sieht ein Lada in den ersten zwei Jahren auch gut aus, aber dann fährt er nicht mehr!«

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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