»Man spürte die Göttlichkeit«

Indianer-Hochzeit im Schatten des Druidensteins / Ein Fest in Dakota-Trachten

Herkersdorf. In einem Tipi, das Zelt der Indianer, lernten sie sich kennen und stellten fest, dass sie sich beide sehr stark mit den inneren Werten der amerikanischen Ureinwohnern verbunden fühlen - vor allem mit deren Verbundenheit zur Natur und Achtung vor der Schöpfung. Und mitten in der Natur, am Fuße des Druidensteins in Herkersdorf, und in indianischer Tracht gaben sich Edelgard Giesa-Mees und Ingo Giesa jetzt das Ja-Wort: Gut 200 Menschen erlebten bei brütender Hitze die indianische Hochzeit, die nach christlichem Trauzeremoniell von Pfarrer Eckhard Dierig abgehalten wurde.

Ein »Neuzeitindianer«

Unter einem der drei großen, Schatten spendenden Schirme unterhalb des Basaltkegels saß das Brautpaar und strahlten mit der Sonne um die Wette. Beide trugen die heilige Tracht der Indianer und Mokassins. Entsprechend der Tradition der Dakota-Indianer hatte Bräutigam Ingo, der sich selbst als »Neuzeitindianer« bezeichnet, das Kleid für die Braut selbst genäht und reich mit bunten Perlen und Muscheln besetzt. Auch von den Festgästen waren einige in indianischen Kleidern erschienen. Stirnbänder mit Federn trugen auch die Kinder aus dem ev. Kindergarten in Kirchen, wo die 43-jährige Edelgard als Erzieherin arbeitet. Vor dieser Kulisse hielt Pfarrer Echkard Dierig, der in seinem schwarzen Talar nicht zu beneiden war, seine erste Freiluft-Hochzeit.

Der Schwerpunkt lag dabei auf der Bewahrung der Schöpfung – eben einer jener wichtigen Aspekte im Leben von Edelgard und Ingo. In diesem Umgang mit der Natur seien Parallelen zwischen der christlichen Religion und derer von Naturvölkern zu sehen, meinte Dierig. »Das ist etwas Gemeinsames.« Schon kurz nach der Eröffnung des Gottesdienstes verließ jedoch Ingo seinen Platz vor dem Traualtar - nur kurz. Denn zur Einstimmung spielte die christliche Musikgruppe »The Friends« (Betzdorf), bei denen trommelt Ingo auf den Congas, das Lied »Indian Reservation«. Dieses von »Cherokee«-Indianern in der Flower-Power-Zeit gesungene Lied klagt an, was die Weißen mit den Indianern gemacht haben, erklärte Manfred Keßler, der bei »The Friends« den Bass zupft. Danach und ohne die Unterstützung des Bräutigams spielte die Musikgruppe christliche Lieder, beispielsweise »Herr, deine Liebe«. Auch hier waren der Lob auf die Schöpfung, der Respekt vor allem was lebt und Toleranz zentrale Punkte.

Ein ganz besonderer Moment

Ganz klar, dass zu einer kirchlichen Trauung auch die Traufrage gehört, die Pfarrer Dierig stellte. Neu und der Wunsch des Brautpaares war hingegen das gegenseitige persönliche Trauversprechen. Auge in Auge sagten sich Edelgard und Ingo sehr persönliche Worte. »Das war für mich ein ganz besonderer Moment«, erinnert sich Edelgard später bei der Hochzeitsfeier in Wingendorf vor dem Tipi der frisch Vermählten. Etwas Besonderes seien auch die Tänze der Kindergartenkinder gewesen, die am Druidenstein für das Paar einen Huldigungstanz aufführten. »Man spürte die Göttlichkeit«, erinnert sich Ingo, der von »sehr vielen Gefühlsschüben« bei der Zeremonie sprach. Auch als die tanzenden Kinder Reis geworfen hatten.

Lieder der Dakota-Indianer gesungen

Gefeiert wurde dann in Wingendorf, dem Wohnort des Paares. Dort wurden auch Lieder der Dakota-Indianer gesungen und deren Tänze aufgeführt. Hier erzählten die beiden auch, wie sie sich kennen lernten und zu den Sichtweisen der Indianer kamen. Ingo, der aus Puhlheim bei Köln stammt, hatte einmal sieben Monate in den Wäldern der Pyrenäen »von nichts gelebt«. »Durch die Natur habe ich zu Gott gefunden.« Edelgard hatte sich nach einem Indianer-Projekt im Kindergarten intensiver mit den »inneren Werten« der amerikanischen Ureinwohner auseinandergesetzt.

Zusammen kamen beide dann eher zufällig. Edelgards ältester Sohn Jan (18), den auch die indianische Philosophie interessiert, hatte Ingo in dessen Tipi bei Wallmenroth getroffen. Das war im September 1998. Seit dem Frühjahr war Ingo schon mit dem Zelt unterwegs, um sich ein Haus abseits der Straße in der Natur zu suchen. Edelgard »klopfte« dann an das Tipi und wollte sehen, mit wem sich Jan trifft. Und dabei stellten Ingo und Edelgard fest, dass sie »in vielen Dingen ähnlich denken«. Und ähnlich dachten beide auch, als sie im Februar dieses Jahres den Entschluss fassten zu heiraten: »Wenn wir heiraten, dann so«, sagte das Paar und liegt sich glücklich in den Armen und küsst sich.

rai

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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