SZ

Das Solbachtal ist abgeschnitten
Internet-Satellit ist seit Kriegsbeginn offline

Das Solbachtal in Friesenhagen: eine Idylle wie in den Büchern von Astrid Lindgren, leider aber digital noch immer auf einem ähnlichen Level wie das Bullerbü der 1950er-Jahre.
  • Das Solbachtal in Friesenhagen: eine Idylle wie in den Büchern von Astrid Lindgren, leider aber digital noch immer auf einem ähnlichen Level wie das Bullerbü der 1950er-Jahre.
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damo Friesenhagen. Jetzt ist die letzte Verbindung ins Internet gekappt: Das Solbachtal in Friesenhagen ist spätestens mit dem Beginn des Ukraine-Kriegs in der digitalen Steinzeit angekommen. Und weil es beim Neubau eines LTE-Masten aktuell an Umweltauflagen hakt, steht zu befürchten, dass sich daran so schnell nichts ändern wird.
Seit Beginn des Krieges sind die Router offline
Es ist gerade mal ein paar Monate her, da waren die Telefone im Solbachtal plötzlich tot: Die Telekom brauchte Anfang November mehrere Beschwerdetelefonate und sechs Wochen Zeit, um eine Störung im Festnetz zu beheben. Aber damals gab's zumindest noch ein bisschen digitale Kommunikation: Ein Satellit hat die Nachbarn mit dem Rest der Welt verbunden.

damo Friesenhagen. Jetzt ist die letzte Verbindung ins Internet gekappt: Das Solbachtal in Friesenhagen ist spätestens mit dem Beginn des Ukraine-Kriegs in der digitalen Steinzeit angekommen. Und weil es beim Neubau eines LTE-Masten aktuell an Umweltauflagen hakt, steht zu befürchten, dass sich daran so schnell nichts ändern wird.

Seit Beginn des Krieges sind die Router offline

Es ist gerade mal ein paar Monate her, da waren die Telefone im Solbachtal plötzlich tot: Die Telekom brauchte Anfang November mehrere Beschwerdetelefonate und sechs Wochen Zeit, um eine Störung im Festnetz zu beheben. Aber damals gab's zumindest noch ein bisschen digitale Kommunikation: Ein Satellit hat die Nachbarn mit dem Rest der Welt verbunden.

Besagter Satellit ist laut Daniel Maag, der mit seiner Familie in Obersolbach lebt, die einzige Option, um überhaupt das Internet nutzen zu können. Denn kabelgebundes DSL gibt es in den Weilern im Solbachtal nicht, und auch das Handy streikt dort beharrlich, egal in welchem Netz. "Wenn man überhaupt ins Internet will, dann geht es nur mit Internet via Satellit", fasst Maag die Ausgangslage zusammen. Die hat sich aber mit dem Beginn des Kriegs in der Ukraine noch einmal verschlechtert: Seit Putins Einmarsch sind die Router offline.

LTE-Mast lässt auf sich warten

Grund dafür ist offenbar ein Hackerangriff auf einen Satelliten. Mehrere Provider der Internet-via-Satellit-Dienste haben schon Ende Februar mitgeteilt, dass sie ihre Dienste nicht aufrechterhalten können. Zuerst waren die Ursachen noch unklar, mittlerweile werfen die USA und die EU Russland gezielte Angriffe auf die Satellitennetzwerke vor. Offenbar stecke eine russische Malware mit dem hübschen Namen "Acidrain", also: "Säureregen", dahinter.

41 Meter hohes Geschenk

Natürlich sind ein paar tote Internetrouter im Angesicht der Zerstörungen in der Ukraine eine Bagatelle − und das wissen auch die Menschen im Solbachtal. Trotzdem herrscht dort wieder Frust: Denn eigentlich hätten die Kommunikationsdefizite im Solbachtal mittlerweile ein für alle Mal aus der Welt geräumt sein können. Denn wie bereits berichtet, will die Telekom in dem Weiler Engelshäuschen einen LTE-Mast errichten. Aber das hängt derzeit an Umweltauflagen.

Das Projekt stockt wegen Auflagen aus dem Kreishaus

Eigentlich hätte der Mast, den das gesamte Solbachtal dringend herbeisehnt, bereits im April ans Netz gehen sollen. Aber er ist noch nicht einmal gebaut worden, denn die Untere Naturschutzbehörde der Kreisverwaltung hat noch nicht zugestimmt: "Die Baugenehmigung liegt noch nicht vor, da geht es um einige Auflagen", erklärt Ortsbürgermeister Norbert Klaes. Und er macht auch deutlich, wie er dazu steht: "Ich bin stinksauer, wie das gelaufen ist. Das ist alles andere als Wirtschaftsförderung, das ist alles andere als moderne Kommunikation, das ist einfach Mist."

Denn das Kirchener Rathaus, die Kommune und die Telekom hätten ihre Hausaufgaben gemacht: Die Gemeinde habe ihrerseits schon vor Monaten alle nötigen Beschlüsse gefasst, und die Telekom habe bereits einen geeigneten Standort für den Mast gesucht und gefunden. Sogar der Pachtvertrag mit dem Landwirt, dem die Fläche gehört, sei schon in trockenen Tüchern. Jetzt aber stocke das Projekt wegen der Auflagen aus dem Kreishaus, sagte Klaes.

Nur im Herbst oder Winter kann gebaut werden

Die SZ hat bei der Kreisverwaltung  nachgehakt. Dort verweist die Pressestelle auf die rechtlichen Rahmenbedingungen: In einem Landschaftsschutzgebiet müsse genau geprüft werden, ob es zum Beispiel Alternativen zur Gittermast-Bauweise gebe. Und: Für den Bau seien ein "landschaftspflegerischer Fachbeitrag mit integrierter Artenschutzprüfung", eine Grünlandkartierung und eine erweiterte Sichtbarkeitsanalyse nötig. All das sei in Bearbeitung, und gebaut werden könne "aufgrund artenschutzrechtlicher Vorschriften" nur im Herbst oder Winter. 

Für die Nachbarn im Solbachtal ist das reichlich frustrierend. "Natürlich ist es hier wunderschön, und wir leben gerne hier. Aber es geht heute nicht mehr ohne Kommunikation. Da hängen Jobs dran", verdeutlicht Ratsmitglied Daniel Maag: Homeoffice im Solbachtal sei schlichtweg ein Ding der Unmöglichkeit. Selbst mit Satellit habe das nicht funktioniert: "Das war langsam, schlecht und teuer." Trotzdem hätten die Anlieger aus dem Tal auf diese Lösung gesetzt, weil es schlichtweg keine andere gab. Und nun habe der Ausfall des Satelliten die Lage zusätzlich verschärft. "Daher warten wir natürlich auf den LTE-Mast, der ist für uns ganz wichtig." Das sieht auch der Kirchener Wirtschaftsförderer so. Tim Kraft sagt im Gespräch mit der SZ: "Wir brauchen diesen Mast."

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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