Kläranlage ohne Kanalanschluss!

Verbandsgemeinde in Verhandlungen mit Landwirten/Gestattung im Vorfeld nicht geklärt

thor Steeg. Es ist die derzeit größte Baumaßnahme in der Verbandsgemeinde Kirchen: die neue Kläranlage in Steeg. Rund 5 Mill. e kostet das Projekt (inklusive aller Nebenleistungen), das einen Meilenstein im Bereich der Abwasserentsorgung für das Wildenburger Land setzen soll. Mitte Dezember war der symbolische Spatenstich erfolgt, die Arbeiten an der Landesstraße zwischen Steeg und Morsbach wurden aufgenommen. Freude und Zuversicht, wohin man auch schaute, alles schien seinen gewohnten Gang zu nehmen. Pustekuchen.

Zwar sind die verschiedenen Elemente der Anlage schon deutlich zu erkennen, aber ob sie – wie geplant – Ende des Jahres ihren Betrieb aufnehmen kann, ist fraglich. Denn dazu gehört bekanntlich der so genannte Verbindungssammler, sprich Kanal, der das Klärwerk mit seinem »Rohstoff« versorgt. Während der Standort ausgesucht und die moderne Kläranlage konzipiert wurde, hat man diesem Teil der Baumaßnahme offensichtlich eine untergeordnete Rolle beigemessen. Warum auch, verlief die 4,2 Kilometer lange Kanaltrasse doch komplett über unbebaute Wiesenflächen? Der kleine Haken: Diese befanden und befinden sich ebenso komplett in Privatbesitz. Da haben die Herren der Deutschen Abwasser-Reinigungs-GmbH als zuständige Planer weder Orts- und erst recht keine Menschenkenntnis bewiesen.

Zusammengefasst: Der Startschuss zum Bau der Kläranlage wurde gegeben, ohne dass auch nur für einen Quadratzentimeter Boden eine »Gestattung« von Seiten der Eigentümer vorlag.

Dabei hatten die Warnglocken zuletzt wenige Tage vor dem Spatenstich bei einer Bürgerversammlung geschrillt. Dort äußerten sich manche betroffene Bürger sehr kritisch zur Trassenführung des Kanals zwischen Friesenhagen und der neuen Kläranlage. Und sollte es tatsächlich schon damals Skeptiker gegeben haben, so dürfen sie sich jetzt mehr als bestätigt fühlen. Denn nach wie vor befindet sich die Verbandsgemeinde in äußerst schwierigen Verhandlungen mit den Landwirten. Soll der Zeitplan eingehalten werden, müssten aber schon im Juli die Bagger anrollen.

Dem Vernehmen nach ist das Thema von Bürgermeister Wolfgang Müller schon zur Chefsache gemacht worden. Was konkret bedeutet, dass sich der Verwaltungschef seit Wochen und Monaten gemeinsam mit weiteren hochrangigen Beamten aus seinem Haus intensiv um ein Weiterkommen bemüht. Das Problem bei der ursprünglichen Planung: Die Wiesen wären für die Landwirte eine Zeit lang nicht zu nutzen gewesen, und in Abständen von etwa 150 Metern hätte man Schächte einlassen müssen, um bei Verstopfungen Spülungen durchzuführen. Zu allem Überfluss war die Trasse von den Planern offenbar derart gerade mit dem Lineal gezogen worden, wie es die europäischen Großmächte zur Kolonialzeit mit den Grenzen in Nordafrika nicht besser hätten machen können.

Neue Druckleitung geplant

Kurzum: In dieser Form wäre nie und nimmer eine Einigung mit den Landwirten möglich gewesen. So wurde in Kirchen bereits »umgeplant«: Eine Druckleitung, die etwas höher im Erdreich liegen würde, soll nun Schächte überflüssig machen. Außerdem wären hierfür weniger Maschinen erforderlich. Der Nachteil stellt sich in Form höherer Folgekosten dar, weil eine Pumpstation gebaut werden müsste. Auch hat man sich dazu entschlossen, weitere Wege in Kauf zu nehmen und mit der Trasse nahe an die Landesstraße zu rücken, damit die betroffenen Flächen nur am Rand tangiert würden. Und nicht zuletzt will sich die Verwaltung offensichtlich großzügig zeigen, wenn es um Ausgleichsflächen, Entschädigungen und andere »Geschäfte« geht.

Im Prinzip bleibt ihr auch keine andere Wahl. Sollte es tatsächlich zu keiner Einigung kommen, wäre die Alternative der finanzielle »Super-GAU« für die Verbandsgemeinde Kirchen: Der Kanal müsste unter der Teerdecke der Landesstraße verlegt werden, und das auf einer Strecke von knapp 6 Kilometern. Man muss kein Ingenieur sein, um sich die dann entstehenden Kosten ausmalen zu können. Und weil es diese Möglichkeit gibt, würde die Verbandsgemeinde wahrscheinlich auch mit jedem Antrag auf Enteignung scheitern.

Aber dieser Schritt stand für Bürgermeister Müller ohnehin nie zur Diskussion. Es bleibt die Hoffnung auf eine gütliche Einigung, und zwar im Interesse aller Menschen in der Verbandsgemeinde Kirchen, die nicht nur in Sachen Abwasserbeseitigung eine Solidargemeinschaft ist. Zur Sicherheit hat Müller beim Wasserwirtschaftsamt in Montabaur schon einmal vorsichtig angeklopft und mitgeteilt, dass es eventuell Schwierigkeiten mit dem festgelegten Zeitplan geben könnte.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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