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Erster Patient wird im Krankenhaus Kirchen versorgt
Kriegsgewinnler und Rettungsschirme

Zehn Intensivbetten mit Beatmungsgerät stehen im Kirchener Krankenhaus zur Verfügung. Aktuell wird auf der Station ein 71-Jähriger versorgt.
  • Zehn Intensivbetten mit Beatmungsgerät stehen im Kirchener Krankenhaus zur Verfügung. Aktuell wird auf der Station ein 71-Jähriger versorgt.
  • hochgeladen von Daniel Montanus (Redakteur)

damo Kirchen. „Wir sind für unsere Patienten da“: Diese klare Botschaft stammt von Dr. Harald Smetak, und er muss es wissen – im Kirchener Krankenhaus ist er der Chef der Intensivmedizin. Und damit fallen auch die Maßnahmen, die im Kampf gegen das Coronavirus nötig sind, vor allem in seinen Fachbereich. Zehn Intensivplätze mit Beatmungsgeräten, weitere 45 isolierte Betten auf zwei Stationen: Das Kirchener Krankenhaus hat schon frühzeitig Kapazitäten für die Behandlung möglicher Covid-19-Patienten geschaffen. Bislang müssen diese Möglichkeiten noch nicht ausgeschöpft werden: Aktuell wird im DRK-Krankenhaus ein Betroffener intensivmedizinisch behandelt.

damo Kirchen. „Wir sind für unsere Patienten da“: Diese klare Botschaft stammt von Dr. Harald Smetak, und er muss es wissen – im Kirchener Krankenhaus ist er der Chef der Intensivmedizin. Und damit fallen auch die Maßnahmen, die im Kampf gegen das Coronavirus nötig sind, vor allem in seinen Fachbereich. Zehn Intensivplätze mit Beatmungsgeräten, weitere 45 isolierte Betten auf zwei Stationen: Das Kirchener Krankenhaus hat schon frühzeitig Kapazitäten für die Behandlung möglicher Covid-19-Patienten geschaffen. Bislang müssen diese Möglichkeiten noch nicht ausgeschöpft werden: Aktuell wird im DRK-Krankenhaus ein Betroffener intensivmedizinisch behandelt.

Aber Smetaks positive Botschaft an die Menschen draußen ist keineswegs nur an die adressiert, die an Covid-19 erkranken: Denn natürlich bleibt das Kirchener Krankenhaus auch in der Corona-Krise das, was es vorher war, nämlich eine Anlaufstelle für all die, die einer stationären medizinischen Behandlung bedürfen.

Allerdings gilt auch in Kirchen das, was in vielen Kliniken in diesen Tagen Usus ist: Aufschiebbare Behandlungen werden verlegt. Um zu begreifen, in welchem Ausmaß das geschieht, reicht es, sich zwei Zahlen vor Augen zu führen: Durchschnittlich hat das Kirchener Krankenhaus eine Belegung von 83 Prozent – aktuell sind es nur 45 Prozent.

Diese Politik des Trägers und der Klinikleitung vor Ort ist nötig, um für größere Zahlen an Covid-19-Patienten gerüstet zu sein: Dank der freien Betten war es möglich, die Intensivkapazitäten deutlich heraufzuschrauben, und nur so ist gewährleistet, im Notfall genügend Personal für die intensivmedizinische Behandlung abstellen zu können. Zudem wird aktuell auch im großen Stil geschult und weitergebildet. „Wir betreiben einen enormen personellen, materiellen und finanziellen Aufwand“, bilanziert Smetak im Gespräch mit der SZ. „Und ich bin unserem Träger dankbar, dass wir in diesem Maße für die Patienten da sein dürfen.“

Allerdings: Man muss weder Mathematiker noch Betriebswirtschaftler sein, um sich ausmalen zu können, dass das Krankenhaus mit einer 45-Prozent-Belegung nicht wirtschaftlich arbeiten kann. Zumal auch die Kosten für Hygiene- und Desinfektionsmittel aus dem Ruder laufen: Nicht nur, weil der Verbrauch ansteigt, sondern auch, weil die Corona-Krise Kriegsgewinnler auf den Plan ruft.

Anders ist nicht zu erklären, warum eine Atemschutzmaske vor einigen Monaten noch 1,75 Euro gekostet hat, jetzt aber „5 bis 6 Euro, je nach Anbieter auch 8 Euro“, wie der Kaufmännische Direktor Nicki Billig beispielhaft anführt. „Und wir reden über Lagerbestände“, ergänzt er – höhere Produktionskosten scheiden da als Ursache für die exorbitante Preissteigerung aus. „Überall wird draufgeschlagen ohne Ende“, bestätigt Smetak und wirft rhetorisch die Frage auf: „Wie kann so etwas erlaubt sein?“

In dieser Frage steckt natürlich der Appell an die Politik, regulierend einzugreifen. Aber das ist nicht die einzige Forderung an die Entscheidungsträger in Bund und Land: Die Gesprächspartner der SZ sind sich einig, dass die Politik den Kliniken massiv unter die Arme greifen muss, damit diese die gestiegenen Kosten und die Einbußen durch leere Betten überleben können. „Wir nehmen es wissend in Kauf und können nur hoffen, dass wir am Ende nicht ohne Waffen dem Feind gegenüberstehen“, sagt der Ärztliche Direktor Dr. Gerald Hensel: „Hoffentlich fällt uns das am Ende nicht auf die Füße.“

Diese Sorgen über die wirtschaftliche Zukunft seien auch in der Belegschaft zu spüren. Dennoch sei die Stimmung im gesamten Team gut, sagen Hensel, Smetak, Billig und QM-Manager Michael Vitocco unisono. Spätestens alle zwei Tage informiere die Geschäftsleitung mit einem offenen Brief die Belegschaft, es gebe auch zu infektiologischen Fragen intensive Beratungen des Personals – und der Gedanke, auch bei schweren Covid-19-Fälle helfen zu können, sei ebenfalls motivierend.

Aber Fakt ist eben auch: „Wir gehen personell an die Grenze“, meint Smetak. Und schon jetzt – also zu einem Zeitpunkt, an dem die Corona-Krise noch lange nicht ihren Höhepunkt erreicht hat – ist klar: „Wenn diese Welle vorbei ist, kommt sofort die nächste.“ Soll heißen: Dann müssen all die Behandlungen abgearbeitet werden, die derzeit auf unbestimmte Zeit verschoben werden müssen. Auch da wird die Klinik massiv gefordert sein.

Unaufschiebbare Operationen und Notfallbehandlungen werden natürlich auch aktuell im Krankenhaus erledigt – und dabei ist nach Aussage von  Smetak sichergestellt, dass die Patienten keinem Infektionsrisiko mit dem Coronavirus ausgesetzt werden: „Wer mit einem Notfall kommt, wird intern so gesteuert, dass er keinerlei Kontakt mit einem Covid-19-Patienten hat.“</hardspace>

Schon jetzt ist die Pforte des Krankenhauses dicht; rein kommt nur, wer per Gegensprechanlage seinen Namen und ein begründetes Anliegen nennt. Das gilt auch für die Besucher der diversen Ambulanzen. An diesem Punkt will das Krankenhaus in den kommenden Tagen übrigens noch nachsteuern: So sollen die Laufwege der Ambulanzpatienten weiter kontrolliert und gelenkt werden.

Wie lange das Krankenhaus im Corona-Betrieb laufen muss, vermag niemand einzuschätzen. Aber eine Aussage von Smetak bleibt im Rund seiner Kollegen unwidersprochen: „Die Covid-19-Patienten werden kommen, das ist nur eine Frage der Zeit.“

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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