Mudersbacher Kita verabschiedet Leiterin in den Ruhestand
„Kinder sind das Salz in der Suppe“

Die Kita „Sonnenschein“ ohne Edeltrud Pilnei? Für inzwischen Generationen von Mudersbachern unvorstellbar. Doch in rund einer Woche hat sie ihren letzten Arbeitstag, dann geht es in den Ruhestand.
  • Die Kita „Sonnenschein“ ohne Edeltrud Pilnei? Für inzwischen Generationen von Mudersbachern unvorstellbar. Doch in rund einer Woche hat sie ihren letzten Arbeitstag, dann geht es in den Ruhestand.
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nb Mudersbach. 44 Jahre lang hat sie kleine Menschen beim Entdecken begleitet. Und sie selbst, sie hatte dabei immer „den Durst nach Neuem“. 44 Jahre war Edeltrud Pilnei Erzieherin und den größten Teil ihres Berufslebens Leiterin der Mudersbacher Kita „Sonnenschein“. Am Donnerstag aber heißt es ein gutes Stück weit Abschied nehmen: vom Team, von den Kindern und von der Einrichtung, die sie über so viele Jahre entscheidend geprägt hat. Nur ein gutes Stück weit und nicht komplett, weil zwar am Donnerstag ordentlich gefeiert wird, aber noch eine gute Woche im Arbeitskalender steht.

Dass sie einmal auf 44 Jahre als Erzieherin zurückblicken würde, daran dürfte Edeltrud Pilnei als junge Frau allerdings noch nicht gedacht haben. Aufgewachsen ist sie in Brunken im Wissener Land. Ihre Eltern betrieben Nebenerwerbs-Landwirtschaft und da wurde jede Hand gebraucht. Doch nicht nur das machte ihrem Traum, Grundschullehrerin zu werden, einen Strich durch die Rechnung. Ein Mädchen, das studiert? Insbesondere auf dem Lande für viele damals noch eine seltsame Vorstellung. Nach der Mittleren Reife verließ sie also das Gymnasium Wissen – „dann sollte ich einen ,richtigen Beruf’ erlernen.“

Das, so erzählt die 63-Jährige heute, sei auch der Grund gewesen, dass sie während ihrer kompletten Berufstätigkeit Weiterbildungsmöglichkeiten geschätzt und genossen habe. Aber dazu später mehr.

Zunächst galt es, eine Alternative zu finden – und sie fand einen Kompromiss, der schließlich zur echten Lebensaufgabe wurde: Erzieherin. Von 1972 bis 1975 besuchte Edeltrud Pilnei die Fachschule für Sozialpädagogik in Wissen, absolvierte ihr Anerkennungsjahr in Schönstein.

Es war genau die Zeit, in der eine Gesetzesnovelle – das 1. Kita-Gesetz für Rheinland-Pfalz – die Kindergartenwelt aufwirbelte. Das Gesetz bedeutete, dass ungelernte Kräfte die Einrichtungen verlassen mussten und somit Fachkräfte zu einer begehrten Spezies wurden. Auch Edeltrud Pilnei, die es aus privaten Gründen nach Mudersbach verschlagen hatte, brauchte nicht lange zu suchen: Am 1. August 1975 fing sie in der Einrichtung an, die die Kommune von den Waldbreitbacher Ordensschwestern übernahm.

Damals war der Kindergarten allerdings noch in einem Nebengebäude des Altenheims, das ebenfalls von den Schwestern betrieben wurde, untergebracht und die räumlichen Bedingungen noch so, dass heutige Eltern und Pädagogen wohl die Hände über dem Kopf zusammenschlagen würden. Oder, wie sich Edeltrud Pilnei erinnert: „Da war eigentlich nichts.“

Das war auch der Ortsgemeinde klar, und so ging es Ende 1976 an der Rosenstraße ein Stücken höher: in den Neubau, der mit seinen Gruppenräumen und dem Außengelände rund 100 Kindern Platz bot.

Drei Jahre lang war Edeltrud Pilnei kommissarische Leiterin, bevor sie 1980 offiziell „Chefin“ der Einrichtung wurde.

„Ich habe das immer schon gerne gemacht mit dem Organisieren und Rechnen“, sagt die Noch-Leiterin über ihre Motivation. Aber nur am Schreibtisch über den Papieren sitzen? Nein, danke. Edeltrud Pilnei war auch immer noch mittendrin im Geschehen, in den Gruppen, bei den Kindern. „Ohne die Kinder wäre das auch nicht so lange gegangen“, blickt sie auf ihr Berufsleben zurück. Heute fühle sie sich oft wie 18 und dass dem so sei, schafften die Kinder: „Kinder sind das Salz in der Suppe.“

Dass man nie wisse, was der Tag bringe, habe für sie den Reiz des Berufes ausgemacht. Und sie bringt einen dafür passenden Charakterzug mit: „Ich habe nie Angst vor Neuem gehabt.“ Ob die Arbeit mit Kindern und Eltern, ob neue Konzepte oder wechselnde Gesetzeslagen – das Motto war: einfach machen.

So beispielsweise in den 90er-Jahren, als der Ganztagsbetrieb startete – damals noch „sehr zum Entsetzen der CDU“, wie Edeltrud Pilnei sich erinnert. Als Kindergartenleiterin hat sie, die fast mehr Zeit in Mudersbach als an ihrem Wohnort verbracht haben dürfte („Ich kenne hier mehr Leute als Zuhause“), die gesellschaftlichen Umbrüche hautnah miterlebt. „Der Zuzug hat schon was im Dorf gemacht“, meint sie zu der Tatsache, dass immer mehr junge Familien, z. B. auch aus dem Siegener Raum, den Weg in den Ort gefunden haben. „Mudersbach ist viel offener geworden.“

Sie selbst sieht den Kontakt zwischen der Kita „Sonnenschein“ und der Dorfgemeinschaft als äußerst wichtig an. Sich nicht abzuschotten, sondern mit Vereinen und anderen Einrichtungen zusammenzuarbeiten. Und zusammen zu feiern, so wie z. B. beim „lebendigen Adventskalender“, den die Kita ins Leben gerufen hat.

Ihre Zeit als Erzieherin und Kita-Leiterin hat natürlich aber vor allem der Kontakt mit den Eltern und die Arbeit mit den Kindern geprägt. Sie war stets Ansprechpartner für Familien, auch über die eigentliche Arbeitszeit hinaus: „Dienst nach Vorschrift habe ich nie gemacht.“ Und für die Kinder galt: „Man muss auf jedes Kind eingehen. Ich habe sie immer ernst genommen, nie ausgelacht.“ Den Mädchen und Jungen eine Basis mitzugeben, sie stark zu machen, sei entscheidend.

Egal, ob bei der Arbeit mit den Kindern oder dem Team, da kommt eine weitere Stärke zum Tragen: „Ich glaube, ich kann ganz gut beobachten.“ Auch ohne, dass es der oder diejenige mitbekommt, fügt sie noch lächelnd hinzu. Zwar sei sie keine große Rednerin, aber: „Wenn ich eine Entscheidung treffe, dann ist die durchdacht.“

Auch wenn über die Jahrzehnte „nicht alles rosa-rot“ war, die Arbeit mit den Kolleginnen und Kollegen sei fast immer gut gewesen. Und so ist Edeltrud Pilnei auch froh, dass ihre Nachfolgerin aus dem Team kommt. Ihren „Durst nach Neuem“ hat sie mit einer langen Liste an Fortbildungen gestillt: Supervision, Mediation, Elternbegleiter und und und.

Auf ihren neuen Lebensabschnitt und das neue – freie – „Zeitmanagement“ konnte sie sich allerdings nicht gänzlich vorbereiten. Aber die Generationen von Mudersbachern, die Edeltrud Pilnei kennen, wissen: Ganz unvorbereitet geht sie auch da nicht ran. Zuhause in Wissen umsorgen sie und ihr Mann vier Katzen und demnächst noch einen Hundewelpen. Dazu kommt, jetzt einfach mal Zeit zu haben: um im Haus zu „kramen“ oder sich mit Freunden zu treffen. „Da freue ich mich drauf.“ Zudem lässt die Rente ja auch Zeit für ehrenamtliches Engagement. Und das sieht Edeltrud Pilnei für sich beim Kinderschutzbund.

Und ansonsten dürfte auch weiterhin das gelten, was schon bisher gegolten hat: keine Angst vor Neuem, einfach machen.

Autor:

Nadine Buderath (Redakteurin) aus Betzdorf

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