Jugendherbergen – auf dem Weg zu »All inclusive«

Freusburg mit Zertifikat für Service und Qualität ausgezeichnet/Verbandsgeschäftsführer Büttner: »Wir müssen um jeden Gast kämpfen«

thor Freusburg. »Ob Sechs- oder Zehnbett-Zimmer, das war egal; Hauptsache, es war gemütlich. Zum Frühstück gab es Brot, Butter, Marmelade – wenn es hoch kommt noch Dauerwurst.« Die Erinnerungen von Christoph Moschner dürften exemplarisch für all jene sein, die das letzte Mal vor 25 Jahren und mehr eine Jugendherberge von innen gesehen haben. Würde der Beigeordnete der Verbandsgemeinde Kirchen heute noch einmal auf der Freusburg nächtigen, könnte er sich an einem umfangreichen Frühstücksbuffet stärken. Auch sonst würde ihn vermutlich viel an die Leistungen einer Pension oder eines kleinen Hotels erinnern. Spartanische Verhältnisse, das war einmal.

Die Jugendherbergen sind auf dem Weg, umfassende Dienstleister im Freizeitbereich zu werden – und die Freusburg ist ganz vorne mit dabei. Gestern erhielt Herbergsvater Thomas Schneider das »Serqua«-Zertifikat, das ihm und seinem Team bescheinigt, ein deutliches Signal für Service und Qualität zu setzen. Überreicht wurde es von Franz-Josef König, Geschäftsführer der Gesellschaft für Systemisches Management. Zu einer kleinen Feierstunde war auch der Geschäftsführer des Landesverbands Westfalen-Lippe im Deutschen Jugendherbergswerk, Wolfgang Büttner, aus Hagen in »seine« einzige Einrichtung auf rheinland-pfälzischen Gebiet gekommen.

Franz-Josef König fasste die inhaltliche und wirtschaftliche Entwicklung der Jugendherbergen so zusammen: aus Herbergseltern werden Manager, aus Gastgebern Unternehmer. Wer heute eine Jugendherberge besuche, der erwarte ein Rund-um-Angebot für die Freizeitgestaltung und individuelle Betreuung. »Die Gäste wollen positiv überrascht werden«, so König. Die entscheidende Frage der Zukunft sei: »Wie übertreffe ich die Erwartungen der Gäste?« Auf der Freusburg habe er ein motiviertes und engagiertes Team erlebt, das sich den Herausforderungen stellen werde, wenn in zwei Jahren das Zertifikat erneuert werden müsse. »Es war sehr anstrengend und hat viel Energie gekostet«, zollte Büttner den Freusburgern Respekt. »Derjenige wird sich durchsetzen, der seinem Gast die beste Gegenleistung bietet«, gab der Geschäftsführer als eine Art Marschroute aus, zumal sich der Wettbewerb unter den Jugendherbergen, Landschulheimen und ähnlichen Häusern verschärfen werde: »Wir müssen um jeden Gast kämpfen.« Büttner erinnerte daran, dass unter den zuletzt 34000 Übernachtungsgästen im Jahr auf der Freusburg 90 Prozent Kinder und Jugendliche waren. Angesichts des demographischen Wandels werde diese »Hauptzielgruppe« aber zunehmend kleiner. So machte Büttner später im Gespräch mit der SZ darauf aufmerksam, dass sich bereits der Anteil der Familien unter den Besuchern im Verbandsgebiet von 4 auf 8 Prozent verdoppelt habe.

Nun ist allerdings keinesfalls geplant, die Jugendherbergen in riesige Pensionen mit Doppelzimmern und Nasszellen umzuwandeln. Das »Erlebnis Jugendherberge«, gerade für die Kinder, dürfe nicht verwässert werden. Büttner gestand ein – in Anlehnung an die Erinnerungen Moschners –, dass das Bild von Jugendherbergen in der Öffentlichkeit nicht mit dem in der Realität übereinstimme: »Wir haben noch ein antiquiertes Image.«

Auf der Freusburg hat man sich natürlich nicht erst seit diesem Jahr bzw. dem Besuch des Prüfers im Mai mit den neuen Anforderungen auseinander gesetzt. Vielmehr ist es im Lauf der Jahre ein stetiger Prozess gewesen. »Bei einem Haus unserer Größenordnung mit manchmal sechs bis sieben Schulklassen pro Tag waren viele Abläufe schon sehr strukturiert und systematisiert«, betont Thomas Schneider. Zum normalen Service gehört mittlerweile, dass man für Gruppen bestimmte Programmpunkte fest bucht, z.B. den Besuch des Bergbaumuseums in Sassenroth, und die Gruppen auch sonst umfassend betreut. »Das ist auch ganz interessant für Lehrer. Die können ihre Klassen dann einmal ,von außen’ beobachten.«

Freizeitbad unbedingt erhalten

Aber, und da musste der »Burgherr« Wolfgang Büttner zustimmen, der Kampf werde härter. Deshalb auch sein Appell an die Kommunalpolitiker in Kirchen: das Freizeitbad auf dem Molzberg unbedingt erhalten. Denn so wie die Freusburg nach den Worten von Christoph Moschner ein Werbeträger für die gesamte Region ist, so stelle das Bad einen Standortfaktor für die Freusburg dar.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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