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Eigene Mutter mit Messer und Beil getötet
Manuel K. vor Einweisung in forensische Klinik

Im Prozess um den Totschlag in Niederschelderhütte bescheinigt eine Gutachterin dem Angeklagten eine instabile Persönlichkeitsstörung.
  • Im Prozess um den Totschlag in Niederschelderhütte bescheinigt eine Gutachterin dem Angeklagten eine instabile Persönlichkeitsstörung.
  • Foto: Pixabay (Symbolbild)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

thor Koblenz/Niederschelderhütte. Im Prozess um den Totschlag in Niederschelderhütte wurden am Freitag vor der 3. Strafkammer des Landgerichts durchaus Einblicke in menschliche Abgründe gewährt, doch viel entscheidender war vielleicht eine andere Sache, vielmehr eine Erkenntnis: Denn dieser Verhandlungstag zeigte, dass der Mensch sein Schicksal eigentlich stets selbst in der Hand hat. Wenn man es denn will, und wenn man dafür die Kraft aufbringt.

Den Beweis

thor Koblenz/Niederschelderhütte. Im Prozess um den Totschlag in Niederschelderhütte wurden am Freitag vor der 3. Strafkammer des Landgerichts durchaus Einblicke in menschliche Abgründe gewährt, doch viel entscheidender war vielleicht eine andere Sache, vielmehr eine Erkenntnis: Denn dieser Verhandlungstag zeigte, dass der Mensch sein Schicksal eigentlich stets selbst in der Hand hat. Wenn man es denn will, und wenn man dafür die Kraft aufbringt.

Den Beweis dafür lieferte Nicole K. Die Schwester des angeklagten Manuel K., die als Zeugin geladen war, hat trotz der gleichen suboptimalen Voraussetzungen ihr Leben gemeistert. Ein eigenständiges Leben, frei von den Zwängen und Dämonen, die ihren Bruder zu der Bluttat getrieben haben. Die Aussage der 40-Jährigen lieferte einen wichtigen Baustein zur Aufarbeitung des Falles, ist doch das Gericht um den Vorsitzenden Reiner Rühmann fast permanent darum bemüht, das „Entstehen“ der Tat besser einzuordnen.

Eigene Mutter mit Messer und Beil getötet

„Mit Mama war es nicht einfach, es sind zwei Seiten“, gab Nicole K. direkt zu Beginn zu verstehen, dass sich ein etwas differenzierter Blick lohnt. „Meiner Mutter war ihr Wohl immer am nächsten“, führte sie aus. Sie sei rechthaberisch und fordernd gewesen. „Es war keine Mama in dem Sinne, wie ich sie mir gewünscht habe.“ Es könne dabei durchaus sein, dass ihre Mutter sie und und ihren Bruder geliebt habe – doch als Liebe habe sie das nicht empfunden.

"Er hat eine gerechte Strafe verdient"

Von Manuel K. sei regelmäßig Gewalt ausgegangen, berichtete die Zeugin. Auch nach ihr habe er einmal einen Barhocker geworfen, beim Vater sei es ein großer Stein gewesen. „Er hat aber auch eine hilfsbereite Seite.“ Doch wenn das Fass übergelaufen sei, „dann hat er seine Gewalt nicht mehr unter Kontrolle“.
Die Schwester zog irgendwann die Reißleine, verließ das Haus und brach die Kontakte nahezu komplett ab. Noch ein paar Glückwünsche zum Geburtstag, das war’s. Ihre eigene Vergangenheit arbeitete sie mit einer Therapie auf. In der Folge habe sie die Kindheit inzwischen ausgeblendet, erzählte sie. Das Fazit von Nicole K: „Diese Tat hätte nicht passieren dürfen, er hat seine gerechte Strafe verdient, egal wie meine Mama war.“

Nicole S. musste den Tatort in Niederschelderhütte selbst reinigen

Die Schwester war am Mittag von ihrem Vater darüber informiert worden, dass ihre Mutter wohl getötet worden sei. Das habe sie erst überhaupt nicht glauben können, erst am Abend habe sie im Internet von der Tat gelesen. Von der Kripo selbst sei sie erst zwei Tage später informiert worden. Und was besonders tragisch ist: Nicole S. musste den über und über mit Blut besudelten Tatort selbst reinigen, weil sie offenbar keine Unterstützung der Behörden erhalten hatte.

Eine Whatsapp-Gruppe namens "Maximum Perversum"

Auf einem ganz anderen Niveau verlief die Befragung einer Zeugin aus Eiserfeld, was auch daran lag, dass sie und Manuel K. Mitglieder in einer Whatsapp-Gruppe namens „Maximum Perversum“ waren. Der Angeklagte sei ihr gegenüber stets nett und hilfsbereit gewesen, habe aber auch „böse beleidigend“ werden können. Die Eiserfelderin lieferte sich dann ein verbales Scharmützel mit Manuel K., sodass Rühmann einschreiten musste. Sie habe aber einmal gehört, wie der Beschuldigte gesagt habe: „Ich bring die Alte irgendwann um.“
Manuel K. war schon öfters mit dem Gesetz in Konflikt geraten und saß in Haft. Er wurde auch als 18-Jähriger für einen schlimmen Vorfall verantwortlich gemacht. Im Jahr 2000 hatten Fans der Sportfreunde Siegen nach einem Auswärtsspiel in Erfurt einen Stuhl aus einem Zug geworfen. Der Lokführer eines entgegenkommenden Zugs hatte ein Auge verloren, als der Sitz die Scheibe durchschlagen hatte.

Instabile Persönlichkeitsstörung beim Angeklagten

Sein letztes Delikt war eine Körperverletzung: Der Schelder hatte in einer kurzen Ehe zwischen 2013 und 2016 die eigene Frau geschlagen. Überhaupt entwickelte er im Laufe der Jahre eine Neigung von instrumenteller zur Beziehungsgewalt.
Seine Bewährungshelferin sprach indes von einer guten und vertrauensvollen Zusammenarbeit. Noch drei Wochen vor der Tat habe sie mit Manuel K. das Abschlussgespräch geführt, nichts habe da auf so etwas hingedeutet. 
Sehr ausführlich fiel das Gutachten der Psychiaterin Dr. Sylvia Leupold aus. Sie sieht beim Angeklagten das Merkmal einer instabilen Persönlichkeitsstörung gegeben. Manuel K. habe ein hohes Wutem–pfinden, sein Selbstbild „switche“ zwischen Selbstverachtung und der Verachtung des Gegenübers hin und her. Die Tat selbst sei nach ihrer Einschätzung weder auf einen Drogeneinfluss zurückzuführen noch sei sie im Affekt geschehen. Dagegen spreche allein die „treppenstufige“ Eskalation (Fäuste, Messer, Beil). Dass er sich nicht mehr an die Tat erinnere, sei keine Amnesie, sondern Verdrängung, so Leupold: „Er weiß das nicht anders zu bewältigen.“ Und fest stehe für sie auch: „Die Mutter spielt eine große Rolle bei dem, wie er geworden ist.“
Die Gutachterin hat mit Manuel K. bereits über die Möglichkeit einer Unterbringung in einer geschlossenen Anstalt gesprochen. Leupold: „Es gibt gute Behandlungsmöglichkeiten für diese Störungen, auch wenn es mit ihm nicht einfach wird.“ Reiner Rühmann hatte sehr aufmerksam zugehört.

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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