SZ

Kritik in Sachen Gewerbegebiet
In Steeg formiert sich Widerstand

Die Wiese im Vordergrund könnte zum Gewerbegebiet werden – zumindest sollen jetzt auf Verbandsgemeinde-Ebene erste Weichen dafür gestellt werden. Das scheint in Steeg aber nicht allen zu schmecken.
  • Die Wiese im Vordergrund könnte zum Gewerbegebiet werden – zumindest sollen jetzt auf Verbandsgemeinde-Ebene erste Weichen dafür gestellt werden. Das scheint in Steeg aber nicht allen zu schmecken.
  • Foto: damo
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

damo Friesenhagen. Transparenz sieht anders aus, da sind sich Horst Braun und Christoph Gehrke einig. Und im SZ-Gespräch betonen sie unisono, dass sie mit dieser Einschätzung nicht alleine stehen: Offenbar formiert sich im Friesenhagener Ortsteil Steeg Pläne Widerstand gegen die Erweiterung des bestehenden Gewerbegebiets.
Thema im Bauausschuss 
Konkret geht es um die Wiese, die zwischen der Dorfstraße in Steeg und dem Nasslagerplatz der Hatzfeldt’schen Verwaltung liegt. Ein ortsansässiger Betrieb würde gerne expandieren und hat dazu diese Fläche ins Auge gefasst – das ist schon lange bekannt, ohne dass tatsächlich etwas geschehen wäre. Jetzt aber scheint das Thema plötzlich sehr aktuell zu werden: Am Donnerstag wird sich der Bauausschuss der Verbandsgemeinde damit befassen.

damo Friesenhagen. Transparenz sieht anders aus, da sind sich Horst Braun und Christoph Gehrke einig. Und im SZ-Gespräch betonen sie unisono, dass sie mit dieser Einschätzung nicht alleine stehen: Offenbar formiert sich im Friesenhagener Ortsteil Steeg Pläne Widerstand gegen die Erweiterung des bestehenden Gewerbegebiets.

Thema im Bauausschuss 

Konkret geht es um die Wiese, die zwischen der Dorfstraße in Steeg und dem Nasslagerplatz der Hatzfeldt’schen Verwaltung liegt. Ein ortsansässiger Betrieb würde gerne expandieren und hat dazu diese Fläche ins Auge gefasst – das ist schon lange bekannt, ohne dass tatsächlich etwas geschehen wäre. Jetzt aber scheint das Thema plötzlich sehr aktuell zu werden: Am Donnerstag wird sich der Bauausschuss der Verbandsgemeinde damit befassen.
Das hat nach Aussage von Gehrke und Braun dazu geführt, dass sich am Sonntag gut zwei Dutzend Einwohner auf der Straße in Steeg getroffen haben, um über die Entwicklung zu reden. Und Gehrke sagt, das Stimmungsbild sei eindeutig gewesen: „Ohne Zweifel ist die Mehrheit der Steeger Bevölkerung dagegen.“

Grüne Wiese erhalten

Dabei geht es offenbar um zwei Aspekte: Zum einen um den Erhalt der Fläche als grüne Wiese, zum anderen aber auch darum, dass das Vorgehen der Verwaltung in Steeg auf wenig Gegenliebe stößt.
Zur Kritik an der Verwaltung: Das Procedere ist – neutral formuliert – zumindest ungewöhnlich. Denn noch am 23. September hatte Horst Braun in der Einwohnerfragestunde des Gemeinderats eine Antwort bekommen, die keineswegs vermuten ließ, dass sich in Steeg rasch etwas verändern könnte. „Derzeit liegen dem Gemeinderat noch keine Planungsunterlagen vor, auf deren Grundlage sich der Rat damit hätte beschäftigen können“, hatte Beigeordneter Michael Schüttler geantwortet, wie der Eintrag im Sitzungsprotokoll belegt. Und: Erst dann, wenn es konkreter werde, komme das Thema im Rat auf den Tisch.

Ortsgemeinde fühlt sich übergangen

Umso erstaunlicher finden es die Steeger, dass das Thema bereits an diesem Donnerstag im Bauausschuss des Verbandsgemeinderats auf der Tagesordnung steht – und nicht etwa auf Ortsgemeinde-Ebene. „Ich dachte immer, die Verbandsgemeinde sei der Dienstleister der Ortsgemeinde?“, wundert sich Braun, und Gehrke – selbst Ratsmitglied – ergänzt: „Üblicherweise treffen wir die politischen Entscheidungen.“ Bisher sei das Thema aber noch nie im Friesenhagener Rat oder seinen Ausschüssen beraten worden, geschweige denn bei einer Einwohnerversammlung erklärt worden.

Steeger vermissen Transparenz

Aber in Steeg sorgt nicht nur für Verwunderung, von wem gehandelt wird – sondern auch seit wann. Denn am 23. September hatte die Ortsgemeinde ja noch nichts von konkreten Planungen gewusst – aber schon am 30. September habe das Kirchener Bauamt die Vorlage fertig gehabt, über die der Ausschuss morgen berät, monieren Gehrke und Braun.
Erklärte Zielsetzung laut Sitzungsvorlage: Weil sich ein dringender Bedarf für die Erweiterung der gewerblich nutzbaren Flächen ergeben habe, soll die landwirtschaftliche genutzte Fläche zur Gewerbefläche umgewidmet werden; im nächsten Schritt könnte dann die Ortsgemeinde einen Bebauungsplan aufstellen.

Sorge vor weiterem Lkw-Aufkommen

Und nicht nur am Vorgehen, sondern auch am Plan selbst entzündet sich Kritik. Dabei gehe es den Steegern laut Braun und Gehrke keineswegs um das betroffene Unternehmen – sondern vielmehr darum, dass die Wiese Wiese bleiben solle.
Dafür gibt es laut Braun viele gute Gründe. So herrsche in weiten Teilen der Steeger Bevölkerung Skepsis, ob der Ort noch weitere Gewerbeflächen verträgt – schließlich steige damit das Lkw-Aufkommen weiter an, für Schulkinder werde der Weg zur Bushaltestelle gefährlicher, und auch das Ortsbild leide.

Bedeutung in Zeiten des Klimawandels

Darüber hinaus argumentiert Braun mit dem Natur- und Umweltschutz: Es spricht von einem weiteren Eingriff in ein Landschaftsschutzgebiet und betont, dass gerade unverbaute Auenwiesen in Zeiten des Klimawandels eine enorme Bedeutung hätten – schließlich würden sie bei Starkregen als natürliche Retensionsflächen gebraucht. Zudem greife auf der Wiese, die Teil eines FFH-Gebiets ist, ein Verschlechterungsverbot. Und: „Wir müssen unseren Flächenverbrauch endlich reduzieren.“

Kirchener Bauamt weist Vorwürfe zurück „Es gibt noch keine Pläne, und erst wenn es dazu kommen sollte, wird ein ganz normales, transparentes Verfahren beginnen, in dem jeder seine Bedenken äußern kann“: Der Kirchener Bauamtsleiter Tim Kraft verwehrt sich im Gespräch mit der SZ entschieden gegen die Vorwürfe aus Steeg. Er kontert die Kritikpunkte, und zwar so: Am 30. September habe es weder konkrete Pläne gegeben noch eine fertige Sitzungsvorlage. Das Thema sei Ende September lediglich als Platzhalter auf die Tagesordnung des Ausschusses gesetzt worden – mehr aber auch nicht. „Am 30. September gab es nur die Überschrift, sonst nichts, null.“ Und dass überhaupt am 30. September ein Platzhalter im Ratsinfosystem angelegt worden sei, diene nur der behördeninternen Planung. Also greife der Vorwurf nicht, dass der Ortsgemeinde am 23. September keine Pläne vorgelegen hatten, eine Woche später aber in Kirchen fertige Pläne aus der Schublade geholt worden seien. „Das stimmt einfach so nicht.“ Auch der Vorwurf, dass die Verbandsgemeinde sich mit ihrer Planung über die Ortsgemeinde hinwegsetze, treffe nicht zu. Vielmehr sei der Gewerbetreibende mit der Bitte an die Verwaltung herangetreten, die Expansionsmöglichkeiten auf der FFH-Wiese zu prüfen. Und da ohnehin für das Areal auf der anderen Seite der Dorfstraße die Prüfung einer Flächennutzungsplanänderung im Raum stehe (dort läuft ein Bebauungsplanverfahren), erledige man jetzt beide Schritte in einem Verfahren. Aber das heiße noch lange nicht, dass konkrete Pläne für die FFH-Wiese vorlägen. Von fehlender Transparenz kann laut Kraft ebenfalls nicht die Rede sein. Denn die Prüfung, ob der Flächennutzungsplan geändert werden kann, sei nur der erste Schritt – erst dann, wenn dieser getan sei, könne man über das weitere Procedere nachdenken. Und das bedeute konkret: Nur, wenn der Flächennutzungsplan geändert werden kann, könnte die Ortsgemeinde ein Bebauungsplanverfahren ans Laufen bringen. Und zu diesem Verfahren gehöre selbstredend auch die Beteiligung der Öffentlichkeit – mit der Möglichkeit für jeden Bürger, Kritik und Bedenken anzubringen.
Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

4 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige

Tablet-Aktion der Siegener Zeitung
SZ-Abo abschließen und Tablet sichern

Mit einem Abo der Siegener Zeitung kommen Sie jetzt gleichzeitig auch an ein Tablet Ihrer Wahl. Immer und überall informiert mit dem E-Paper... lesen, wo ich will; ... über die Suchfunktion schnell finden, was mich interessiert; ... gleicher Inhalt in praktischer Form; ... mit Zoomfunktion. Jetzt exklusiv: die Tablet-Bundle-Aktion  Beinahe geschenkt: Erhalten Sie kostengünstig ein Tablet Ihrer Wahl bei Abschluss eines Abos der Siegener Zeitung. Möchten Sie Ihr neues Tablet gleich zum Lesen...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen