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Wer ist zuständig?
Klotzbach-Kanal „sprengt“ nach Unwetter die Straße

Dieser Kanaldeckel wurden von den Wassermassen aus der Verankerung gerissen.
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thor Kirchen. Manchmal dauert ein Jahrhundert unter Umständen auch nur zwei Jahre: Das ist die Erkenntnis nach dem heftigen Gewitter am späten Sonntagabend und den Auswirkungen auf die Klotzbach in Kirchen. Erneut ist die Straße schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Tonnenweise Geröll aus den verfüllten Löchern wurde bergab gespült.
Klotzbach wird endgültig zum Politikum
Erinnerung an Unwetter 2018Seit dem verheerenden Unwetter an Fronleichnam 2018 ist die Straße gesperrt, damals waren große Bereiche unterspült worden und abgesackt. Was in Kirchen zu einer längeren Diskussion über die Dimension des Kanals geführt hatte.

thor Kirchen. Manchmal dauert ein Jahrhundert unter Umständen auch nur zwei Jahre: Das ist die Erkenntnis nach dem heftigen Gewitter am späten Sonntagabend und den Auswirkungen auf die Klotzbach in Kirchen. Erneut ist die Straße schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Tonnenweise Geröll aus den verfüllten Löchern wurde bergab gespült.

Klotzbach wird endgültig zum Politikum

Erinnerung an Unwetter 2018

Seit dem verheerenden Unwetter an Fronleichnam 2018 ist die Straße gesperrt, damals waren große Bereiche unterspült worden und abgesackt. Was in Kirchen zu einer längeren Diskussion über die Dimension des Kanals geführt hatte. Und ein Bestandteil des Streits war auch der Hinweis der VG-Werke darauf, dass es sich bei diesem Starkregen um ein „Jahrhundert-Ereignis“ gehandelt hat, das auch ein doppelt so großer Kanal nicht hätte bewältigen können. Dass es dann doch so schnell zum Déjà-vu kommt, hätte wohl keiner der Beteiligten geahnt.

Zuständigkeit unklar

Fakt ist: Spätestens jetzt ist die Klotzbach endgültig zum Politikum geworden. Für Stadtbürgermeister Andreas Hundhausen besteht kein Zweifel mehr daran, dass die Werke der Verbandsgemeinde zum sofortigen Handeln aufgefordert sind – doch die drehen den Spieß rum und fordern das Gleiche von der Stadt.

Sichern und aufräumen

Um kurz nach 22 Uhr waren die Feuerwehren am Sonntag alarmiert worden. Einige Kameraden waren bereits am frühen Morgen beim Wohnungsbrand in Mudersbach im Einsatz gewesen. Bis tief in die Nacht waren die Kameraden mit Sicherungs- und Aufräumarbeiten beschäftigt.

Mangelhafte Kommunikation kritisiert

Für Doro und Gerhard Baldus war es ein sehr emotionaler Abend. Sie hatten als direkte Konsequenz aus der Sperrung der Straße vor zwei Jahren das „Kuchenschlösschen“ schließen müssen, erste Meldungen von den erneuten Schäden erreichten sie in der „Hüttenschenke“ in Wehbach. „Da hat man sofort wieder die Bilder von damals im Kopf“, sagte Doro Baldus. Mit einer Mischung aus Wut und Verzweiflung hat die Familie zur Kenntnis genommen, dass sich ein solcher Vorfall binnen relativ kurzer Zeit wiederholt. Noch vor Ort habe er Bürgermeister Maik Köhler aufgefordert, Verantwortung zu übernehmen, berichtete Gerd Baldus (der Verwaltungschef war zuvor von Andreas Hundhausen benachrichtigt worden). Die größte Enttäuschung vor zwei Jahren sei die mangelhafte Kommunikation gewesen, so Doro Baldus. Ein Gespräch mit der Verwaltung habe erst stattgefunden, nachdem man dieses massiv eingefordert habe.

Verbandsgemeinde oder Stadt?

Gesprochen wurde am Montagmittag auch – aber offenbar ohne Annäherung zwischen Verbandsgemeinde und Stadt. Hundhausen sieht sich jedenfalls durch das erneute Schadensbild in seiner Meinung bestätigt, dass der Kanal zu klein ist: „Es ist unzweifelhaft so, dass der Kanal die Wassermassen nicht fasst“, meinte der Stadtbürgermeister. Dabei sei das am Sonntag definitiv kein Jahrhundert-Regen gewesen. Gleichwohl sei es ausreichend gewesen, dass das Wasser den Kanaldeckel aus der Verankerung gerissen habe. „Man muss sich einmal vorstellen, wenn wir die Straße ausgebaut hätten. Dann läge die jetzt auf der Siegbrücke.“

Feuerwehr und Bauhof bis tief in die Nacht im Einsatz Es waren drei Einsatzstellen in Kirchen nach dem Unwetter: Die Klotzbachstraße bzw. die Siegbrücke, der Bereich „Lang’s Ecke“, der abgesoffen war, und die Eisenbahnunterführung am Bauhof Kirchen. Letztere war eine Sache der Feuerwehr Freusburg: Die Regeneinläufe wurden sauber gemacht – dann unterstützte man die Kameraden in der Stadtmitte. Die Wehbacher sperrten die Straße ab der Einmündung Brühlhof – der Ortsteil war noch erreichbar – in Richtung „Lang’s Ecke“ ab. Hier waren die (zu klein dimensionierten) Regeneinläufe zu und mussten geöffnet werden, damit der „See“ ablaufen konnte. Zurück blieb eine schlammige Pampe, die die Mitarbeiter des Bauhofes mit Unterstützung der Feuerwehr beseitigten. Die Feuerwehr setzte auch das Hohlstrahlrohr ein, um die Straße zu säubern. Wehrleiter Ralf Rötter berichtete, dass einige Autofahrer die Absperrung ignoriert hätten. Die Feuerwehr Brachbach habe vorsorglich 100 Sandsäcke befüllt, die teils auch an Anwohner verteilt wurden. Von der Klotzbach aus waren rund 40 Tonnen Geröll Richtung Siegbrücke gespült worden. Der von der Fa. Franz Utsch ausgeliehene Teleskoplader tat hier gute Dienste. Einsatzleiter Rötter hatte nach fünf Minuten vor Ort seine Leute angewiesen, zum Eigenschutz in den Fahrzeugen zu bleiben, weil das Gewitter wieder stärker wurde. Insgesamt war die Feuerwehr mit 65 Mann ausgerückt. Der Einsatz an „Lang’s Ecke“ war kurz nach Mitternacht beendet. Die Aufräumarbeiten an der Siegbrücke zogen sich noch bis 1.30 Uhr hin. Mit dem Teleskoplader sowie einem Lastwagen und einer Kehrmaschine wurde die Brücke von der mehr als 15 Zentimeter dicken Geröllschicht befreit. Das Material wurde zunächst auf dem Bauhofgelände zwischengelagert. rai

Klotzbach Thema im Stadtrat

„Es muss jetzt etwas passieren, man muss sich jetzt etwas einfallen lassen“, fordert Hundhausen. Zwar hätte auch der Stadtrat demnächst wieder über die Klotzbach diskutiert. Dabei sollte es aber eigentlich nur darum gehen, wie man mit der Straße angesichts der landesweiten Einführung der wiederkehrenden Beiträge 2024 umgehen soll.

Regenrückhaltebecken mögliche Lösung

Hundhausen weiß sehr wohl um die Haltung der Werke. Denn die verknüpfen eine Kanalerneuerung mit dem Straßenausbau. „Die Werke haben aber eine eigene Verantwortung für die eigenen Kanäle.“ Zudem sollte man sich laut Hundhausen nicht nur den gesamten Untergrund der Straße, sondern auch einmal den Bereich oberhalb der Klotzbach genauer anschauen und dort eventuell über ein Regenrückhaltebecken nachdenken.

Verwaltung: Kanal reicht aus

Entschiedener Widerspruch kommt von der Verwaltung. Es sei die gleiche Diskussion wie vor zwei Jahren, sagte Werkleiter Marco Hörter. Damals sei eindeutig festgestellt werden, dass der Kanal nach den Regeln der Technik ausreichend dimensioniert sei: „Aber natürlich nicht für jedes Naturereignis.“ Bürgermeister Maik Köhler verwies darauf, dass man bei starkem Regen überall im Land hochgedrückte Kanaldeckel beobachten könne. Normalerweise laufe das Wasser dann über den Asphalt ab, eine solche Decke gebe es derzeit aber in der Klotzbach nicht.

Planung für die Klotzbach mit größerem Kanal

Köhler wollte zudem dem Eindruck entgegentreten, dass sich die Verwaltung einer Lösung verweigere. Es existiere eine Planung für die Klotzbach, der auch einen neuen und größeren Kanal vorsehe. Der Werkausschuss habe sich für eine gemeinsame Maßnahme mit der Stadt entschieden. „Was will die Eigentümerin der Straße?“, lautete die eher rhetorische Frage des Bürgermeisters. Aber selbst wenn man den Kanal jetzt unabhängig größer baue, an der Straße ändere sich nichts. Köhler: „Dann haben wir solche Ereignisse vielleicht nicht mehr alle zwei, sondern alle vier Jahre.“

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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