SZ

Impfaktion im Altenheim
"Licht am Ende des Tunnels"

Knapp 40 Mitarbeiter und mehr als 50 Bewohner des Altenheims St. Klara in Friesenhagen haben ihre erste Impfdosis erhalten. Den Impftermin hat das Heim
praktisch in Eigenregie organisiert.
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  • Knapp 40 Mitarbeiter und mehr als 50 Bewohner des Altenheims St. Klara in Friesenhagen haben ihre erste Impfdosis erhalten. Den Impftermin hat das Heim
    praktisch in Eigenregie organisiert.
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Bewohner, Angehörige und Mitarbeiter im Altenheim St. Klara Friesenhagen leiden seit Wochen unter dem Coronavirus. Nun haben die ersten Impfungen stattgefunden. Die Impfquote ist beachtlich.

Bewohner, Angehörige und Mitarbeiter im Altenheim St. Klara Friesenhagen leiden seit Wochen unter dem Coronavirus. Nun haben die ersten Impfungen stattgefunden. Die Impfquote ist beachtlich.

damo Friesenhagen. Wie das Coronavirus es geschafft hat, die Mauern des Friesenhagener Altenheims zu überwinden, weiß bis heute niemand. Aber die Folgen, die es seit dem 21. Dezember in St. Klara hinterlässt, sind verheerend. Acht Menschen sind gestorben, Besuche sind seit Wochen tabu, die Bewohner müssen in ihren Zimmern ausharren, das Personal arbeitet bis an die Grenzen der Überlastung. Kein Wunder also, dass gestern das kollektive Aufatmen beinahe auf der Straße zu hören war: Endlich ist der Impfstoff da, endlich können Bewohner und Pflegekräfte gegen das Virus immunisiert werden.

„Wir sind einfach froh, dass wir endlich impfen können“: Dieser Ausspruch stammt von Impfärztin Dr. Gisela Labenz – aber jeder andere, der an der Impfaktion beteiligt war, hätte den Satz genauso gut sagen können. Das belegt auch die hohe Quote derer, die sich im Friesenhagener Altenheim gegen das Coronavirus impfen lassen: Gut 80 Prozent der Pflegekräfte und praktisch alle Bewohner haben sich den Stich in den Oberarm geben lassen. „Diese hohe Impfbereitschaft erklärt sich natürlich auch mit der Infektion in unserem Haus“, meint Heimleiterin Bianca Böttcher.

Sie schildert im Gespräch mit der SZ, wie sehr Bewohner, Angehörige und Mitarbeiter seit Wochen unter dem Virus leiden: „Keiner von den Bewohnern kommt mehr mit anderen zusammen, alle sind in ihren Zimmern. Und die, die aktuell positiv sind, müssen in den Isolierbereich.“ Diese Abschottung schlägt natürlich aufs Gemüt, und zugleich sind die Mitarbeiter enorm gefordert. Sie müssen sich viel Zeit für Gespräche mit Bewohnern und Angehörigen nehmen – obwohl die Uhr ständig tickt: zum einen, weil die Hygieneauflagen Zeit kosten, zum anderen, weil immer wieder Pflegekräfte ausfallen, ob nun wegen Quarantäne oder einer Infektion. Und wenn dann noch teils langjährige Bewohner sterben, „ist das eine sehr emotionale Sache“, sagt Böttcher. Zwar sind aktuell keine Neuinfektionen mehr dazugekommen, trotzdem sind nach wie vor 23 Bewohner und drei Mitarbeiter infiziert.

Schritt Richtung Normalität

Böttcher sieht die Impfaktion, die das Heim im Zusammenspiel mit einer Hausarztpraxis praktisch in Eigenregie organisiert hat, als entscheidenden Schritt in Richtung Normalität: „Wir sehen Licht am Ende des Tunnels.“ Klar, es wird noch dauern, bis der Impfstoff seine volle Wirkung entfaltet: „Nach der ersten Impfung kann man von einem 50-prozentigen Schutz ausgehen, aber nur zeitlich begrenzt. Erst die zweite Impfung gibt Sicherheit“, erklärt Dr. Christian Stoffers, Sprecher der Marien-Gesellschaft.
Er weiß auch, dass es ohne die Impfung enormer Anstrengungen bedarf, um eine Infektion in einem Altenheim wieder unter Kontrolle zu bringen: „Gerade in einem Wohnbereich mit dementiell veränderten Menschen ist es oft leider so, dass schnell sämtliche Bewohner infiziert sind. Da wird es ganz schwer, wieder auf Kurs zu kommen.“

Das Friesenhagener Heim ist das vierte der Marien-Gesellschaft, in dem Pflegekräfte und Bewohner geimpft worden sind; im Marienheim ist sogar schon die zweite Impfdosis verabreicht worden. Eine Woche dauert es nach dem zweiten Piks, bis der Impfstoff seine volle Wirkung entfaltet. Und dann? Greifen dann Lockerungen? „Nein“, sagt Stoffers. Das lasse die Gesetzeslage nicht zu: Besucher müssen sich weiter Schnelltests unterziehen und FFP2-Masken tragen. Aber auch, wenn sich rechtlich nichts ändert: „Das Gefühl, sicher zu sein, ist enorm viel wert.“

Überdurchschnittliche Impfquoten

Diese Erkenntnis setzt sich nach Stoffers Einschätzung zunehmend durch – schon jetzt könne die Marien-Gesellschaft überdurchschnittliche Impfquoten vermelden. Und zwar ohne Druck auszuüben, versichert Böttcher auf die Frage, ob sie Überzeugungsarbeit hätte leisten müssen: „Das hätte ich nie getan. Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er sich impfen lässt.“ Stoffers ist optimistisch, dass sich zunehmend mehr Menschen immunisieren lassen werden: „Ich denke, im März ist Impfmuffeligkeit kein Thema mehr.“

Ohnehin hat er sich seinen Optimismus bewahrt: „Wenn die Hochgefährdeten geimpft sind und der Frühling kommt, wird ein Aufatmen durchs Land gehen.“

Knapp 40 Mitarbeiter und mehr als 50 Bewohner des Altenheims St. Klara in Friesenhagen haben ihre erste Impfdosis erhalten. Den Impftermin hat das Heim
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Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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