»In die Mitte unserer Gesellschaft«

Umweltschutz hat mit Ökonomie zu tun / Ministerin Conrad beim Dialog auf der Freusburg

goeb Freusburg. Ministerin Margit Conrad brachte es gestern auf den Punkt: Die Art, wie die Menschheit mit fossilen Brennstoffen umgehe, könne die Erde auf Dauer nicht verkraften. »Die Kinder, die mit den Ergebnissen dieses Energieverbrauchs einmal werden umgehen müssen, sind heute schon geboren.« Höchste Zeit also, mit Kindern ins Gespräch zu kommen oder sich doch wenigstens unter den Erwachsenen ernsthaft Gedanken zu machen, welchen Stellenwert die Bewahrung der Umwelt in unserer Gesellschaft einzunehmen hat.

Es blieb beim Ansatz

Eingeladen zum »2. Umweltdialog« hatten der scheidende SPD-Landtagsabgeordnete Franz Schwarz sowie als Mitveranstalter Wolfgang Stock, Umweltschützer, -pädagoge in vielen Funktionen und aktiver Jäger. Schwarz erinnerte an den Mai 2004, als man den »Umweltdialog« hatte anstoßen wollen. Eine Vernetzung habe man schaffen wollen, »doch es ist beim Ansatz geblieben«, räumte er ein. Er scheide nun bald aus und hoffe, dass Dr. Matthias Krell und Thorsten Wehner als Aspiranten auf einen Platz im Landtag die »ökologische Nische« füllten. Jedenfalls habe die gestern ebenfalls im Münstersaal der Freusburg anwesende Eda Jahns in puncto Umweltschutz Pionierarbeit geleistet, lobte er.

Schutz von Schmetterlingen

Es gelte, weite Bevölkerungsteile für diese Themen zu sensibilisieren. Von den »Multiplikatoren« saßen derweil viele im Publikum, um den Ausführungen der Staatsministerin zu lauschen oder den anderen Referenten, die Umweltschutz praktisch in Form realer Projekte vorstellten: eine Gruppe vom Freiher-vom-Stein-Gymnasium Betzdorf-Kirchen, die sich u.a. den Schutz und die Kenntnis heimischer Schmetterlingsarten und ihrer Lebensräume auf die Fahnen geschrieben hat, sowie der Kindergarten »Wirbelwind« aus Freusburg mit seiner pädagogisch sinnstiftenden Einführung eines »Waldtages«. Förster, Naturschützer, Jugendgruppenleiter und viele Pädagogen, daneben aber auch Politiker in Amt und Würden und solche, die es werden wollen, erhofften sich Impulse und Anregungen von der Zusammenkunft – und wurden fündig.

Vor allem Margit Conrads Referat ließ den Funken überspringen. Die Staatsministerin gab sich begeistert von der Vielfalt der Initiativen, die die Gäste repräsentierten. »Das ist nicht bei allen Anlässen Standard«, lobte sie. Sie habe den Blick von der Burg auf den Giebelwald genossen, sagte sie. »Man ist sich auch hier in der Region allmählich bewusst, welche Qualität die Umwelt besitzt.«

Für die Kommunikation sei eben der menschliche Kontakt wesentlich: »Das geht nicht nur über das Internet.« Wenn man die Menschen konkret fragte: Wie wichtig ist Ihnen sauberes Trinkwasser? usw. sei rasch klar, dass Umweltbelange in der Wichtigkeit ganz oben auf der Agenda-Liste stünden.

Über die Einseitigkeit von Öl

Margit Conrad verdeutlichte anhand der gestiegenen Energiepreise, dass Ökologie und Ökonomie kein Gegensatzpaar seien. Das eindrücklichste Beispiel dafür gebe die Forstwirtschaft ab. Eine naturnahe Forstwirtschaft komme dem Prinzip Nachhaltigkeit am nächsten. Schon während ihres Studiums habe sie die Einseitigkeit von Öl als fossilem Brennstoff kritisiert. »Jetzt merken die Menschen, dass das zu einer ökonomischen Frage wird. Die Welt stellt uns jetzt eine Energierechnung von 80 Mrd. Euro. Das jährliche Anwachsen dieser Rechnung lässt das Wirtschaftswachstum verpuffen.«

Im Grunde laufe die Wirtschaft den Preisen hinterher, sagte die Ministerin weiter. Für sie gebe es ohne Umweltschutz auch kein ökonomisches Wachstum, demzufolge könne sie nur davor warnen, das Thema Umweltschutz an den Rand der Debatte zu drängen. »Es gehört in die Mitte unserer Gesellschaft.«

Das Land Rheinland-Pfalz habe den Schutz der Lebensgrundlagen nicht grundlos in seine Verfassung aufgenommen. Es gebe zahlreiche Projekte zu nennen, in denen dies schon vor Ort umgesetzt werde. So seien bereits 60 Schulen in einem Netzwerk zusammengefasst, das sich ganz der Nachhaltigkeit verschrieben habe. 10 Prozent aller Schulen sollen es später einmal sein. Ein weiteres Beispiel: 22000 Kinder erreichte man über die Waldjugendspiele. Umwelterziehung sei heute vielfach in den Unterricht integriert.

»Vernetzt sind wir stärker«

Noch viele weitere Initiativen, staatlich oder privat, fanden am Nachmittag Erwähnung: vom stark nachgefragten Leitfaden über interessante Kinderbücher (»Kühe sind nicht lila«) bis hin zu den vielen Bachpatenschaften, die auch im Kreis Altenkirchen oft von Schulklassen übernommen werden. Hier sei der Dialog noch längst nicht abgeschlossen, warb die Politikerin. »Vernetzt sind wir stärker.«

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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