Thorsten Ginsberg als freiwilliger Helfer im Flutgebiet
In der Eimerkette

Schier unglaubliche Bilder von Straßenzügen aus der betroffenen Region.
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  • Schier unglaubliche Bilder von Straßenzügen aus der betroffenen Region.
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dach Bad Neuenahr-Ahrweiler/Kirchen. „Im Erdgeschoss stand das Wasser“, der 44-Jährige steht auf und reckt seinen Zeigefinger so hoch an der Wand seines Esszimmers entlang wie es geht, „bis hier hin!“ Thorsten Ginsberg war am Donnerstag in Bad Neuenahr-Ahrweiler, als freiwilliger Helfer.
Nach der Flut dort vor einer Woche sind nun die Aufräumarbeiten in vollem Gange. Dabei sind neben Feuerwehren, THW oder Bundeswehr auch viele Freiwillige vor Ort, wie der Kirchener aus erster Hand berichtet.

Am Donnerstag macht er sich mit einem Freund aus Wissen und einem Generator an Bord in seinem Kleinwagen auf den Weg. Der Freund hatte bereits vorher schon mal beim Aufräumen angepackt, wusste also, wie man das Flutgebiet am besten anfährt.

Kleines Hilfe-Zentrum im Garten

Es geht in die Ortschaft Grafschaft, wo Ginsberg das Auto parkt. „Von da sind Shuttle-Busse nach Bad Neuenahr-Ahrweiler gefahren“, erzählt er. Am Weingut Haus Sonnenberg begibt sich das Duo aus dem AK-Kreis quasi in die Hände des Teams der Winzerfamilie Michaela und Marc Linden, das im Garten des Guts ein kleines Hilfe-Zentrum eingerichtet hat.

Neben Verpflegung und Ausrüstung für freiwillige Helfer gibt es für jeden, der in die Hände spucken möchte, eine Adresse im Stadtgebiet, an der es etwas zu tun gibt. Zur ersten Station für Thorsten Ginsberg „waren es zehn Minuten zu Fuß – durch ein Katastrophengebiet“. Die meisten Straßen und Gehwege seien mittlerweile zwar von Schlamm befreit, „aber überall: Müll, Müll, Müll“. Die Bundeswehr sei mit Fahrzeugen wie im Kriegseinsatz unterwegs. Und der Geruch, der über der Stadt liegt, sei übel.

Feuerwehren oder THW pumpen vollgelaufenen Keller ab

Bei Frau Meier, Ende 70, reihen sich Ginsberg und sein Mitstreiter ein: Etwa 15 Leute, Gleichgesinnte etwa aus dem Sauerland oder dem Taunus, reichen sich unentwegt Eimer an, gefüllt mit tiefbrauner Pampe. Die Feuerwehren oder das THW pumpten die vollgelaufenen Keller ab, so der Kirchener. Aber der Schlamm bleibe zurück. Dafür ist dann Handarbeit angesagt.

Sieht aus wie Kabul, ist aber Bad Neuenahr-Ahrweiler.
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Irgendwann ist der erste Keller leer. Per Handy lassen sie sich die nächste Adresse geben, diesmal ist es ein älteres Ehepaar. Größerer Keller, dafür mehr, die mit anpacken. Und auch beim letzten Einsatz des Tages ist wieder Eimerkette angesagt.

Kostenlose Burger für alle vor Ort

Schlamm, kaputte Möbel, alles das, was das Wasser verschluckt hatte, wird einfach in die Vorgärten gekippt, erzählt Thorsten Ginsberg. In jedem Straßenzug sind demnach Bagger unterwegs, die sich alles aus den Vorgärten schnappen und damit unentwegt Container befüllen. Zwischendurch habe das DRK ganz in der Nähe ein großes Büfett für alle Helfer im Umkreis aufgebaut. Er habe Food-Trucks gesehen, aus denen die Burger an alle vor Ort kostenlos rausgehen. Jeder hilft, wie er kann.

"Die Leute gucken dich an,
als wärst du ein Engel auf Erden."

Thorsten Ginsberg
freiwilliger Helfer

Am Ende des Tages geht es zunächst zurück zum Weingut. Dort können sich die beiden noch einmal verpflegen. Auf einem Unimog ist ein großer Wassertank gelagert. Damit sich die Freiwilligen ihre verdreckten Sachen abspritzen können. Von dort geht es per Shuttle zurück zum Parkplatz und von dort wieder nach Hause.

Thorsten Ginsberg aus Kirchen in Bad Neuenahr-Ahrweiler.
  • Thorsten Ginsberg aus Kirchen in Bad Neuenahr-Ahrweiler.
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Warum hat er sich einfach ins Auto gesetzt? „Das hätte uns auch passieren können“, meint Ginsberg, der in Kirchen oberhalb der Klotzbachstraße wohnt. Und hier hatte es vor einigen Jahren ebenfalls ein Starkregen zugeschlagen, wenn auch nicht in vergleichbarer Dimension.

Viele traurige Geschichten gehört

Die jüngste Flutkatastrophe sei „geografisch nur eine Haaresbreite von uns entfernt“ geschehen. Mit seinem Einsatz wolle er „den Betroffenen zeigen, dass sie nicht alleine sind“. Dafür komme viel Dank zurück. Die Flutopfer „gucken dich an, als wärst du ein Engel auf Erden“. Er hat aber auch viele traurige Geschichten von Betroffenen gehört. In der Stadt stoße man auch immer mal wieder auf rote Fahnen – Markierungen für Leichenfunde.

An diesem Wochenende, eventuell auch kommende Woche, will er erneut nach Bad Neuenahr-Ahrweiler aufbrechen, um zu helfen. Dafür sucht er noch Mitstreiter. Zu erreichen ist Thorsten Ginsberg mobil unter (0 15 23) 4 35 73 33.

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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