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Verbandsgemeinde Kirchen lässt Bachverrohrungen befahren
Mit dem Kameraroboter im Untergrund

Gewölbe, Risse, Steine: Die Kamerabefahrungen haben bislang schon so manch interessanten Einblick ermöglicht, auch etwa eine Tauchpumpe, eine Abflussrohr oder ausgebrochene Seitenwände.
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  • Gewölbe, Risse, Steine: Die Kamerabefahrungen haben bislang schon so manch interessanten Einblick ermöglicht, auch etwa eine Tauchpumpe, eine Abflussrohr oder ausgebrochene Seitenwände.
  • Foto: Verbandsgemeinde
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

dach Kirchen. Man sieht nur mit dem Herzen gut, schrieb einst der Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry. Für die Verbandsgemeinde Kirchen gilt das in einer etwas moderneren Form: mit der Kamera. Gemeint sind dabei die Verrohrungen, durch die Bäche geleitet werden.
Seit 2018 werden zwischen Friesenhagen und Herkersdorf diese Rohre peu à peu mit einem optischen Helferlein befahren. Dabei geht es um etwaige Schäden des Betonkorsetts – und um diverse Überraschungen.
Verbandsgemeinden sind zuständigSteffen Nilius vom Kirchener Bauamt stellte jetzt dem Bau- und Umweltausschuss die Ergebnisse vor, die eine Fachfirma bis dato gesammelt hat. Konkret wurde seitdem knapp die Hälfte der insgesamt 7,8 Kilometer Strecke „in Augenschein genommen“.

dach Kirchen. Man sieht nur mit dem Herzen gut, schrieb einst der Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry. Für die Verbandsgemeinde Kirchen gilt das in einer etwas moderneren Form: mit der Kamera. Gemeint sind dabei die Verrohrungen, durch die Bäche geleitet werden.
Seit 2018 werden zwischen Friesenhagen und Herkersdorf diese Rohre peu à peu mit einem optischen Helferlein befahren. Dabei geht es um etwaige Schäden des Betonkorsetts – und um diverse Überraschungen.

Verbandsgemeinden sind zuständig

Steffen Nilius vom Kirchener Bauamt stellte jetzt dem Bau- und Umweltausschuss die Ergebnisse vor, die eine Fachfirma bis dato gesammelt hat. Konkret wurde seitdem knapp die Hälfte der insgesamt 7,8 Kilometer Strecke „in Augenschein genommen“. Dabei wurde deutlich: An vielen Stellen muss etwas passieren. Gefahr im Verzug gilt aber – mit einer kleinen Ausnahme (hier erfolgt zügig Abhilfe) – nicht.
Mit dem Landeswassergesetz aus 2015 wurde geregelt, dass für diese Gewässer 3. Ordnung die Verbandsgemeinden zuständig sind – und damit eben auch für deren Verrohrung. Grund genug also, sich in den Untergrund zu begeben.

Oftmals kurzfristiger Handlungsbedarf

Die Spezialisten bedienen sich bei der anschließenden Klassifizierung eines standardisierten Systems. Dabei fällt auf, das laut Analyse oftmals kurzfristiger Handlungsbedarf besteht. Manchmal betrifft dies rund ein Drittel eines Rohrabschnitts, manchmal sogar weite Teile, beim Hinhäuser Bach in Harbach sind es beispielsweise gut 90 Prozent. Allerdings relativiert Nilius hier: Die beauftragte Fachfirma hat es in der Regel mit Schmutz- oder Abwasserkanälen zu tun. Sickere dabei etwas durch, habe das ein ganz anderes Gefahrenpotenzial wie bei Bachwasser. Dennoch ist jetzt schon klar: Wenn die Untersuchungen in zwei oder drei Jahren abgeschlossen sind und eine Prioritätenliste erstellt ist, werden irgendwann in der Zukunft wohl mancherorts die Bagger anrollen müssen. Nilius: „Ein Rohr ist nicht für die Ewigkeit gebaut.“ Wobei es durchaus auch „minimalinvasive“ Methoden gibt, bei denen mit Epoxidharz im Inneren der defekten Rohre gearbeitet wird.

Hüttseifen in Niederfischbach

Da ist zum Beispiel der obere Teil des Hüttseifens in Niederfischbach: In diesem Abschnitt ist der bislang schlechteste Zustand festgestellt worden. Längsrisse sind auf den Bildern zu erkennen, auch hier und da ein Muffenversatz, bei dem ein Rohrstück nicht mehr ins nächste greift. Zudem sind hier unterschiedliche Rohrtypen verbaut worden – solche, die eigentlich gar nicht zueinander passen. Nur wird es hier aufgrund der Gegebenheiten durchaus kompliziert, hier müssten nach Nilius‘ Ansicht die Verbandsgemeindewerke und auch der AK-Kreis (Straße) mit ins Boot. Ein dickes Brett.

Rohr des Schindenbachs

Dringend etwas passieren müsse auch im Rohr des Schindebachs, allerdings auf NRW-Seite. Unterhalb des Sportplatzes Rosengarten, konkret unter einer Pflasterfläche nahe des Vereinsheims, ist die Betoneinfassung regelrecht eingedrückt. Die Siegener Kollegen sind informiert.
Eine ausgespülte Sohle konnte man im Rohr des Girnsbachs in Kirchen entdecken. Hier hatte man auch ein kleines Rohr auf ein größeres gesetzt und den Anschluss wild mit Ziegeln und Beton „abgedichtet“. Nilius drückt es so aus: „Das wurde verkniesknaddelt.“ Dabei will er den Verantwortlichen vergangener Jahrzehnte gar nichts Böses. Die hätten höchstwahrscheinlich nach bestem Wissen und Gewissen agiert. Heute allerdings habe man da technisch ganz andere Möglichkeiten.

Löcher in der "Hauptleitung"

Das gilt auch für viele Zuflussrohre: Dafür sind an etlichen Stellen einfach Löcher in die „Hauptleitung“ geschlagen worden. Unschöner Nebeneffekt: Die Bewehrung, also der Stahlkern, rostet mit der Zeit, sorgt für Abplatzungen und macht im schlechtesten Fall den Weg frei für nachrieselndes Erdreich.
Manchmal wird die Verrohrung auch unterbrochen, dann fließt das Wasser plötzlich durch ein gemauertes Gewölbe, wie im Ahligseifen in Brachbach oder im Schindebach in Niederschelderhütte. Der Otterbach in Niederfischbach (mit 1341 Metern der absolute Rekordhalter) durchströmt beispielsweise im Bereich des Sportplatzes einen betonierten Abschnitt – klar und deutlich rechteckig und damit kein Rohr.

Abwasserkanal kreuzt

Und dann gibt es noch diverse Überraschungen. Im Ahligseifen etwa kreuzt ein Rohr, vermutlich 20 Zentimeter im Durchmesser, die Hauptroute (80 Zentimeter). Das werde vermutlich der Anschluss eines Wohnhauses an den Abwasserkanal sein, meint Nilius. Im Hinhäuser Bach quert ein Stromkabel oder eine Wasserleitung, so deutlich ist das auf dem Kamerabildern nicht zu erkennen, das Betonkorsett.
Hier sind die Experten auch auf den bislang kuriosesten Fund gestoßen: Fachmännisch war dort eine Tauchpumpe bis ins Wasser hinuntergelassen worden. Dafür wurde eigens ein Schacht zum Rohr hin betoniert. Die Pumpe ist auf Betreiben des Bauamts mittlerweile entfernt worden, so Nilius: „Das ist vom Wasserrecht her verboten.“ Zudem habe die Konstruktion ein sogenanntes Abflusshindernis dargestellt.

"Wasser sucht sich seinen Weg"

Er appelliert auch an diejenigen, die einen offenen Bachlauf auf ihrem Grundstück haben, beispielsweise Brennholz nicht bis zum Ufer zu stapeln oder mit Folien Fließhindernisse zu basteln, um besser Wasser abschöpfen zu können. Beim nächsten Starkregen würden die dann unter Umständen die Einlässe der Verrohrungen verschließen. „Und den anderen läuft dann der Keller voll. Wasser sucht sich seinen Weg.“
Die Befahrungen gehen weiter. Der Bauausschuss hat fürs kommende Jahr wieder 15 000 Euro bereitgestellt. Im Sommer, wenn das Wasser niedrig ist, stehen der Birker Bach in Mudersbach, der Strahlenbach in Friesenhagen und die Verrohrung „Zum Sangeshof“ in Offhausen an. Gleichzeitig werden dabei per Satellitenvermessung die Schächte kartiert. Damit erhält das Bauamt dann konkrete Lagepläne zur Richtung und Tiefe der jeweiligen Verrohrung. Für den Fall, dass irgendwann doch mal ein Bagger anrücken muss.

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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