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Diskussion nimmt wieder Fahrt auf
Kommt das Comeback der großen Windkraft-Pläne?

So wie auf  Bild sieht es mittlerweile an vielen Standorten zwischen Eichertgebirge und Windhahn aus. Standorte, die neue Begehrlichkeiten in Sachen Windkraft geweckt haben.
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  • So wie auf Bild sieht es mittlerweile an vielen Standorten zwischen Eichertgebirge und Windhahn aus. Standorte, die neue Begehrlichkeiten in Sachen Windkraft geweckt haben.
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  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

thor Mudersbach / Brachbach. Für die einen war es eine Vision, für die anderen einen Horrorvorstellung: Windräder auf den Höhenzügen beiderseits des Siegtals. Von der Kreuzeiche bis zum Ottoturm und mitten im Giebelwald. Vor Jahren wurde sowohl von Haubergsgenossenschaften als auch Unternehmen hart an der Umsetzung dieses Szenarios gearbeitet. Vertreter von Juwi, Jade Naturenergie und den Grünwerken Düsseldorf gaben sich die Klinke in die Hand. Doch erst kam der Widerstand in der Bevölkerung, dann riss die Verbandsgemeinde Kirchen das Zepter der Planungshoheit an sich.

thor Mudersbach / Brachbach. Für die einen war es eine Vision, für die anderen einen Horrorvorstellung: Windräder auf den Höhenzügen beiderseits des Siegtals. Von der Kreuzeiche bis zum Ottoturm und mitten im Giebelwald. Vor Jahren wurde sowohl von Haubergsgenossenschaften als auch Unternehmen hart an der Umsetzung dieses Szenarios gearbeitet. Vertreter von Juwi, Jade Naturenergie und den Grünwerken Düsseldorf gaben sich die Klinke in die Hand. Doch erst kam der Widerstand in der Bevölkerung, dann riss die Verbandsgemeinde Kirchen das Zepter der Planungshoheit an sich.
Doch nun wurden die Karten gleich doppelt neu gemischt: Zum einen hat die Verbandsgemeinde darauf verzichtet, Potenzialflächen für die Windkraft auszuweisen, zum anderen haben Borkenkäfer und Trockenheit das Landschaftsbild nachhaltig verändert. Anders ausgedrückt: Mancher Standort, den sich die Investoren einst ausgeguckt hatten, muss nicht mehr gerodet werden. Hinzu kommt, nicht nur in den Wäldern klaffen riesige Lücken, sondern auch in mancher Haubergskasse. Steht die Region also – trotz des Widerstands der Bürgerinitiativen – vor einem Comeback der großen Windkraft-Pläne?
Auch in Düsseldorf weiß man, dass eine neue Situation eingetreten ist: „Den Gründwerken sind die Entwicklungen in der Region bekannt“, teilte Pressesprecher René Schleucher mit. Derzeit erfolge eine neue Bewertung, dieser Prozess werde noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Die Tochtergesellschaft der Düsseldorfer Stadtwerke hatte einst grenzüberschreitend mit dem Hauberg in Mudersbach, Brachbach und Eiserfeld verhandelt. Juwi wiederum hatte in südwestlicher Richtung ab der Kreuzeiche die Haubergsgenossen aus Dermbach, Dermbach, Offhausen, Struthütten und Neunkirchen mit ins Boot geholt.

Giebelwald guter Windenergiestandort

Und Juwi hat offenkundig noch ein paar gut gefüllte Schubladen. „Die Flächen am Standort Giebelwald sind gute Windenergiestandorte. Von daher werden wir bei diesen, wie auch anderen Standorten in der Region, schauen, welche neuen Möglichkeiten einer Planung nun möglich geworden sind“, so Pressesprecher Felix Wächter. Die planbaren Einnahmen aus der Windenergie würden sowohl Forstbetrieben als auch Kommunen die Chance bieten, gerade auf vorgeschädigten Forststandorten den dringend notwendigen Waldumbau mit klimagerechten Gehölzen zu forcieren und die finanziellen Risiken hierfür zu reduzieren.
In Mudersbach würde man eine eine neue Windkraft-Diskussion jedenfalls begrüßen: „Das erwarte und das hoffe ich“, sagt Haubergsvorsteher Bernd Killer. Das Thema Windkraft sei definitiv nicht abgehakt. Die Verträge mit den Investoren seien nie gekündigt worden, und zwar auf beiden Seiten der Sieg. Noch sei der finanzielle Schaden für die Mudersbacher Haubergsgenossenschaften überschaubar, doch das Abarbeiten der Katastrophe sei sicher nicht vorbei. „Man kann sich sich nicht ständig auf Vater Staat berufen, dass von dort Unterstützung geleistet wird. Wir wollen uns eine gewisse Unabhängigkeit erhalten“, sagt Killer zu möglichen Einnahmen durch Windkraftanlagen. Der Haubergsvorsteher wies darauf hin, dass man nicht nur wegen des Borkenkäfers, sondern auch durch die neue Höchstspannungsleitung viele Hektar Wald verloren. Geht es nach ihm, sollte man die Flächen unter der Leitung als Standorte für Photovoltaikanlagen prüfen: „Ich denke, das sollte möglich sein.“ Dafür sollte dann aber auch die Verbandsgemeinde die planerischen Grundlagen schaffen.
Etwas anders hört sich die Stellungnahme aus Brachbach an: „Wir haben uns mit Thema noch nicht wieder beschäftigt und es wird für uns in absehbarer Zeit auch kein Thema sein“, betont Haubergsvorsteher Hermann Jung. Die Verträge mit den Windkraft-Investoren seien zwischenzeitlich gekündigt worden. Und Jung erinnerte auch nochmals an den Widerstand durch die BI, der in Brachbach besonders groß gewesen sei (und immer noch ist). Daher lautet seine Botschaft: „Wir wollen wieder einen zukunftsfähigen Wald aufbauen. Unser Kerngeschäft ist die Waldwirtschaft und nicht die Windkraft.“

Thema etwas aus den Augen verloren

Bei der Nachbarn in Offhausen hat Haubergsvorsteher Bernd Theis das Thema durch den Stillstand der vergangenen Jahren fast schon etwas aus den Augen verloren. Auch hier wurden einst Vorverträge mit Juwi unterzeichnet. „Die haben sich aber nie wieder gemeldet, berichtet Theis: „Ich persönlich habe auch nichts gegen Windkraft.“ Und sollte das Interesse am Windhahn wieder größer werden und das Telefon klingeln, „dann können wir darüber reden“.
Nun ist nicht nur der Hauberg Herr über die Wälder an der Sieg, sondern auch der Staatsforst. Und auf diesen dürfte der Druck hinsichtlich geeigneter Standort deutlich größer werden. Der Klimaschutz und der weitere Ausbau der erneuerbaren Energien wird aller Voraussicht nach eine zentraler Punkt im Koalitionsvertrag der neuen Landesregierung. Einer Landesregierung, in der die Grünen mehr Einfluss haben werden, allerdings durch ihr Stimmenplus. Und auch das Haus Hatzfeldt wird seine großen Windkraft-Pläne nicht ad acta legen.

So wie auf  Bild sieht es mittlerweile an vielen Standorten zwischen Eichertgebirge und Windhahn aus. Standorte, die neue Begehrlichkeiten in Sachen Windkraft geweckt haben.
Der Mudersbacher Haubergsvorsteher Bernhard Killer kann sich vorstellen, die neue Amprion-Trasse auch für Photovoltaikanlagen zu nutzen.
Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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