Im Schwirrflug bis nach Afrika

Taubenschwänzchen & Totenkopf: Außergewöhnliche Beobachtungen dank »Tropensommer«

dima Hahnhof. Die Beschreibung ist immer die gleiche. Beinahe wörtlich: Das Tier fliegt wie ein winziger Kolibri, sieht aus wie ein Schmetterling, hat keine Federn, dafür aber einen langen Rüssel. Seit Beginn des Sommers schwirrt das Ufo mit blitzschnellem Flügelschlag kreisgrenzenüberschreitend über Staudenbeeten und Balkonblumenkästen zwischen Altenkirchen, Siegen und Bad Berleburg.

Des Rätsels Lösung findet man im zoologischen Bestimmungsbuch oder direkt im Garten von Viktor Fieber in Hahnhof. Jeden Tag mindestens einmal begegnet der Grundschullehrer und Naturexperte dem Taubenschwänzchen, einer Schmetterlingsart, in seinem blütenreichen Garten. Genau gesagt seit dem 11. Juni, erklärt der Naturschützer nach einem kurzen Blick in sein Notizbuch. »Das ist in diesem Jahr schon etwas Besonderes.«

Seit 30 Jahren notiert der Pädagoge, der als Mitglied der »Rheinisch-Westfälischen Lepidopterologen« sogar eine Ausnahmegenehmigung zum Fang der Tiere hat, hier jede Schmetterlingsbeobachtung. Rund 390 Arten lang ist die Liste des Schmetterlingsfans. Und die hat Fieber allein vor seiner Haustür in Hahnhof registriert. Kein Wunder angesichts der naturnahen Lebensraumvielfalt. Vom Hauberg bis zur Feuchtwiese ist in Hahnhof für beinahe jeden Faltergeschmack ein Biotoptyp im Angebot.

Eine Besonderheit in diesem Sommer ist allerdings das gehäufte Auftreten der Schwärmer, einer eigenen Familie innerhalb der Ordnung der Schmetterlinge. Hierzu zählt auch das Taubenschwänzchen. Namensgebend ist der schwarz-weiß gezeichnete Hinterleib, der an einen Federschwanz erinnert. Bei den »Federn« handelt es sich allerdings um verlängerte Schuppen. Mit denen kann der kleine Kobold beim Schwirren ausgezeichnet steuern. Im Schwirrflug, der tatsächlich an einen Kolibri erinnert, bleibt das Insekt vor jeder Blüte stehen. In fünf Minuten kann der Falter so mehr als hundert Blüten besuchen. Außergewöhnlich häufig bekommt man das Taubenschwänzchen in diesem Sommer zu Gesicht, erklärt Viktor Fieber. Aber auch andere Schwärmerarten wie die größeren Windenschwärmer profitierten von den tropischen Temperaturen. Sogar ein Totenkopfschwärmer ließ sich vor Viktor Fiebers Haustür blicken. Mit sieben Zentimeter langen Vorderflügeln und neun Gramm Körpergewicht zählt das prächtige Insekt zu den größten und schwersten Schmetterlingen. »Den habe ich früher nur alle fünf Jahre beobachtet.«

Auch beim Naturschutzbund Deutschland häufen sich in diesem Jahr die Meldungen von Beobachtungen des Taubenschwänzchens. Während die Schmetterlingsart früher nur in Süddeutschland einflog, wurde sie in diesem Sommer in fast ganz Deutschland gemeldet, kann man auf der Homepage des Naturschutzbundes (www.Nabu.de) nachlesen. Im Gegensatz zu seinen Schwärmerverwandten fliegt Macroglossum stellatarum, so heißt der Falter auf »schlau«, auch am Tag. Selbst bei Sonnenschein schwirrt das Tier von Blüte zu Blüte. Anders als seine nächsten Verwandten, die erst in der Dämmerung starten. Der Nektar von Flockenblume, Seifenkraut und Natternkopf steht auf der Speiseliste. Im Garten fliegt das flinke Tier auf Geranien, Phlox und Sommerflieder. Bei Blüten mit langem Kelch ist der Falter gegenüber anderen Insekten im Vorteil: Gut drei Zentimeter misst der Saugrüssel, mit dem er auf Nektarsuche geht.

Und noch einen weiteren Superlativ aus dem Leben des Taubenschwänzchens hat Viktor Fieber auf Lager: Der Schmetterling zählt zu den Wanderfaltern. Diese Schmetterlinge schlüpfen in der Mittelmeerregion aus den Eiern. Verdorrt hier die Vegetation, fliegen die Tiere nordwärts über die Alpen. Und landen dabei eben manchmal im Garten von Viktor Fieber. Bis zu 2000 Kilometer legt das Taubenschwänzchen dabei zurück. Hier legt das Insekt Eier auf Labkrautarten. Und die Falter, die sich aus der neuen Raupengeneration entwickeln, machen sich im Herbst wieder auf die Rückreise. Zurück über die Alpen. Dabei, so Viktor Fieber, fliegen die Taubenschwänzchen manchmal sogar bis nach Afrika.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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