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Freusburgerin initiierte multimediale Kampagne gegen Wildunfälle
Mit der Wucht eines Elefanten

Hinter dem Hirsch taucht schemenhaft ein Elefant auf, denn dessen Gewicht von ca. 5 Tonnen wirkt, sollte es zu einem Zusammenstoß bei 60 km/h kommen.  Foto: ACV
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  • Hinter dem Hirsch taucht schemenhaft ein Elefant auf, denn dessen Gewicht von ca. 5 Tonnen wirkt, sollte es zu einem Zusammenstoß bei 60 km/h kommen. Foto: ACV
  • hochgeladen von Thorsten Stahl (Redakteur)

thor Freusburg. Wer in Freusburg aufwächst, muss nicht zwingend einen Tierpark oder Zoo besuchen, um Wildtiere zu sehen. Wildschwein, Reh, Fuchs und Co. haben es schließlich nicht weit, um aus dem Giebelwald kurz mal vorbeizuschauen und Hallo zu sagen. Das ist ihr Revier – und nicht etwa die B 62 oder andere Straßen. Ausgerechnet dort aber machte auch die Freusburgerin Mareike Schlösser Bekanntschaft mit einem Reh. Ein klassischer Wildunfall zwischen Mudersbach und Niederschelderhütte. „Ich war mit der Situation damals völlig überfordert.“ Darauf sei sie in der Fahrschule definitiv nicht vorbereitet worden. „Das ist irgendwie bei mir stecken geblieben.“

Diese Erfahrung hat die Studentin nun auf höchst kreative Weise „verarbeitet“.

thor Freusburg. Wer in Freusburg aufwächst, muss nicht zwingend einen Tierpark oder Zoo besuchen, um Wildtiere zu sehen. Wildschwein, Reh, Fuchs und Co. haben es schließlich nicht weit, um aus dem Giebelwald kurz mal vorbeizuschauen und Hallo zu sagen. Das ist ihr Revier – und nicht etwa die B 62 oder andere Straßen. Ausgerechnet dort aber machte auch die Freusburgerin Mareike Schlösser Bekanntschaft mit einem Reh. Ein klassischer Wildunfall zwischen Mudersbach und Niederschelderhütte. „Ich war mit der Situation damals völlig überfordert.“ Darauf sei sie in der Fahrschule definitiv nicht vorbereitet worden. „Das ist irgendwie bei mir stecken geblieben.“

Diese Erfahrung hat die Studentin nun auf höchst kreative Weise „verarbeitet“. Gemeinsam mit Kommilitonin Diana Kaiser aus Köln hat Mareike Schlösser die multimediale Kampagne „Tiere kennen keine Verkehrsregeln“ für den Automobil-Club Verkehr (ACV) und den Deutschen Jagdverband initiiert. Beide studieren an der Bergischen Universität Wuppertal Public Interest Design – und ja, es ist keine Schande, erst einmal zu googeln, um was es dabei überhaupt geht.

Es handelt sich dabei um einen relativ neuen Master-Studiengang, bei dem man nicht unbedingt auf den Spuren eines Philip Starck wandelt, um neue Möbelstücke zu entwickeln. Vielmehr soll das Design als Mittel eingesetzt werden, um die Entwicklung der Gesellschaft voranzutreiben, Probleme zu lösen und öffentliche Themen zu gestalten.

Dass es sich bei Wildunfällen um ein Thema handelt, das die Allgemeinheit betrifft, versteht sich von selbst. Daher rannten Mareike Schlösser und Diana Kaiser mit ihrer Projektidee auch offene Türen ein. „Die waren direkt Feuer und Flamme“, berichtet die Freusburgerin von der Reaktion des ACV. Das Duo ergänzte sich dabei perfekt: Während Diana Kaiser Filmemacherin ist (und sich im Tierschutz engagiert), kümmerte sich Mareike Schlösser um den multimedialen Part.

In den Mittelpunkt rückten sie dabei die Prävention: Denn der Deutsche Jagdverband meldet mehr als 233 000 Zusammenstöße zwischen Tier und Fahrzeug pro Jahr. Statistisch gesehen bedeutet dies einen Wildunfall alle 2,5 Minuten. Trotzdem unterschätzen viele Autofahrer die Gefahr. Gerade auch im Siegerland und Westerwald. „Viele Schilder hier sind ja schon ein paar Jahre alt“, sagte Mareike Schlösser. Soll heißen: Mit der Wahrnehmung sinkt auch die Aufmerksamkeit.

Hier setzt die neue Kampagne „Tiere kennen keine Verkehrsregeln“ an. Der Schwerpunkt liegt auf Prävention. Speziell junge Fahrer und Fahrschüler sollen für die Gefahr durch Wildunfälle sensibilisiert werden. Die Kraft von ca. 5 Tonnen wirkt auf das Fahrzeug ein, wenn es bei 60 km/h zu einem Zusammenstoß mit einem Rothirsch kommt. Diese enorme Wucht entspricht dem Gewicht eines ausgewachsenen Elefanten. Die Kollision mit einem Wildschwein ist so, als würde man von einem Nashorn gerammt.

Neben einer Webseite und Informationsmaterialien umfasst die Kampagne den Spot „Wie schwer ist ein Elefant?“. Darin wird die Geschichte eines jungen Autofahrers erzählt, der ohne jegliches Gefahrenbewusstsein in einen düsteren Wald fährt und alle Warnsignale am Straßenrand ignoriert. Plötzlich kommt es zum Zusammenstoß. Zu den Inhalten der Webseite gehören auch Tipps zur Unfallvermeidung, etwa „Gekonnt verjagen“, „Gefahrenzonen erkennen“ oder „Geschwindigkeit anpassen“.

Für den Start der Kampagne wurde bewusst der 2. Oktober gewählt, also der Zeitraum vor der bevorstehenden Zeitumstellung, heißt es vonseiten des ACV. Dann bestehe ein deutlich erhöhtes Unfallrisiko. Denn der Berufsverkehr verschiebt sich um eine Stunde und fällt so in die Dämmerung, während der die Wildtiere wie gewohnt unterwegs sind.

Zu den Unterstützern der Kampagne zählen der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) und die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände. Zu sehen ist der Spot auf der Kampagnen-Webseite www.wildunfall-vermeiden.de

Mareike Schlösser würde sich jedenfalls wünschen, wenn die Seite nicht nur bundesweit, sondern auch in der Heimat Beachtung finden würde. Wer auf der B 62 dann dieser Tage statt 100 „nur“ noch 80 fährt, hat die Botschaft auf jeden Fall verstanden.

Hinter dem Hirsch taucht schemenhaft ein Elefant auf, denn dessen Gewicht von ca. 5 Tonnen wirkt, sollte es zu einem Zusammenstoß bei 60 km/h kommen.  Foto: ACV
Mareike Schlösser aus Freusburg (l.) und ihre Kommilitonin Diana Kaiser aus Köln haben gemeinsam die Kampagne initiiert.  Foto: F. Brückner
Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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