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Hegering Betzdorf/Kirchen
Jäger verzichten wegen Corona auf Bewegungsjagden

Treiber in orangefarbenen Warnwesten, Hundemeuten und Schüsseltreiben: All das wird’s in diesem Winter im Hegering Betzdorf/Kirchen nicht geben, denn die großen Bewegungsjagden sind wegen der Pandemie abgesagt worden.
  • Treiber in orangefarbenen Warnwesten, Hundemeuten und Schüsseltreiben: All das wird’s in diesem Winter im Hegering Betzdorf/Kirchen nicht geben, denn die großen Bewegungsjagden sind wegen der Pandemie abgesagt worden.
  • Foto: damo (Archiv)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

damo Freusburg. Noch liegen die Borkenkäfer-Flächen brach – aber schon bald werden sich dort die Rehe in einer Wildnis aus Farn und Brombeere praktisch unsichtbar machen. Und noch wütet die Afrikanische Schweinepest nicht in unseren Wäldern – aber niemand kann mit Gewissheit sagen, wie lange wir noch verschont bleiben. Für die Jäger könnte die Ausgangslage also kaum eindeutiger sein: Gerade in diesen Tagen ist es von enormer Bedeutung, die Wildbestände zu regulieren. Trotzdem hat der Hegering Betzdorf/Kirchen in diesem Herbst auf die groß angelegten Jagdtage verzichtet.
Warum? „Lieber eine Maske im Gesicht als einen Zettel am Fuß“, verweist Hegeringsleiter Josef Jendrek im SZ-Gespräch auf die Corona-Pandemie.

damo Freusburg. Noch liegen die Borkenkäfer-Flächen brach – aber schon bald werden sich dort die Rehe in einer Wildnis aus Farn und Brombeere praktisch unsichtbar machen. Und noch wütet die Afrikanische Schweinepest nicht in unseren Wäldern – aber niemand kann mit Gewissheit sagen, wie lange wir noch verschont bleiben. Für die Jäger könnte die Ausgangslage also kaum eindeutiger sein: Gerade in diesen Tagen ist es von enormer Bedeutung, die Wildbestände zu regulieren. Trotzdem hat der Hegering Betzdorf/Kirchen in diesem Herbst auf die groß angelegten Jagdtage verzichtet.
Warum? „Lieber eine Maske im Gesicht als einen Zettel am Fuß“, verweist Hegeringsleiter Josef Jendrek im SZ-Gespräch auf die Corona-Pandemie. Mit Blick auf Nutzen und Risiken hat sich der Hegering Betzdorf/Kirchen entschlossen, in Zeiten von Corona auf die revierübergreifenden Jagden zu verzichten.
Dazu muss man wissen: Seit zwei Jahren werden im Oberkreis Altenkirchen Bewegungsjagden im weitaus größeren Stil organisiert als früher. Die Reviergrenzen sind an diesen Tagen aufgehoben worden, und bisweilen haben mehr als 50 Jäger gleichzeitig auf den Hochständen ausgeharrt, während Dutzende Hunde durchs Unterholz gezogen sind. Das Ergebnis hat den enormen organisatorischen Aufwand gerechtfertig, blickt Jendrek zurück: „Wir haben wirklich gute Erfolge gehabt.“

Hegering Betzdorf/Kirchen hat sich die Entscheidung nicht leichtgemacht

Kein Wunder also, dass das Konzept eigentlich fortgesetzt werden sollte. Bereits im Februar hatten Planung und Vorbereitung der revierübergreifenden Jagden begonnen: Polizei, Rathäuser und Forstamt wurden informiert, Hundemeuten geordert, Straßensperrungen angemeldet und Jäger kontaktiert. Dann kam das Coronavirus – und im Laufe eines langen Diskussionsprozesses haben die Mitglieder des Hegerings schließlich entschieden, auf die großen Jagden zu verzichten.
„Wir haben uns diese Entscheidung nicht leichtgemacht“, verdeutlicht Jendrek, schließlich habe es Pro- und Kontra-Argumente gegeben. Gerade deshalb erhebt der Hegering auch nicht den Anspruch, die einzig richtige Entscheidung getroffen zu haben. „Wir wollen da keineswegs jemanden bevormunden: Es muss jeder selbst entscheiden, ob er während einer Pandemie eine Bewegungsjagd durchführt.“

Drückjagd unter Druck

Denn nach Jendreks Einschätzung ist es durchaus möglich, eine Gesellschaftsjagd Corona-konform durchzuführen. Beispielhaft verweist auf zwei Jagden unter der Regieführung des Forstamts, die „vorbildlich organisiert“ gewesen seien. Allerdings habe das Forstamt einen sehr hohen organisatorischen Aufwand betreiben müssen – und das, obwohl die Jagdgesellschaften viel kleiner waren als bei den großen Bewegungsjagden des Hegerings.
Nun weiß Jendrek natürlich auch, dass die Waldbauern in diesen Tagen noch mehr auf die Jäger schauen als sonst: Wenn große Kahlflächen neu bepflanzt werden, herrschen geradezu paradiesische Verhältnisse fürs Rehwild. Hier eine Knospe, da ein Terminaltrieb: Wenn der Rehwildbestand nicht korrigiert wird, fällt die Wiederaufforstung doppelt schwer.

Rehwild sollte nicht verdammt werden

Und so sieht Jendrek die Jäger zwar durchaus im Zugzwang, allerdings warnt er zugleich davor, das Rehwild zu verdammen: „Der aktuelle Zustand des Walds ist nicht von Rehen geschaffen worden, sondern von Menschen“ – Rehe seien weder für falsche forstliche Weichenstellungen noch für den Klimawandel verantwortlich.
Trotzdem blendet Jendrek nicht aus, dass die Zeit drängt: „Wenn Haselnuss, Brombeere und Birke erstmal Fuß gefasst haben, haben die Rehe gar keinen Grund mehr, diese Flächen zu verlassen. Da geht ohne Hunde in Sachen Jagd kaum noch was.“ Auch das Schwarzwild werde von den vielen neuen Dickungen profitieren: „Und wir müssen zur Abwehr der Afrikanischen Schweinepest jagen, aber auch, um die Schäden in Gärten und auf landwirtschaftlichen Flächen gering zu halten.“

Jäger müssen andere Strategien anwenden

Der Verzicht auf die Bewegungsjagden schmerzt – bleibt die Frage: Wie wollen die Jäger ihr Soll erfüllen, wenn ihnen mit der Gesellschaftsjagd ihr wirkungsvollstes Instrument nicht zur Verfügung steht?
„Mit großem Aufwand und anderen Strategien“, sagt Jendrek und verweist auf Gemeinschaftsansitze, bei denen kein Jäger den anderen zu Gesicht bekommt. Nach festen Zeitplänen sind fünf, sechs Jäger gleichzeitig draußen – was natürlich die Chance erhöht, Tiere zu erlegen. Und: Dass das Jagdgesetz jetzt den Einsatz von Nachtsichtgeräten zulässt, erleichtere den Jägern ihre Arbeit ebenfalls. Und diese gesetzliche Neuregelung war überfällig, meint Jendrek: „Wir hätten das Schwarzwildproblem nicht, wenn die Politik früher reagiert hätte.“

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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