SZ-Plus

65-Jährige steht in Koblenz vor Gericht
Kinder auf der Kirmes Mudersbach mit Hammer bedroht

Sonntagmittag auf der Mudersbacher Kirmes: Eine 65-Jährige bedroht Kinder und ihre Eltern mit einem Hammer. Was an diesem Tag schiefgelaufen ist, soll jetzt im Koblenzer Landgericht geklärt werden.
  • Sonntagmittag auf der Mudersbacher Kirmes: Eine 65-Jährige bedroht Kinder und ihre Eltern mit einem Hammer. Was an diesem Tag schiefgelaufen ist, soll jetzt im Koblenzer Landgericht geklärt werden.
  • Foto: rai (Archiv)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

damo Mudersbach. Johanna K. (Namen geändert) hat vor einigen Tagen ihren 65. Geburtstag gefeiert, und wenn sie auf ihr Leben zurückblickt, dann kommen ihr viele schöne Erinnerungen in den Sinn. Ihre Kindheit in einem kleinen Dorf im Siegerland, ihre Schulzeit, die Ausbildung zur Verkäuferin: „Es hat viele gute Zeiten in meinem Leben gegeben.“ Aber der Herbst vor zwei Jahren war nach objektiven Maßstäben gar nicht gut, und das weiß auch Johanna K. – schließlich sitzt sie für das, was im Oktober 2018 schiefgelaufen ist, heute auf der Anklagebank des Koblenzer Landgerichts.
Angeklagte schwingt scharfkantigen Hammer über dem Kopf
Es ist Sonntagmittag, kurz vor 13 Uhr. Für Fynn ist der 7.

damo Mudersbach. Johanna K. (Namen geändert) hat vor einigen Tagen ihren 65. Geburtstag gefeiert, und wenn sie auf ihr Leben zurückblickt, dann kommen ihr viele schöne Erinnerungen in den Sinn. Ihre Kindheit in einem kleinen Dorf im Siegerland, ihre Schulzeit, die Ausbildung zur Verkäuferin: „Es hat viele gute Zeiten in meinem Leben gegeben.“ Aber der Herbst vor zwei Jahren war nach objektiven Maßstäben gar nicht gut, und das weiß auch Johanna K. – schließlich sitzt sie für das, was im Oktober 2018 schiefgelaufen ist, heute auf der Anklagebank des Koblenzer Landgerichts.

Angeklagte schwingt scharfkantigen Hammer über dem Kopf

Es ist Sonntagmittag, kurz vor 13 Uhr. Für Fynn ist der 7. Oktober 2018 ein großer Tag: Endlich ist er zehn Jahre alt, seine Eltern haben ihm erlaubt, dass er zum ersten Mal auf dem „Breakdance“ fahren darf. Dass es regnet wie aus Kübeln, macht nix. Sein kleiner Bruder, Mama und Papa und noch zwei befreundete Familien mit Kindern warten vor dem Karussell, als Fynns Jungfernfahrt beginnt. Aber irgendwann schauen die Eltern nicht mehr zu ihrem Sohn: Denn nur wenige Meter entfernt taucht Johanna K. auf. Über dem Kopf schwingt sie einen scharfkantigen Hammer, den sie sich kurz zuvor am Kirmes-Stand eines Dachdeckers geschnappt hat. Mit dem Werkzeug in der Hand kommt sie auf die kleine Gruppe zu. Was genau sie dabei ruft, wissen die Zeugen heute nicht mehr – nach Überzeugung der Staatsanwalt hat Johanna K. die Kinder angeschrien: „Haut ab, ihr Drecksschlampen!“

Dachdecker entwaffnet die 65-Jährige

Die 33-jährige Mandy K. erfasst die Situation als Erste: Sie stupst aufgeregt Fynns Mutter, Sekunden später herrscht Chaos. „Die Kinder haben sofort angefangen zu weinen“, berichtet Fynns Mutter: „Und natürlich habe ich mich auch bedroht gefühlt.“ Die Männer aus der Gruppe gehen auf die „völlig aggressive Frau“ zu, versuchen sie wegzujagen. Und dann kommt auch noch der Dachdecker dazu: Er entwaffnet die 65-Jährige, indem er sich seinen Hammer zurückholt. Johanna K. weicht zurück. Wie getrieben, berichtet einer der Zeugen, läuft sie über den Kirmesplatz. Und dann taucht sie wieder bei den drei Familien vor dem „Breakdance“ auf, fluchend, schimpfend und drohend. Einer der Väter sagt im Zeugenstand, die Frau sei gestört gewesen. Das ist zweifellos eher eine derbe denn eine empathische Umschreibung ihres Zustands – aber in der Tat hat sich Johanna K. an diesem Tag keineswegs unter Kontrolle.
Noch hat der psychiatrische Gutachter den Richtern seine Expertise nicht vorgelegt, aber dass Johanna K. psychisch krank ist, steht außer Frage. Und ihr Problem im Herbst 2018 ist, dass sie ihre Medikamente nicht nimmt. „Ich bin keine gute Tabletten-Einnehmerin“, sagt sie vor Gericht.
Wohl auch deshalb lebt sie – nach mehreren Aufenthalten in der geschlossene Station der Psychiatrie Wissen – mittlerweile in einem Heim im Bergischen Land, das nicht nur auf Pflegefälle, sondern auch auf Menschen mit psychischen Krankheiten spezialisiert ist. Dort fühlt sie sich wohl, und seit sie dort lebt, hat es auch keinerlei Probleme mehr gegeben, bestätigt ihr Betreuer.
Ob sie dort gut aufgehoben ist, wird eine der entscheidenden Fragen des Prozesses werden. Denn es geht um viel: Die Staatsanwaltschaft spricht davon, dass die Gefahr bestehe, dass sich eine solche Tat wie die in Mudersbach wiederholen könnte. Ergo gehe von Johanna K. eine Gefahr für ihre Mitbürger aus – und dann steht schnell eine Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik im Raum.

Prozess wird im Dezember fortgesetzt

Wie es zu der Eskalation auf der Kirmes kommen konnte, wird wohl im Dunkeln bleiben: Die unmittelbar betroffenen Zeugen sind alle gehört, und niemand hat verstanden, was geschehen ist. Und Johanna K.s Erklärung trägt auch nicht so recht: Sie spricht von randalierenden, besoffenen Jugendlichen und davon, dass sie mit ihrer Aktion doch nur die „Kinderchen schützen“ wollte. Aber niemand außer Johanna K. hat an diesem Sonntagmittag auf der Kirmes randalierende Jugendliche gesehen, und beschützt gefühlt haben sich die Kinder rund um Fynn auch nicht. Ganz im Gegenteil: Einer der Jungs ist Johanna K. ein Jahr später auf dem Supermarkt-Parkplatz begegnet. „Er hat geweint und wollte nicht aus dem Auto aussteigen“, berichtet seine Mutter. Der Prozess wird im Dezember fortgesetzt.

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

4 folgen diesem Profil
Lokales
Unter Siegerländer Artikeln finden Besucher der SZ-Homepage derzeit zahlreiche Angebote von Siegener Händlern. Möglich macht das die Kooperation mit dem hiesigen Start-up-Unternehmen mapAds. Mit dem innovatien Digitalmarketing-Werkzeug lassen sich Angebote von Handel und Dienstleistung einfach digitalisieren und bald über viele zusätzliche Kanäle publizieren.

Start-up mapAds und Vorländer Mediengruppe
Angebote einfach digitalisieren und publizieren

sz Siegen. Die Vorländer Mediengruppe arbeitet weiter konsequent an der Umsetzung ihrer Digitalstrategie. Während die Zeitungsproduktion weiter das Kerngeschäft und das wichtigste Standbein des Verlages bleiben wird, investiert Vorländer selbstbewusst und entschieden in moderne Strukturen, neue Technologien und die Digitalisierung. Mit dem Digitalen arbeiten„Wir sind überzeugt davon, dass die Zukunft darin liegt, nicht gegen das Digitale, sondern mit dem Digitalen zu arbeiten. Wir sehen das...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen