Bistum Trier spricht von „bitteren Zahlen"
Im Schnitt noch 28 Besucher in der Sonntagsmesse

Volle Kirchen sieht man auch im Dekanat eigentlich nur noch an Weihnachten. Selbst zu besonderen Anlässen bleiben in der Regel viele Bänke leer, wie hier im Oktober 2016 in St. Michael in Kirchen, als die erste Messe nach Innensanierung gefeiert wurde. Archivfoto: rai
  • Volle Kirchen sieht man auch im Dekanat eigentlich nur noch an Weihnachten. Selbst zu besonderen Anlässen bleiben in der Regel viele Bänke leer, wie hier im Oktober 2016 in St. Michael in Kirchen, als die erste Messe nach Innensanierung gefeiert wurde. Archivfoto: rai
  • hochgeladen von Thorsten Stahl (Redakteur)

sz/thor Kirchen/Trier. „Wenn ich die aktuellen Zahlen zum kirchlichen Leben in Deutschland und in unserem Bistum sehe, muss ich unweigerlich an die Überschrift unseres Synodenabschlussdokuments denken: Heraus gerufen – Schritte in die Zukunft wagen.“ So kommentiert Dr. Ulrich Graf von Plettenberg, Generalvikar des Bistums Trier, die neue kirchliche Statistik.

Diese beinhaltet alarmierende Zahlen, und auch das Dekanat Kirchen, die berühmte „Trierische Insel“, hat in dieser Hinsicht nichts mit Glückseligkeit zu tun. Ein Wert vorab: Durchschnittlich wurden die Sonntagsgottesdienste im vergangenen Jahr noch von 28 Gläubigen besucht.

„Wir müssen neue Schritte wagen, wenn wir unsere Botschaft von Gott, der sich den Menschen zuwendet, wieder mehr ‚ins Spiel bringen‘ wollen. Dazu ist es dringend notwendig, etwas zu verändern: Haltungen, Arbeitsweisen, aber auch Strukturen.“ Das müsse jetzt geschehen, so von Plettenberg, denn „wir sehen an den Zahlen sehr deutlich, wie viele Menschen die Kirche verlassen. Es schmerzt sehr, dass so viele die Erfahrung machen, dass Kirche sie in ihren konkreten Lebensumständen nicht mehr anspricht.“

Zum Stichtag 31. Dezember 2018 lebten 1 337 800 Katholikinnen und Katholiken (2017: 1 359 900) auf dem Gebiet des Bistums Trier; das sind 54,3 Prozent der Gesamtbevölkerung (2017: 55,4 %). Damit hat die Zahl um 22 100 (1,6 %) abgenommen. Im Dekanat Kirchen waren zum Jahresende noch 26 686 Katholiken registriert.

Während im Bistum die Zahl der Taufen (davon 125 Erwachsene) mit 9057 (2017: 9441) ebenso wie die der Erstkommunionen mit 9642 (10005) sank, ist die der Firmungen auf 7857 (7158) gestiegen. Im Dekanat gingen zwischen Gebhardshain und Niederschelderhütte noch 154 Kinder zur Erstkommunion, 143 Taufen standen zu Buche. Auch die Zahl der Trauungen ist im Bistum auf 2285 (2187) gestiegen. Die Zahl der Bestattungen liegt mit 17 418 (17 344) auf dem gleichen Niveau wie im Vorjahr.

Ausgetreten aus der Kirche sind 10 096 Katholiken (8027), im Dekanat Kirchen waren es 172. Wie ein Tropfen auf den heißen Stein muten da die Wiederaufnahmen an, bistumsweit waren es 317, auf der Trierischen Insel gerade mal vier.

Alarmierend dürfte für die Verantwortlichen in Trier auch der Blick auf den Gottesdienstbesuch sein, der erneut gesunken ist und bei rund 7 Prozent liegt (2017: 8 Prozent), gemessen an der Zahl der vermeintlich Gläubigen vor Ort. Wie eingangs erwähnt: Der mittlere Wert der Besucher der Sonntagsmessen liegt bei 28, wobei die Zahlen aus dem März und November als Grundlage genommen wurden.

Angesichts dieser „bitteren Zahlen“ ist Generalvikar von Plettenberg froh, dass die Umsetzung der Synode in eine Phase kommt, in der mit der Gründung der ersten 15 Pfarreien der Zukunft zum 1. Januar 2020 erste strukturelle und organisatorische Veränderungen sichtbar werden. Auch das heimische Dekanat wird bekanntlich zur Großpfarrei. Außerdem werden Ende des Jahres neue Konzepte für verschiedene Bereiche der Seelsorge vorgestellt: „Aus den Gruppen, die zu Katechese, Familie, Liturgie, Inklusion, Geistliche Zentren oder Missionarisch sein gearbeitet haben, liegen uns viele neue und gute Ideen und Anregungen für die konkrete Pastoral vor Ort vor. Dazu kommt das sehr grundsätzliche Papier zur diakonischen Kirchenentwicklung, das uns eine ganz wesentliche Haltung – die Zuwendung zum einzelnen Menschen hin – deutlich ins Stammbuch schreibt.“

Von Plettenberg sagt, Kirche werde erst dann wieder glaubwürdig, wenn sie sich den jeweiligen Lebensbedingungen und Situationen der Menschen annähere, wenn sie Interesse zeige für die Themen und Bedürfnisse der Menschen. Die Perspektivwechsel der Synode sowie die daraus entstandenen strukturellen und inhaltlichen Konzepte bieten seiner Meinung nach dafür eine gute Grundlage.

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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