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Immer mehr Produkte der Hygienetechnik
Im Kampf gegen das Virus rüsten Firmen um

Andreas Schuster, Firmenchef von AS Lasertechnik in Mudersbach, tüftelt gerade mit seinem Team an einem neuen Gesichtsschutz. Die ersten Bestellungen liegen schon vor. Foto: thor
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  • Andreas Schuster, Firmenchef von AS Lasertechnik in Mudersbach, tüftelt gerade mit seinem Team an einem neuen Gesichtsschutz. Die ersten Bestellungen liegen schon vor. Foto: thor
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thor/dach Mudersbach/Kirchen/Betzdorf. Hand auf’s Herz: Das AK-Land gilt jetzt nicht gerade als Hochburg der pharmazeutischen Forschung und der Medizintechnik. Um es mit Grönemeyer zu sagen: Der Pulsschlag ist aus Stahl, das Erbe der Hütten- und Bergwerke. Gleichwohl haben sich parallel zur metallverarbeitenden Industrie einige Firmen erfolgreich ihre Nischen gesucht – und gerade hier zeigt sich momentan, dass man sich nicht nur mit Reagenzgläsern und hochauflösenden Mikroskopen gegen die Coronakrise stammen kann.

Immer mehr Betriebe aus der Region gehen neue Wege, was das eigene Produktportfolio angeht.

thor/dach Mudersbach/Kirchen/Betzdorf. Hand auf’s Herz: Das AK-Land gilt jetzt nicht gerade als Hochburg der pharmazeutischen Forschung und der Medizintechnik. Um es mit Grönemeyer zu sagen: Der Pulsschlag ist aus Stahl, das Erbe der Hütten- und Bergwerke. Gleichwohl haben sich parallel zur metallverarbeitenden Industrie einige Firmen erfolgreich ihre Nischen gesucht – und gerade hier zeigt sich momentan, dass man sich nicht nur mit Reagenzgläsern und hochauflösenden Mikroskopen gegen die Coronakrise stammen kann.

Immer mehr Betriebe aus der Region gehen neue Wege, was das eigene Produktportfolio angeht. Wie schon das Beispiel von Liquisign aus Betzdorf zeigt (die SZ berichtete), geht es zum einen um Mittel und Maßnahmen, vor dem Virus zu schützen, zum anderen werden in einer wirtschaftlich extrem schwierigen Phase Arbeitsplätze gesichert. Während sich Liquisign auf Schutzanzüge spezialisiert hat, liefern andere Firmen Sicherheit der etwas härteren Sorte.

Bei AS Lasertechnik im Meteorpark in Mudersbach arbeitet man seit vielen Jahren mit Acrylglas und technischen Kunststoffen. „Wir fertigen normalerweise für den Maschinenbau“, sagte Firmenchef Andreas Schuster im Gespräch mit der SZ. „Wir haben aber schon immer kleineren Betrieben aus der Klemme geholfen.“ Denn es hatte sich herumgesprochen, dass AS Lasertechnik auf Einzelstücke spezialisiert ist, und so fragten immer schon mal Läden oder Praxen an. Irgendwann habe man dann mal eine Schutzscheibe mit einem Firmen-Aufkleber versehen, berichtete Schuster – und schwupps gingen erste Anfragen aus dem Rheinland ein.

Doch die Mudersbacher befassen sich beim Hygieneschutz nicht mehr nur mit einfachen Scheiben. Bei der Ausstattung einer Zahnarztpraxis wurde Schuster darauf angesprochen, wie es mit Gesichtsschutz aussieht, Nun läuft in Mudersbach derzeit die Produktion von Visieren aus Kunststoff an, die das gesamte Gesicht schützen. „Wir haben auch schon die ersten Bestellungen vorliegen“, erklärt der Firmenchef. Dafür reichten die aus dem Maschinenbau nur noch bis nächste Woche. Oberstes Ziel für Schuster ist daher, die Mitarbeiter sicher durch die Krise zu bringen.

In genau dieses Produktangegebot ist nun auch die Firma Halbe-Rahmen vorgestoßen. Normalerweise beschäftigen sich die Bilderrahmen-Experten aus Kirchen fast ausschließlich damit, Kunst und anderen Präsentationen auf Papier einen schönen und angemessenen Rahmen zu verleihen. Es ist aber nachvollziehbar, dass die Gestaltung von privaten oder auch öffentlichen Wänden derzeit für viele Kunden nicht gerade Priorität besitzt.

Daher nutzt die Firma Halbe nach eigenen Angaben ihr Know-how und die Fertigungstechnologie seit ein paar Tagen, um die Hygiene und Sicherheit bei der Begegnung von Menschen im öffentlichen Raum zu erhöhen: Praktisch über Nacht wurde ein hochwertiger und funktioneller Spuckschutz entwickelt, wie es in einer Pressemitteilung heißt.

David Halbe, geschäftsführender Gesellschafter, hat mit seinem Team den mobilen Spuckschutz entwickelt. Die erste Idee dazu kam ihm morgens beim Frühstück: Ein Bilderglas ohne Rahmen zum Aufstellen sollte es sein. Mit Ständer, mobil, sicher und praktisch für die freie Platzierung vor Ort, in verschiedenen Größen je nach örtlichen Gegebenheiten. Eines der wichtigsten Ziele im Kampf gegen Corona: „Abstand“ an Theken und Tresen mit direktem Personenkontakt – für einen erhöhten Schutz gegen Tröpfcheninfektion.

Die Aufgaben im Team wurden verteilt und innerhalb eines Tages stand die Lösung im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Tisch. Zwei seitliche Ständer aus Aluminium oder Stahlblech gefertigt, alternativ eine zweite Variante mit Ständern aus Leichtschaum. „Wir waren selbst positiv überrascht, wie schnell die ersten Prototypen realisiert waren“, so Halbe. „Wir produzieren unsere Bilderrahmen auf Bestellung nach Maß und sind es gewohnt, schnell und individuell zu agieren.“

Seit Montag laufen die Maschinen in der Herrenwiese in Kirchen nun auch für die Spuckschutz-Varianten von 50 bis 100 cm Breite. Was bis Mittag bestellt wird, geht in der Regel noch am gleichen Tag auf die Reise. Die ersten Kunden haben den Spuckschutz schon im Einsatz, dazu gehört vor Ort u. a. die Kirchener Gemeinschaftspraxis. Durch die Kontakte zu Ärzten und Kliniken hätten sich darüber hinaus schon Gespräche mit Krisenstäben ergeben, weitere Schutzausrüstung zu fertigen. Und ähnlich wie AS Lasertechnik arbeitet auch Halbe an einem Gesichtsschutz, die ersten Exemplare wurden demnach an Praxen und Kliniken in Duisburg ausgeliefert.

Die weitere Entwicklung lasse sich noch nicht prognostizieren. Dennoch ist man bei Halbe überzeugt: „Der Spuckschutz aus der Kirchener Bilderrahmenfabrik jedenfalls ist ein guter und hilfreicher Beitrag gegen Corona und zur Sicherung von Beschäftigung für die Mitarbeiter.“

„Man muss flexibler werden“: So lautet die Devise von Sandra Herwick. Mit ihrer Kreativ-Werkstatt Herwick GmbH, die an der Wiesenstraße in Betzdorf sitzt, hatte sie bislang schon Abstand-halten-Aufkleber im Angebot, nun aber nochmal die Produktion umgestellt. „Eher durch Zufall“ sei sie dazu gekommen. Als sie selbst als Kundin unterwegs war, fielen ihr entsprechende Aufsteller ins Auge. Nun macht Sandra Herwick eben in Hygieneschutz. Ihr Material ist Acrylglas, bearbeitet wird es mit einer Fräse. Dadurch könne ihre Firma ganz individuell agieren, quasi auf Maß anfertigen. Heute wird beispielsweise der Empfangsbereich der Urologie im MVZ des Kirchener Krankenhauses „verglast“. Das sei „etwas komplizierter“, so die Chefin, weil es hier auch „ums Eck“ geht. Auch bei anderen Kunden wird auf die Gegebenheiten vor Ort Rücksicht genommen, etwa im Kassenbereich der Metzgerei Helmus in der Betzdorfer Innenstadt.

Maßgeschneiderte Lösungen hatte vergangene Woche auch die Tw-Tec Trennwandtechnik GmbH in petto. Für die „Nachbarn“ im Dauersberger Gewerbepark überlegte sich die Mannschaft um Chef Bertram Lauer auf die Schnelle eine praktikable Lösung. Und so sind jetzt die Verkaufswagen von Käse-Kirschbaum derart mit Plexiglas ausgestattet, dass lediglich kleine Bereiche frei bleiben, um Waren und Geld auszutauschen. Die Scheiben seien so angebracht, „dass man sie auch leicht wieder entfernen kann, wenn das hier alles wieder vorbei ist“, sagt Lauer. Dabei ist es aber nicht geblieben. Auch ein Spuckschutzaufsteller gehört jetzt ganz neu zum Produktportfolio. Dessen Standardmaße betragen 60 mal 80 Zentimeter. Aber: „Das kann jeder kriegen, wie er es will.“ Denn auch hier wird vor Ort produziert. Bei Tw-Tec wird das Plexiglas allerdings per Wasserstrahl geschnitten, mit sagenhaften 3200 bar.

Mit Hochdruck, so könnte man sagen, werkeln eben diverse heimische Unternehmen an den eingangs erwähnten neuen Wegen in Zeiten der Corona-Krise.

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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