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Ruhestand von Pfarrerin Almuth Germann
Menschen ein Stück weit begleiten

Auf Almuth Germann wartet nach 39 Berufsjahren im Dienst der Evangelischen Kirche nun der Ruhestand.
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  • hochgeladen von Christian Völkel

thor Freusburg/Niederfischbach. Es ist ein Abschied der eher leiseren Art. Und das hat nicht unbedingt etwas mit Corona zu tun. Vielmehr entspricht es überhaupt nicht dem eher introvertierten Naturell von Almuth Germann, mit Pauken und Trompeten abzutreten (wobei das in ihrem Fall ohnehin die Posaune wäre). Nein, die ev. Pfarrerin steht nicht für laute Töne, die Kanzel ist für sie kein Ort der PR-Arbeit in eigener Sache. Was ganz und gar nicht heißen soll, dass sich die Seelsorgerin versteckt hat. Schon gar nicht vor denen, die ihr anvertraut waren. Seit 1997 war sie Ansprechpartnerin und Begleiterin der evangelischen Christen in Freusburg, Niederfischbach und im Wildenburger Land. Nun wartet nach insgesamt 39 Berufsjahren der Ruhestand auf Almuth Germann.

thor Freusburg/Niederfischbach. Es ist ein Abschied der eher leiseren Art. Und das hat nicht unbedingt etwas mit Corona zu tun. Vielmehr entspricht es überhaupt nicht dem eher introvertierten Naturell von Almuth Germann, mit Pauken und Trompeten abzutreten (wobei das in ihrem Fall ohnehin die Posaune wäre). Nein, die ev. Pfarrerin steht nicht für laute Töne, die Kanzel ist für sie kein Ort der PR-Arbeit in eigener Sache. Was ganz und gar nicht heißen soll, dass sich die Seelsorgerin versteckt hat. Schon gar nicht vor denen, die ihr anvertraut waren. Seit 1997 war sie Ansprechpartnerin und Begleiterin der evangelischen Christen in Freusburg, Niederfischbach und im Wildenburger Land. Nun wartet nach insgesamt 39 Berufsjahren der Ruhestand auf Almuth Germann.

Begeisterung für Mathematik und Musik

Die gebürtige Rheinländerin (Eitorf) entstammt zwar einer Familie mit vielen Pfarrern, u . a. ihr Vater, wobei sich die kleine Almuth einst sehr für Mathematik und Musik begeistern konnte. Warum sie letztlich doch Theologie studierte? „Es war der Beruf, den ich am besten kannte“, sagt sie. Nach dem Studium in Bonn und Jerusalem trat sie Anfang der 80er-Jahre ihr Vikariat in Odenspiel im Bergischen an. Anschließend holte sie der damalige Superintendent Rudolf Steege als Synodal-Hilfspredigerin nach Daaden. Mit ihm habe sie sich glänzend verstanden: „Wir waren ein Herz und eine Vernunft.“ Anschließend wurde Germann Pfarrerin der ev. Kirchengemeinde Herdorf-Struthütten.

Ich rede lieber mit den Leuten vom Bauhof als mich in der Öffentlichkeit zu äußern.
Almuth Germann
ev. Pfarrerin

Bei der Frage nach den unterschiedlichen Mentalitäten der Menschen winkt sie ab. „Das ist für mich überhaupt kein Thema.“ Diese Region sei ein Schmelztiegel: Siegerländer, Westerwälder, eingewanderte Ostpreußen etc.
Als sie ihren (späteren) Mann Eckhard 1987 bei der Einführung von Pfarrer Eckhard Dierig kennenlernte, hielt der sie zunächst für die Gattin des Kirchener Kollegen. Doch der Irrtum war schnell aufgeklärt. Nach der Hochzeit zog Almuth Germann nach „Föschbe“, wo ihr Mann – gebürtiger Herdorfer – als Pfarrer tätig war. Es folgten neun Jahre des Wartestands, in der die Kinder Susanne, Bernhard und Verena zur Welt kamen. Von Juli 1997 bis Januar 2005 übernahm Almuth Germann die Pfarrstelle, anschließend – bis Ende September 2014 – teilten sich die Eheleute die Arbeit. Ab Oktober 2014 war sie dann wieder alleinige Pfarrerin der ev. Gemeinde Freusburg(-Niederfischbach).

Lieber in der zweiten Reihe

Wie gesagt, das Rampenlicht war nichts für die ev. Pfarrerin, die selbst sagt, dass sie aus einem „bescheidenen Hintergrund“ kommt. „Ich rede lieber mit den Leuten vom Bauhof als mich in der Öffentlichkeit zu äußern. Ich bin grundsätzlich lieber jemand, der in der zweiten Reihe ist.“ Manches Mal, auch das merkt man ihr an, wäre sie gerne mutiger und forscher gewesen, aber sie blieb sich treu. Dazu gehört auch, dass sie – zur eigenen Sicherheit – Dinge lieber exakt schriftlich festhält, obwohl sie eigentlich hervorragend frei sprechen kann.
Germann darf dafür für sich in Anspruch nehmen, mitten unter den Menschen gewesen zu sein. Dass sie sich immer auf Augenhöhe mit ihrer Gemeinde und nicht als erhaben über ihr stehend sah, wird in ihrem letzten Vorwort des Gemeindebriefs deutlich, wo sie ihre Hoffnung ausdrückt, die Botschaft von Gott immer einfach und verständlich ausgedrückt zu haben: „Ich hoffe, dass ich auch dabei als Zuhörerin zwischen Ihnen saß und mir selber diese Predigten gehalten habe, mich eingereiht habe in die, die Ermutigung, Trost, Kritik und Vergebung brauchten.“

Umbrüche in der Gesellschaft

Ihr Anliegen sei es immer gewesen, die Menschen nicht einfach nur abzuholen, erklärt die Pfarrerin. Sich auf sie einlassen und dann noch einen Schritt (oder auch mehrere) gemeinsam gehen. In diesem Zusammenhang zitiert Germann auch eine Textzeile aus einem ihr sehr vertrauten Lied: „Du kannst dich ihm, so wie du bist, nahen.“ Das war ihre Botschaft an die Menschen.
Dass die Arbeit einer Pfarrerin in den vergangenen Jahren nicht leichter geworden ist, weiß auch Germann: Umbrüche in der Gesellschaft, veränderte Strukturen in der Kirche selbst haben auch ihr Wirken beeinflusst.
Angst vor dem Ruhestand muss sie nicht haben: Sie arbeitet an einem Buch über den Partnerkirchenkreis Muku im Kongo, sie will sich um die Enkel kümmern und vor allem den Garten im neuen Haus an der Betzdorfer Schulstraße bestellen. Denn auch das gehört zu ihrem Selbstverständnis: Abstand gewinnen und sich nicht in die Arbeit der Nachfolgerin einmischen.
Verabschiedet wird Germann am kommenden Sonntag in einem Gottesdienst um 14 Uhr in der ev. Kirche Niederfischbach. Ob es dann tatsächlich ein ruhiges Adieu werden wird. dürften zumindest die Umzugshelfer bestreiten. Denn ein Unternehmen hat mit 650 Kartons kalkuliert...

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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