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Gemeinschaftspraxis beklagt eklatante Mängel
Impfstoff-„Lotterie“ sorgt für Frust

Die Tatsache, dass viele Patienten nach wie vor starke Vorbehalte gegen das Vakzin von AstraZeneca haben, führt dazu, dass auch in der Gemeinschaftspraxis am Rothenberg zumeist das Mittel von Biontech/Pfizer (im Foto ist der Handelsname Comirnaty zu lesen) verimpft wird. Das birgt weitere Probleme, wie Björn Brenner im SZ-Gespräch skizziert.
  • Die Tatsache, dass viele Patienten nach wie vor starke Vorbehalte gegen das Vakzin von AstraZeneca haben, führt dazu, dass auch in der Gemeinschaftspraxis am Rothenberg zumeist das Mittel von Biontech/Pfizer (im Foto ist der Handelsname Comirnaty zu lesen) verimpft wird. Das birgt weitere Probleme, wie Björn Brenner im SZ-Gespräch skizziert.
  • Foto: Pixabay
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

nb Niederfischbach. Die Mediziner und Fachangestellten in der Gemeinschaftspraxis am Rothenberg tun wahrlich alles dafür, dass der Corona-Impfstoff in die Oberarme kommt: Eine Art „Impfzentrum“ für die eigenen Patienten wurde innerhalb kürzester Zeit aus dem Boden gestampft und in Betrieb genommen. Anrufe, die sich rund um das Impfen drehen, schrauben die ohnehin schon schwindelerregende Zahl von Telefongesprächen pro Tag noch einmal höher und werden geduldig beantwortet. 35 bis 40 Helferinnenstunden pro Woche – umgerechnet also eine komplette Vollzeitstelle – kommen an Vorbereitungen für das „Piksen“ zum üblichen Pensum hinzu.

nb Niederfischbach. Die Mediziner und Fachangestellten in der Gemeinschaftspraxis am Rothenberg tun wahrlich alles dafür, dass der Corona-Impfstoff in die Oberarme kommt: Eine Art „Impfzentrum“ für die eigenen Patienten wurde innerhalb kürzester Zeit aus dem Boden gestampft und in Betrieb genommen. Anrufe, die sich rund um das Impfen drehen, schrauben die ohnehin schon schwindelerregende Zahl von Telefongesprächen pro Tag noch einmal höher und werden geduldig beantwortet. 35 bis 40 Helferinnenstunden pro Woche – umgerechnet also eine komplette Vollzeitstelle – kommen an Vorbereitungen für das „Piksen“ zum üblichen Pensum hinzu.

Bund behindert Impfen in der Praxis

Viel Zeit, Arbeit und Energie fließen also in die Organisation und Durchführung der Impfungen – und das ist natürlich nicht nur in der Gemeinschaftspraxis in Niederfischbach so. Entsprechend groß sind der Frust und die Enttäuschung, die das „Föschber“ Praxisteam jetzt öffentlich machen. Denn die eigenen Anstrengungen würden immer wieder torpediert – in einem Schreiben der Praxis heißt es, dass den Hausärztinnen und Hausärzten „von bundespolitischer Seite aus Stein um Stein in den Weg gelegt“ wird.
Björn Brenner erläuterte der SZ am Montagnachmittag per Telefoninterview, was das für „Steine“ sind und welche wohl noch auf die Praxen zukommen. Er bezog dabei stellvertretend für das gesamte Medizinerteam – bestehend im Weiteren aus Dipl.-Medizinerin Gisela Keim, Dr. Frank Heinbach, Antje Neuser und Dr. Markus Gromnitza – Stellung.

Menge des Impfstoffs bleibt lange unklar

Das wöchentliche „Lottospiel“, wie Brenner es nennt, beginnt demnach donnerstags. Dann würden die Apotheken und Praxen darüber informiert, welche Impfstoffsorten und welche jeweiligen Mengen in der kommenden Woche zu erwarten sind. Damit bleibe nur wenig Zeit, um die Impfungen – in der Praxis am Rothenberg sind es gut 200 pro Woche – zu organisieren. „Wir wissen nie, wie viel Impfstoff kommt, das sorgt für ein massives logistisches Problem“, so der Internist.
Auch für Zubehör gelte: ein „Lotteriespiel“. Welche Spritzen und Kanülen schlussendlich in der Praxis landen würden, wisse man nie. Das Problem: Je nach Art von Spritze und Kanüle bekomme man mehr oder weniger Einzeldosen aus den Fläschchen des Herstellers Biontech/Pfizer.

AstraZeneca weiterhin unbeliebt

Apropos Hersteller: Nach wie vor ist AstraZeneca alles andere als ein „Renner“. Über den Impfstoff sagt Brenner: „Das ist sicherlich kein schlechtes Präparat.“ Aber: Rund 40 Prozent ihrer prinzipiell impfbereiten Patienten lehnten AstraZeneca ab, teils müssten lange Beratungsgespräche geführt werden, die dann auch nicht immer zu einer Entscheidung pro AstraZeneca führen würden.
Diese skeptische Haltung in Kombination mit der Empfehlung der Ständigen Impfkommission, unter 60-Jährige mit Biontech zu impfen, führt zur nächsten Befürchtung der Niederfischbacher Mediziner: einem Mangel an Biontech/Pfizer.

Kein Vakzin für Erstimpfungen übrig

Alle in der vergangenen Woche bei ihnen verimpften Dosen seien dieses Vakzin gewesen, so Brenner. Problem: Die vom Bundesgesundheitsministerium angekündigten Liefermengen bezögen sich nun auf Erst- und Zweitimpfungen. Das hieße im Umkehrschluss, dass voraussichtlich die meisten Biontech-Dosen für die nötigen und bereits terminierten Zweitimpfungen genutzt werden müssten. Ja, Brenner befürchtet, dass sie sogar dafür kaum reichen. Für Erstimpfungen blieben kaum Dosen des Herstellers – eine voraussichtliche „Reduzierung durch die Hintertür“ nennen das die „Föschber“ Ärzte. Und auch diese Info sei den Vertragspraxen erst am Freitag per Newsletter-Mail zugekommen.

Zusätzlich im Impfzentrum anmelden

Das alles – die späten Informationen, die Unzuverlässigkeit, die Unvorhersehbarkeit, die geringe Menge an Impfstoff – sei „sehr unbefriedigend“, so Björn Brenner zusammenfassend. Auch bei den Patienten sorge das, verständlicherweise, für Wut und Unverständnis.
Die Praxis am Rothenberg appelliert aufgrund dieser Situation an die Impfwilligen, sich auch bei bereits erfolgter Anmeldung in der Praxis zusätzlich im Impfzentrum registrieren zu lassen. Und bittet zudem darum, sich bei bereits erfolgter Impfung, ob im Zentrum oder einer anderen Praxis, unbedingt zu melden und von der Liste der Voranmeldungen streichen zu lassen.
Auch von Anfragen zum möglichen Impftermin bitten die Ärzte abzusehen – denn es bleibt einfach: eine „Lotterie“.

Autor:

Nadine Buderath (Redakteurin) aus Betzdorf

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