L 279 nimmt allmählich Gestalt an

Heute werden 1540 Meter asphaltiert/Arbeiten an den Banketten folgen/Wetter ausschlaggebend für weiteren Baufortschritt

ruth Friesenhagen. Ganze Arbeit leisten derzeit die Mitarbeiter der Firma Gebrüder Schmidt an der L279. Gestern erhielten die letzten 400 Meter ihre so genannte HGT-Schicht. Damit ist die hydraulisch gebundene Teerschicht gemeint, die auf der Frostschutzschicht aufgetragen wird. Der HGT besteht im wesentlichen aus dem selben Material, das zuvor von der L279 gefräst bzw. abgebaggert wurde. Anstatt es kostenpflichtig zu entsorgen, wird das Material recyclet und wieder eingearbeitet.

Baubeginn: 22. August

Burkhard Fuchs ist Polier und hat die Bauleitung vor Ort. Er ging mit der SZ über das letzte 400 Meter lange Teilstück der L279, das zurzeit ausgebaut wird. Am 22. August hat die Firma Gebrüder Schmidt mit den Bauarbeiten begonnen und die Baustelle eingerichtet. Burkhard Fuchs erinnert sich genau. Schon zwei Tage später fing der erste Bagger mit seiner Arbeit an. Seitdem wird der Verkehr großräumig von Obersolbach über Gösingen nach Friesenhagen umgeleitet. Die gesamte Baustelle ist 1540 Meter lang.

65 Zentimeter dick ist die neue Fahrbahn. Sie besteht aus der Frostschutzschicht (29 cm), der HGT-Schicht (20 cm), der Tragschicht (12 cm) und der Deckschicht (4 cm). Insgesamt wurden 1000 Tonnen HGT verbaut, allein gestern brachten elf schwere Lkw das Material von der Mischanlage in Lautzenbrücken zur Baustelle. Der hyraulisch gebundene Teer besteht aus dem Material der alten Fahrbahndecke, das aufbereitet, mit Zement ummantelt und mit speziellen Zusatzstoffen angereichert wurde. Es lässt sich wie Beton verarbeiten. Bei schönem Wetter, wie gestern, trocknet es innerhalb weniger Stunden ab. In Wasserschutzgebieten darf es aufgrund seiner (Teer-) Bestandteile nicht eingebaut werden. Burkhard Fuchs steht mit der Mischanlage in Lautzenbrücken ständig in telefonischer Verbindung, denn nicht immer sind die Mischungen auf Anhieb optimal. »Mal ist sie zu trocken, mal ist zuviel Wasser drin«, so der Polier. Das meldet er dann, und der Mischer vor Ort kann sich auf die Bedürfnisse der Straßenbauer einstellen.

Wer die neue Strecke von Obersolbach an abgeht, wird die Landesstraße kaum mehr wiedererkennen. Die Kurven sind viel »lieblicher angeglichen«, wie es Gerhard Fuchs geradezu zärtlich formuliert. Auch die extremen Steigungen wurden, wo es machbar war, behutsam zurück gebaut. 5,50 Meter Mindestfahrbahnbreite misst die neue Straße. In den Kurven ist sie je nach Kurvenlage um 60 Zentimeter aufgeweitet, um Gefahrensituationen im Begegnungsverkehr zu entschärfen.

700 Tonnen Material benötigt

Rechts oder links der Straße sind im Bankett Drainagerohre versenkt. Je nach Bedarf liegen die Rohre auf manchen Streckenabschnitten sogar beidseitig, um Hangwasser aufzunehmen. Heute können die Straßenbauer bereits die Tragschicht auftragen. 700 Tonnen werden dafür benötigt. Dieses Material kommt vom Mischwerk Wildbergerhütte. Danach müssen die Arbeiten an den Banketten abgeschlossen werden, erst dann kann die Deckschicht und damit die letzte Schicht aufgetragen werden. Ob das noch alles in diesem Jahr klappt, will Fuchs nicht versprechen. Theoretisch würden ihm drei schöne Wochen dafür reichen. Aber die Straßenbauer haben schon Pech gehabt mit dem Wetter. Dann sind alle Planungen hinfällig.

Auf die HGT-Schicht wird am Rand ein 50 cm breiter Haftkleber aufgesprüht. Er soll verhindern, dass Wasser in die Schicht eindringt. Ein Prüflabor wird sich eine Probe von der Schicht ziehen und ihren Verdichtungsgrad ermitteln, erklärt Fuchs weiter. Ebenso wird der Wassergehalt der HGT-Schicht bestimmt.

Natürliche Wasserbremse

Mit Wackersteinen wird links und rechts der Straße eine Raubettmulde befestigt. Sie soll verhindern, dass das Wasser auf den steilen Gefällestücken das Erdreich mit sich nach unten reißt – sozusagen eine natürliche Wasserbremse. Das Regenwasser wird schließlich in Drainagerohren unter der Straße abgeleitet. Im Prinzip könnte unmittelbar nach der Tragschicht auch die Deckschicht aufgebracht werden. Doch erst müssen die »Randarbeiten« erledigt sein. Schließlich übernimmt der Träger der Baumaßnahme die Verantwortung für die Verkehrssicherheit. In die Deckschicht werden im Abstand von fünf Metern Fugen eingeschnitten. Sie ermöglichen es der Straße, sich auszudehnen und sich zusammen zu ziehen.

Gestern informierten sich Mitarbeiter des Landesbetriebes Straßen und Verkehr aus Koblenz über den Fortschritt auf der Baustelle. Mit den Bauausführungen dürften sie zufrieden sein. Sollten sie dennoch Zweifel haben, Landwirt und Anlieger Heribert Weschenbach lobt nach seinen Erfahrungen vom ersten Bauabschnitt die Gebrüder Schmidt in den höchsten Tönen: »Tausend Mal besser als das, was hier beim letzten Mal los war.« Er scheint sich richtig zu freuen, dass hier vor seiner Haustür mal so richtig gearbeitet wird.

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