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Ohne Spezialisierung geht es nicht mehr
Immer weniger Baumschulen im Land

Armin Utsch, Inhaber der Kirchener Baumschulen, setzt verstärkt auf das sogenannte „Air-Pot“-System, in dem vor allem auch große Pflanzen sehr gut herangezogen werden.
  • Armin Utsch, Inhaber der Kirchener Baumschulen, setzt verstärkt auf das sogenannte „Air-Pot“-System, in dem vor allem auch große Pflanzen sehr gut herangezogen werden.
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thor Kirchen. Es liest sich wie ein großer Widerspruch: Das ökologische Bewusstsein wird immer größer, und der Trend zu „Grün“ ist in fast allen Lebenslagen zu sehen – doch gleichzeitig nimmt die Zahl der Baumschulen rapide ab. In Rheinland-Pfalz gibt es inzwischen nur noch 59 Betriebe, die auf einer Fläche von 461 Hektar Bäume und Sträucher für Gärten, Grünflächen oder Obstanlagen anziehen.
Wie das Statistische Landesamt Rheinland-Pfalz mitteilt, ging die Betriebszahl seit 2017 um 12 Prozent zurück, die Baumschulfläche sank im gleichen Zeitraum um knapp 17 Prozent. Ein durchschnittlicher Baumschulbetrieb bewirtschaftet nur noch eine Fläche von 7,8 Hektar. Vor vier Jahren waren es noch 8,2 Hektar.

thor Kirchen. Es liest sich wie ein großer Widerspruch: Das ökologische Bewusstsein wird immer größer, und der Trend zu „Grün“ ist in fast allen Lebenslagen zu sehen – doch gleichzeitig nimmt die Zahl der Baumschulen rapide ab. In Rheinland-Pfalz gibt es inzwischen nur noch 59 Betriebe, die auf einer Fläche von 461 Hektar Bäume und Sträucher für Gärten, Grünflächen oder Obstanlagen anziehen.
Wie das Statistische Landesamt Rheinland-Pfalz mitteilt, ging die Betriebszahl seit 2017 um 12 Prozent zurück, die Baumschulfläche sank im gleichen Zeitraum um knapp 17 Prozent. Ein durchschnittlicher Baumschulbetrieb bewirtschaftet nur noch eine Fläche von 7,8 Hektar. Vor vier Jahren waren es noch 8,2 Hektar.

Die Zahl der Baumschulen hat sich halbiert

Einer der Standhaften in der Branche ist Armin Utsch. Der Inhaber der Kirchener Baumschulen kann mit seinem Betrieb auf eine mehr als 130-jährige Tradition blicken. Karl Lohse hatte einst ein Unternehmen gegründet, das in der erfolgreichsten Ära 200 Morgen Land bewirtschaftete und 150 Mitarbeiter zählte. Eine völlig andere Zeit. Auch Utsch ist die jüngste Entwicklung nicht verborgen geblieben: „In den vergangenen 30 Jahren hat sich die Zahl der Baumschulen halbiert, das ist schon dramatisch.“ Armin Utsch und seine Kollegen müssen sich mittlerweile ständig neu erfinden, um auf dem umkämpften Markt bestehen. Es gebe verschiedene Gründe für den Rückgang der Betriebe, sagt der Kirchener. „Es fehlt zum einen an Fachpersonal, die Ausbildung wird uns vonseiten der Schulen nicht leicht gemacht, und dann sind wir natürlich auch einem starken Wettbewerb unterworfen.“

Weihnachtsbäume nur auf 11 Hektar Auf 29 Prozent der rheinland-pfälzischen Baumschulfläche im Freiland (131 Hektar) werden Ziersträucher und Bäume angezogen (minus 16 Prozent seit 2017). Hierzu zählen vor allem Laub- und Nadelbäume für z. B. Alleen, Straßen und Parks (52 Hektar); Ziersträucher und Laubgehölze (51 Hektar) sowie Nadelgehölze oder Koniferen (18 Hektar). Darin nicht enthalten sind knapp 11 Hektar, auf denen Weihnachtsbäume kultiviert werden (minus 46 Prozent). Forstpflanzen werden auf 22 Prozent der Baumschulfläche bzw. 101 Hektar produziert (plus 8,2 Prozent). Mit gut 11 Prozent Flächenanteil bzw. 52 Hektar stellen die Veredelungen von Obstgehölzen oder Rosen einen weiteren Produktionsschwerpunkt dar (minus 8,5 Prozent). Dabei wird auf eine Unterlage, sprich einer Jungpflanze einer anderen Sorte, die gewünschte Obstsorte gesetzt und beide Pflanzen miteinander verbunden, um die positiven Sorteneigenschaften zu kombinieren. Heckenpflanzen wurden auf 7,7 Prozent (minus 37 Prozent) gezogen.

Ganze Gartenkonzepte im Angebot

Der Kirchener Unternehmer erinnert daran, dass mit jedem geschlossenen Betrieb und jedem nicht ausgebildetem Lehrling auch Fachwissen verloren gehe. Ohne Spezialisierung gehe es heute nicht mehr, sagt Utsch. In den Baumärkten beispielsweise gebe es Standardware – „das, was momentan schön ist“.
In einer Baumschule wie der in Kirchen wird etwas langfristiger und umfassender gedacht und gearbeitet. „Wir sind kein Markt, in dem die Leute sich einfach etwas abholen“, sagt Utsch. Er bietet mit seinem Team inzwischen ganze Gartenkonzepte und die entsprechende Beratung an. „Die Kunden sind schon bereit, mehr Geld für Pflanzen auszugeben“, so seine Erfahrung. Und sie seien im Gegensatz zu früher sehr gut informiert. „Sie wissen sehr genau, was sie haben wollen.“

,,Wir haben Spaß an Planzen''

Utsch hat es sich zum beruflichen Lebensmotto gemacht, dass er Veränderungen immer auch als Chance begreift. So versucht er seine Kunden stets von Neuerungen zu überzeugen: Dazu gehören zum Beispiel seit geraumer Zeit die sogenannten „Air-Pots“, ein spezielles, wiederverwendbares Container-System, das für optimales Wurzelwachstum sorgt und für die Anzucht von großen Pflanzen bestens geeignet ist. Denn viele Gartenbesitzer wollen nicht dabei zusehen, wie aus einem Winzling Jahre später ein imposanter Strauch oder Baum wird, sondern den Anblick sofort genießen.

Mit diesem System ist Utsch nicht mehr auf die klassische Pflanzzeit im Frühjahr und Herbst angewiesen, sondern kann auch im Sommer zur Tat schreiten. Denn bei Baumschulen gelte noch die Devise: „Wir haben Spaß an Pflanzen.“

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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