Kirchenerin will Grünen-Chefin werden

Eveline Lemke-Ziebeil kandidiert für den Landesvorsitz / »Brücken nach Mainz bauen«

damo Kirchen. Eveline Lemke-Ziebeil aus Kirchen will Landesvorsitzende der Grünen werden. Das teilte der Kreisverband von Bündnis90/Die Grünen gestern in einem Schreiben an die Presse mit. Und nach SZ-Informationen sind die Chancen für die Kirchenerin gut: Laut Lemke-Ziebeil gab es gestern bei Redaktionsschluss noch keine Gegenkandidatin – und die Grünen geben die Liste der Kandidaten heute in Druck.

Nach dem grünen Debakel bei der letzten Landtagswahl zeichnen sich einige personelle Veränderungen in der Spitze des Landesverbands ab, berichtete die 42-jährige Kirchenerin gestern im Gespräch mit der SZ. So werden die ehemaligen Landesvorstandssprecher Tabea Rößner und Manfred Seibel bei der Wahl Ende November nicht mehr kandidieren. Der Sprecher-Posten ist bei den Grünen gleichbedeutend mit der »Chef-Rolle«, und traditionell agiert der Landesverband mit einer Doppelspitze, also einer Sprecherin und einem Sprecher.

Dass derzeit keine Gegenkandidatin bekannt ist, dürfte Eveline Lemke-Ziebeil durchaus gelegen kommen, denn sie gehört dem grünen Landesverband noch nicht lange an. Die Unternehmensberaterin und Mutter zweier Kinder ist erst im vergangenen Jahr mit ihrer Familie von Hessen nach Kirchen gezogen. Derzeit ist sie Mitglied des Kreisvorstands der Grünen, hat aber kein Mandat inne. In Hessen war sie unter anderem Fraktionssprecherin in der Gemeindevertretung ihres Wohnorts; zudem hatte sei einen Sitz im Kreistag inne.

Dass sie derzeit nicht in Gremien arbeitet, kommt ihr aber nach eigener Aussage sehr entgegen: »Das sehe ich als Vorteil, denn die Tätigkeit als Landesvorsitzende wäre sehr zeitaufwändig.« So schätzt sie, dass sie im Falle einer Wahl wöchentlich gut 15 bis 20 Stunden für ihr Amt aufbringen müsste. Zwar ist die Stelle dotiert, dabei handelt es sich aber lediglich um eine Aufwandsentschädigung. »Davon könnte man nicht leben«, meint Lemke-Ziebeil und verweist darauf, dass sie finanziell abgesichert sei und die Tätigkeit auch mit ihrem freiberuflichen Wirken als Unternehmensberaterin in Einklang bringen könnte.

Für den Kreisverband könnte ihre Kandidatur eine große Chance bedeuten, denn im Falle eines Wahlsiegs dürfte der grüne Kreisverband deutlich näher an Mainz heranrücken. »Man hat schon manchmal das Gefühl, dass auch bei den Grünen im Landesverband der Blick nicht über den Westerwald hinausgeht. Deshalb wäre es für uns natürlich von Vorteil, wenn ich in meiner Funktion auch eine Brücke für die Region nach Mainz bauen könnte.«

In den kommenden Wochen wird die Kirchenerin versuchen, sich parteiintern noch bekannter zu machen. Zwar hatte sie bislang schon über einige Arbeitsgruppen Kontakt zum Landesvorstand, aber: »Ich kenne natürlich noch lange nicht alle.« Auf der anderen Seite sieht sie gerade in der Tatsache, dass sie noch nicht lange im Landesverband tätig ist, auch Vorteile. Denn insbesondere nach der verlorenen Landtagswahl ist der Richtungsstreit bei den Grünen deutlich geworden. »Ich gehöre keinem der Lager an, und die Sicht einer Außenstehenden kann in so einer Situation eigentlich nur von Vorteil sein.«

Das sieht offenbar auch der grüne Kreisverband so, denn in der Pressemitteilung heißt es: »Eveline Lemke-Ziebeil hat sich nach der Wahlschlappe der rheinland-pfälzischen Grünen im Frühjahr diesen Jahres sehr engagiert und couragiert in die Diskussion um einen Neuanfang des Landesverbandes eingeschaltet. So war es nicht überraschend, dass sie in Mainz bald als mögliche Nachfolgerin im Landesvorsitz ins Gespräch kam. Gerade weil sie neu in Rheinland-Pfalz ist, dürfte sie am ehesten in der Lage sein, die bestehende Lagerbildung in Realos und Fundis in der Partei zu überwinden.«

Ob mit der Rolle als Landesvorsitzende auch das politische Erbe von Ise Thomas verbunden wäre, wollte und konnte Lemke-Ziebeil gestern noch nicht sagen. Fakt ist bloß: Die frühere Fraktionschefin Thomas hat sich schon vor Wochen gegen eine Kandidatur für den Landesvorsitz entschieden – und da es derzeit keine grüne Landtagsfraktion gibt, ist auch die Stelle einer Fraktionsvorsitzenden in den nächsten Jahren nicht zu vergeben.

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