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Franz Kick vor dem Ruhestand
Im Wald geht eine Ära zu Ende

Wachwechsel im Altenkirchener Forstamt: Franz Kick (r.) geht in den Ruhestand, Michael Weber wird sein Nachfolger.  Foto: damo
  • Wachwechsel im Altenkirchener Forstamt: Franz Kick (r.) geht in den Ruhestand, Michael Weber wird sein Nachfolger. Foto: damo
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damo Kreis Altenkirchen. „Er hinterlässt seinem Nachfolger ein gut bestelltes Feld“: Wenn Chefs in Ruhestand gehen, gibt’s neben einem Sektempfang gerne auch diesen Satz. Im Fall von Franz Kick aber wird dieses Kompliment ungesagt bleiben – zu schwierig ist das Fahrwasser, in dem sich sein Nachfolger als Forstamtschef behaupten muss.

Der Wald sieht verheerend aus, die Waldbesitzer sind alles andere als gut gelaunt, und die nächste Strukturreform wird weitere schmerzhafte Einschnitte bedeuten. Von einem bestellten Feld also kann beim besten Willen nicht die Rede sein. Allerdings: Für all das kann Franz Kick herzlich wenig. Ganz im Gegenteil: Ihm muss man hoch anrechnen, dass er in wenigen Tagen nicht etwa in Vorruhestand geht, sondern vielmehr in einen Nachruhestand.

damo Kreis Altenkirchen. „Er hinterlässt seinem Nachfolger ein gut bestelltes Feld“: Wenn Chefs in Ruhestand gehen, gibt’s neben einem Sektempfang gerne auch diesen Satz. Im Fall von Franz Kick aber wird dieses Kompliment ungesagt bleiben – zu schwierig ist das Fahrwasser, in dem sich sein Nachfolger als Forstamtschef behaupten muss.

Der Wald sieht verheerend aus, die Waldbesitzer sind alles andere als gut gelaunt, und die nächste Strukturreform wird weitere schmerzhafte Einschnitte bedeuten. Von einem bestellten Feld also kann beim besten Willen nicht die Rede sein. Allerdings: Für all das kann Franz Kick herzlich wenig. Ganz im Gegenteil: Ihm muss man hoch anrechnen, dass er in wenigen Tagen nicht etwa in Vorruhestand geht, sondern vielmehr in einen Nachruhestand. Kick ist bereits 66 Jahre alt. Dass er über die reguläre Zeit hinaus geblieben ist, zeigt, dass er sich der Herausforderung gestellt hat.

Und Herausforderungen hat es in seiner 34-jährigen Amtszeit mehr als genug gegeben. Stürme namens Wiebke, Xynthia und Kyrill forderten nicht nur ganz neue Strategien für die Holzvermarktung, sondern auch ein Umdenken im Waldbau. Aber das war darstellbar, blickt Kick zurück: „Wenn der Windwurf lag, haben wir die Ärmel hochgekrempelt, und dann ging’s los.“ Nasslager wurden eingerichtet, neue Vertriebswege erschlossen, weniger anfällige Wälder aufgebaut. Und dann? Kamen „die Klimakatastrophenjahre 2018 und 2019“, wie es Kick formuliert – und eine unsägliche Kombination aus Dürre und einer nie für möglich gehaltenen Borkenkäferplage haben den Wald auf breiter Front in die Knie gezwungen.

Parallel dazu wurden der untersten Ebene der Forstverwaltung immer neue Sparpläne auferlegt. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Zahl der Forstämter genauso drastisch reduziert wie die der einzelnen Reviere. Dennoch reicht Kicks Loyalität zu seinem Arbeitgeber nach wie vor weit: „Das Land muss sparen, und das geht eben vor allem beim Personal“, sagt er im Gespräch mit der SZ. Dass es immer wieder die Beamten der Forstverwaltung trifft, schmerzt ihn zwar – aber er gibt sich auch keinen Illusionen hin, was die Gründe angeht: „Wir haben die geringste Lobby. Welcher Politiker kann sich denn erlauben, bei Lehrern oder Polizisten zu kürzen?“

Also wurden die Stellen bei Landesforsten reduziert – ungeachtet der Tatsache, dass Wälder gerade in Zeiten des Klimawandels besonders viel Beachtung verdienen: zum einen, weil sie unter den Wetterkapriolen höllisch leiden, zum anderen, weil intakte Wälder als CO2-Senken eine wichtige Funktion für den Klimaschutz haben.

Dass in diesem Spannungsfeld auch die Waldbesitzer aufjaulen, liegt nahe. „Die sind sauer, lehnen weitere Kürzungen ab, weil sie befürchten, dass ihr Förster zu wenig Zeit für sie haben wird“, erklärt Kick. Und die Waldbesitzer sind nicht seine einzige Sorge: Er kann ein Lied davon singen, wie sehr sich die altgedienten Förster durch die immer größeren Reviere unter Druck gesetzt fühlen.

Also: Die 34 Jahre, in denen der gebürtige Kirchener an der Spitze des Altenkirchener Forstamts gestanden hat, waren weder Blümchenwiese noch Ponyhof. Und trotzdem sagt Kick heute, dass ihm seine Arbeit, für die er sich schon als Junge entschieden hat (womöglich auch deshalb, weil sein Vater und sein Opa ebenfalls Förster waren), bis zuletzt viel Freude bereitet hat. „Das war genau das, was ich mir vorgestellt habe“: Einen schöneren Satz kann man am Ende eines Berufslebens kaum sagen.

Mit Kicks Eintritt in den Ruhestand geht im Forstamt AK eine Ära zu Ende. Eine neue wird’s mit dem direkten Nachfolger kaum geben können: Michael Weber ist bereits 60 Jahre alt, wird also keine Jahrzehnte mehr im Dienst bleiben. Und nicht nur dieser späte Wechsel lässt aufhorchen: Auch, dass er von einem Chefsessel auf den anderen umsteigt, erstaunt – seit 2012 leitet er das Forstamt Rennerod.

Warum also der Wechsel? „Das ist für mich Heimat“, sagt Weber, der in der Natur des Mühlentals bei Birken-Honigsessen aufgewachsen ist. Aber das allein ist nicht der Grund für den Wechsel. Weber, der in seiner bisherigen Laufbahn unter anderem in der Ausbildung tätig war und einen Schwerpunkt auf die Binnenorganisation von Verwaltungen gelegt hat, freut sich auch auf die anderen Strukturen. Dazu muss man wissen: Kick hat das Altenkirchener Forstamt anders organisiert, als das in Rennerod der Fall ist – in AK wird nach dem Prinzip der Funktionalisierung gearbeitet, was Weber sehr reizt.

Webers vorrangigste Aufgabe wird indes keine andere sein als in Rennerod: der Wiederaufbau des gebeutelten Waldes. Natürlich bringt der neue Chef kein Allheilmittel mit – wie auch? Er vergleicht die Herausforderungen, die auf die Waldbauern zukommen, mit dem Handling der Corona-Pandemie. „Es ist wie ein Flug im Nebel. Wir müssen viel kommunizieren, immer neu abwägen. Und wir müssen sehen, dass wir uns angesichts der Unkenntnis, was auf den Wald zukommt, nicht auf wenige Wege festlegen.“ Denn die Zeiten, in denen man im Waldbau für hundert Jahre Fakten schaffen konnte, seien längst vorbei: „Wir können heute nicht mehr Fichten pflanzen und davon ausgehen, dass wir die in hundert Jahren ernten können.“ Nach seiner Einschätzung müssen sich die Waldbesitzer breit aufstellen, experimentierfreudig sein und gleichzeitig regelmäßig evaluieren. Und sie müssen Rückschläge einkalkulieren: „Wir werden immer negative Überraschungen mit Extremwettern erleben.“

In seinen ersten Tagen im neuen Amt will der neue Chef übrigens vor allem die „alten Hasen“ unter den Förstern aufsuchen – Kick ist nicht der einzige, der in diesem Jahr in Ruhestand geht. „Dieses Wissen, was die langjährigen Revierförster haben, würde ich gerne nutzen.“ Und einen Arbeitsschwerpunkt hat Weber auch schon in den Fokus genommen: Nach all dem Wüten des Borkenkäfers, das unendlich viel Arbeitskraft gebunden hat, sei es höchste Zeit, den bestehenden Laubholzbeständen wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Und dort trifft Weber dann doch einige gut bestellte Felder an.

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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