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Online-Unterricht an der Grundschule Kirchen
Live-Schalte ins Klassenzimmer

Lehrerin Astrid Kötting sieht neben ihren „realen“ Schülern auch Amy, die per Tablet zugeschaltet ist. Allen Erklärungen vor der Tafel kann die Erstklässlerin genau folgen. Foto: thor
  • Lehrerin Astrid Kötting sieht neben ihren „realen“ Schülern auch Amy, die per Tablet zugeschaltet ist. Allen Erklärungen vor der Tafel kann die Erstklässlerin genau folgen. Foto: thor
  • hochgeladen von Thorsten Stahl (Redakteur)

thor Kirchen. In ihrem noch so jungen Leben wird Amy einen gewissen Herrn Wim Wenders garantiert nicht kennen. Und deshalb wird die Erstklässlerin der Michael-Grundschule auch noch nie etwas von dem Film „In weiter Ferne, so nah“ gehört haben. Was in diesem Alter definitiv keine Wissens- oder gar Bildungslücke ist. Und dennoch ist der Titel des Wenders-Streifens derzeit so etwas wie das Lebensmotto von Amy: Am Präsenz-Unterricht der 1. Klasse kann sie zwar derzeit nicht teilnehmen, per Videochat ist sie beim Unterricht aber live dabei und somit Klassenkameraden und Freundinnen ganz nah.

Es ist dies ein besonderer „Service“ der Grundschule auf dem Molzberg, der deutlich über das hinausgeht, was man seit einigen Wochen unter dem Sammelbegriff „Home-Schooling“ kennt.

thor Kirchen. In ihrem noch so jungen Leben wird Amy einen gewissen Herrn Wim Wenders garantiert nicht kennen. Und deshalb wird die Erstklässlerin der Michael-Grundschule auch noch nie etwas von dem Film „In weiter Ferne, so nah“ gehört haben. Was in diesem Alter definitiv keine Wissens- oder gar Bildungslücke ist. Und dennoch ist der Titel des Wenders-Streifens derzeit so etwas wie das Lebensmotto von Amy: Am Präsenz-Unterricht der 1. Klasse kann sie zwar derzeit nicht teilnehmen, per Videochat ist sie beim Unterricht aber live dabei und somit Klassenkameraden und Freundinnen ganz nah.

Es ist dies ein besonderer „Service“ der Grundschule auf dem Molzberg, der deutlich über das hinausgeht, was man seit einigen Wochen unter dem Sammelbegriff „Home-Schooling“ kennt. Auch in Kirchen hat man den Kindern nach und nach wieder die Schultüren geöffnet, inzwischen sind alle Kinder wieder da, wobei sie – hälftig aufgeteilt – eine Woche vor Ort und die andere Woche zu Hause sind. Andernfalls wären die Abstände nicht einzuhalten.

Doch schon zur Zeit des Lockdowns hatte die Schule interessierten Eltern die Möglichkeit eingeräumt, dass ihre Kinder per Video-Konferenz auf dem Laufenden gehalten werden. Möglich gemacht hat das zum einen eine spezielle Plattform des Landes, zum anderen aber auch die technische Ausstattung der Grundschule. Denn in Kirchen arbeitet man nach Angaben von Schulleiter Lars Lamowski seit 2017 konsequent an der Digitalisierung. Und mit Lehrer Steffen Höse gibt es sogar einen eigenen Medienbeauftragten, der mit Hard- und Software wenig Probleme hat. Das sei aber keine Selbstverständlichkeit an Schulen, betont Lamowski: „Wir haben einfach Glück, dass wir ihn haben.“

So ist Höse auch eine große Hilfe für Astrid Kötting, die Klassenlehrerin der I-Dötzchen. Sie hat mit dem Video-Unterricht schon während der kompletten Schulschließung positive Erfahrungen gemacht – und nicht nur sie: „Für die Kinder war der soziale Effekt sehr gut.“ Ein Mädchen habe sogar vor Freude geweint, sei sie doch zumindest virtuell wieder mit ihren Freundinnen zusammen gewesen.

Auf diesen Erfahrung kann Kötting nun im Unterricht mit Amy zurückgreifen. Die Erstklässlerin ist live auf einem Tablet dabei, das auf die Tafel und die Lehrerin ausgerichtet ist. Alles, was Kötting aufschreibt und erklärt, sieht und hört zu Hause auch Amy. Doch das ist keine Einbahnstraße. „Sie kann sich jederzeit melden, Fragen stellen und ganz normal am Unterricht teilnehmen“, so die Pädagogin. Wobei sich Amy nach eigenem Ermessen zuschalten dürfe. Zur Überprüfung hält die Grundschülerin einfach ihre Arbeitsergebnisse in die Kamera. Der Eindruck von Kötting: „Sie ist total begeistert.“

Nun gehört dieser Video-Chat der besonderen Art nicht zum Standard-Angebot der Michael-Grundschule, soll heißen: Dieser Online-Unterricht ist nur für begründete Einzelfälle gedacht. In der Tat ist es aber eine Art Testlauf. Denn sollten Kinder künftig über einen längeren Zeitraum erkranken oder aus anderen Gründen nicht in die Klassen kommen können, kann jederzeit auf dieses System zurückgegriffen werden.

Grundsätzlich sehnt aber auch Lamowski baldmöglichst die Normalität zurück: „Home-Schooling ist dauerhaft nicht tragbar.“ Gleichwohl müsse mehr denn je in eine vernünftige technische Ausstattung der Schulen investiert werden, wiederholt er eine alte Forderung. Doch ausgerechnet der Digitalpakt sei derzeit eine Bremse, gehe die Auszahlung der Gelder doch nur schleppend voran.

Auch davon wird Amy noch nie etwas gehört haben – und das ist eigentlich fast noch besser als im Fall von Wim Wenders, geht es hier doch nicht um Filme, sondern um Politik.

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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