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Kooperation mit Koblenzer Schule
Kirchen setzt auf neue Hebammen-Ausbildung

Gute Stimmung an Silvester im Kreißsaal: Hier hatte als letztes Baby des Jahres Matilda Josephine das Licht der Welt erblickt. Mit ihren Eltern Dorothea und Johannes Pieck freuen sich (v. l.) Krankenschwester Susanne Holzberger, Hebamme Marie-Theres Wagner und Ärztin Liliia Lakyza.
  • Gute Stimmung an Silvester im Kreißsaal: Hier hatte als letztes Baby des Jahres Matilda Josephine das Licht der Welt erblickt. Mit ihren Eltern Dorothea und Johannes Pieck freuen sich (v. l.) Krankenschwester Susanne Holzberger, Hebamme Marie-Theres Wagner und Ärztin Liliia Lakyza.
  • Foto: rai
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

thor Kirchen. Als im November 2009 Teile des Münsterlands tagelang in Folge von heftigen Schneefällen ohne Strom waren, meldeten die Krankenhäuser der Region neun Monate später einen Babyboom. Bei Kerzenschein und/oder Kaminfeuer waren Männlein und Weiblein eng zusammengerückt. Einen solchen Effekt wird es durch die Corona-Pandemie und die Lockdowns nicht geben. Das ist jedenfalls die feste Überzeugung von Dr. Bernd Mittag. „Familienplanung läuft heute anders“, sagt der Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe am DRK-Krankenhaus Kirchen. Es könne sogar zu einer gegenläufigen Entwicklung kommen, schaue man auf die große wirtschaftliche Unsicherheit in vielen Bereichen.

thor Kirchen. Als im November 2009 Teile des Münsterlands tagelang in Folge von heftigen Schneefällen ohne Strom waren, meldeten die Krankenhäuser der Region neun Monate später einen Babyboom. Bei Kerzenschein und/oder Kaminfeuer waren Männlein und Weiblein eng zusammengerückt. Einen solchen Effekt wird es durch die Corona-Pandemie und die Lockdowns nicht geben. Das ist jedenfalls die feste Überzeugung von Dr. Bernd Mittag. „Familienplanung läuft heute anders“, sagt der Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe am DRK-Krankenhaus Kirchen. Es könne sogar zu einer gegenläufigen Entwicklung kommen, schaue man auf die große wirtschaftliche Unsicherheit in vielen Bereichen.

2020 in Sachen Geburten für Klinik Kirchen ein normales Jahr

Dabei war 2020 in Sachen Geburten für die Kirchener Klinik fast ein ganz normales Jahr. Es wurde wieder einmal die vierstellige Grenze geknackt. Bei 1001 Geburten kamen in den Kreißsälen an der Bahnhofstraße 1010 Kinder zur Welt. Gegenüber 2019 ist das wieder eine leichte Steigerung (969/981), wobei laut Mittag weiter ein Trend zum zweiten oder dritten Kind in der Familie zu erkennen ist. Für den Chefarzt sind das nahezu ideale Zahlen – nicht zu groß, nicht zu klein.
An Silvester schaute der Klapperstorch noch zweimal in Kirchen vorbei. Den Jahresabschluss machte um 19.49 Uhr Matilda Josephine, 52 Zentimeter groß und 3610 Gramm schwer. Die junge Dame ist das vierte Kind der Eheleute Johannes und Dorothea Pieck aus Siegen und das dritte der Familie, das in Kirchen geboren wurde. Die Siegener haben sich einmal mehr bewusst für Kirchen entschieden, u. a. wegen der angegliederten Versorgung in der Pädiatrie - „und weil wir uns einfach wohlfühlen“, so Johannes Pieck.

Hebammen auf dem freien Markt sind rar gesät

Es ist auch der Beleg dafür, dass bei der Gesundheitsversorgung die nahe Landesgrenze nicht nur in eine Richtung geöffnet ist. Ob Siegen, Freudenberg oder Neunkirchen: Mit diesen Adressen schauen regelmäßig werdende Eltern in Kirchen vorbei.
Hier waren die ganze Pandemie über nicht nur die Mütter stets willkommen. „Was die Väter betroffen hat, waren wir immer offen. Die waren nie ausgeklammert“, betont Mittag. Daran hat sich bislang nichts geändert. Dass man – wie andere Krankenhäuser in Siegen auch – Gebärende abweisen musste, lag daran, dass sich manche Hebamme durch einen Covid-19-Verdachtsfall oder gar eine tatsächliche Erkrankung in Quarantäne begeben musste.
Überhaupt waren zuletzt die Hebammen so etwas wie ein limitierender Faktor. Denn während die Abteilung in ärztlicher Hinsicht gut aufgestellt ist, sind gute Geburtshelferinnen auf dem freien Markt eher rar gesät. Mittag, der die volle Weiterbildungsermächtigung hat, baut auf die „Eigengewächse“. Überhaupt werde die eigene Ausbildung immer wichtiger: „Krankenhäuser, die das nicht machen, sind dem Untergang geweiht.“

Kooperation mit Forschungs- und Bildungsinstitut

Und genau da setzen die Kirchener nun auch beim Thema Hebammen an. Noch in diesem Jahr – vermutlich im Spätsommer – wird eine Kooperation mit dem Forschungs- und Bildungsinstitut des Gemeinschaftsklinikums Mittelrhein aufgenommen. Das DRK-Krankenhaus beteiligt sich dann an der Hebammenschule am Kemperhof in Koblenz.
Die Notwendigkeit zur eigenen Ausbildung verdeutlicht auch Pflegedirektorin Michaela Meinhardt. Für sie steht das Thema seit ihrem „Amtsantritt“ in Kirchen Mitte vergangenen Jahres ganz oben auf der Agenda. Die Kooperation ist demnach so geplant, dass der theoretische Teil der bislang noch dreijährigen Ausbildung in Koblenz stattfinden wird, die Praxis dann in der Kirchener Geburtshilfe.
Mit zwei bis drei Azubis würde man gerne im ersten Jahrgang starten, so Meinhardt. Die Intention ist dabei klar: Im Zuge der Ausbildung erhoffen sich die Verantwortlichen eine wachsende Bindung ans DRK-Krankenhaus, sodass die Wahl des künftigen Arbeitsplatzes entsprechend ausfällt.
Bernd Mittag würde es jedenfalls begrüßen, wenn auch in diesem Bereich eine langfristige Kontinuität einzieht. Ansonsten schaut der Chefarzt ohnehin recht entspannt in die Zukunft – auch wenn manche Kreispolitiker durch den Krankenhaus-Neubau im Westerwald u. a. für die Gynäkologie in Kirchen eine starke Konkurrenz sehen. „Müschenbach-Ost ist für uns hier kein Thema“, stellt der Mediziner klar. „Wir sehen da weder Auswirkungen noch Handlungsbedarf.“

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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