Mit Indianern durch die Finanzmisere

Verbandsgemeinde Kirchen investiert über 4 Mill. Euro in Baumaßnahmen

dima Kirchen. »Wir haben nicht nur Häuptlinge, sondern auch Indianer«, sagt Bürgermeister Wolfgang Müller. Und zu den Indianern zählt der Kirchener »Häuptling« augenzwinkernd die drei Arbeitskräfte, die sich zusätzlich zum Technischen Leiter des Bauamtes, Stefan Strunk, um die reibungslose Abwicklung und Umsetzung der aktuellen Tiefbauprojekte der Verbandsgemeinde kümmern. Insgesamt 13 Projekte treibt das Team der Verbandsgemeinde zur Zeit gleichzeitig voran. »Den Batzen im Tiefbau machen wir mit drei Leuten selbst«, erklärt Strunk. Mit dem Einsatz hauseigener Arbeitskräfte spart die Verbandsgemeinde jede Menge Euros. Um die dreht sich bei der Planung der Kirchener Bauprojekte natürlich derzeit fast alles.

Wie überall im Land sind die Kassen leer, eine Besserung ist zumindest kurz-, wahrscheinlich aber auch mittelfristig nicht in Sicht. Darüber herrscht im Kirchener »Wigwam« rund um Bürgermeister Müller Einigkeit. Trotz Finanzmisere verhält man sich in Kirchen »antizyklisch«, wie der 1. Beigeordnete Werner Becker betont. Der Maßnahmenplan des Bürgermeisters sieht für das laufende Jahr insgesamt 26 Tiefbauprojekte mit Gesamtkosten von rund 3,58 Mill. Euro, eine Hochbaumaßnahme für rund 500000 Euro und vier Projekte im Bereich der Umwelt- und Grünpflege für 39000 Euro vor. Dass es sich bei der vorliegenden Liste um keinen Wunschzettel, sondern um eine Beschränkung auf das Notwendigste handelt, ist kein Geheimnis. Der Bürgermeister: »Vom Wunschdenken haben wir uns verabschiedet. Wir machen die dringend notwendigen Maßnahmen.« Der Neubau, respektive die Sanierung der »Vorlandbrücke« in Freusburger Mühle sei zwar dringend notwendig, müsse mit einem Finanzvolumen von mindestens 500000 Euro jedoch warten, erklärt der Bürgermeister.

Geflickte Asphaltdecken, fehlende Wasserrinnen und nicht vorhandene Gehwege: Viele Straßen und Wege im Kirchener Ortsteil Wingendorf stehen auf der Wunschliste von Stefan Strunk, von Verwaltungs-Bauamtsleiter Joachim Neuhof und von Tiefbauingenieur Igor Klippell. Gerne würden die drei daran etwas ändern. Zumindest »Im Hoffeld« wird ist es jetzt soweit. Rund 43000 Euro investiert die Verbandsgemeinde in die »erstmalige Herstellung« einer Straße. Am vergangenen Mittwoch spiegelten sich die Silhouetten der Baufahrzeuge noch in den Tümpeln, die sich auf der holprigen Erdpiste aneinander reihen. »Ende Mai sind wir mit dieser Baumaßnahme fertig«, sagt Igor Klippell, der bei der Verbandsgemeinde für die Bauleitung zuständig ist.

Ebenso rosig sehen die Kirchener die Zukunft der Niederfischbacher Mühlenhardtstraße. In dieser Woche steht die Asphaltierung und das Setzen der Bordsteine auf dem Programm, erklärt Stefan Strunk. 94000 Euro fließen in den Ausbau. Hoffeld und Mühlenhardtstraße sind zwei der »preiswerten« Beispiele auf der Liste der Tiefbaumaßnahmen. Die Niederfischbacher Fillbachstraße und der Zechenwaldplatz werden dagegen jeweils rund 230000 Euro »verschlingen«. Voraussichtlich eine halbe Mill. Euro kostet die Hochbaumaßnahme am katholischen Kindergarten in Freusburg. Der Anbau wird das Platzangebot erheblich verbessern. Die Elektro-, Heizungs- und Sanitärinstallationen sind bereits abgeschlossen. Fenster werden bis zum 9. Mai eingebaut. Anschließend folgen Innenputz und Estrich.

Finanznot macht in Kirchen erfinderisch: Bei der Vermarktung von Industrie- und Gewerbeflächen wurden in der Vergangenheit 50 Hektar Industriebrache reaktiviert. Becker nennt das Stahlwerksgelände in Niederschelderhütte, das Gelände der Firma Klein in Niederfischbach oder die Meteor-Fläche in Mudersbach. Hier wurden insgesamt 1500 Arbeitsplätze geschaffen. Und zwar ohne die »grüne Wiese« in Anspruch zu nehmen, betont Becker. Der 1. Beigeordnete weiter: »Jetzt stoßen wir allerdings an die Grenzen«.

Beim Gang auf die »grüne Wiese« hemmen jedoch öffentliche Vorgaben, wie zum Beispiel die geplante Neufassung des Regionalen Raumordnungsplans. Findet Werner Becker. Etwas neidisch blickt er dabei über die Landesgrenze ins benachbarte Nordrhein-Westfalen. Speziell nach Siegen und Wilnsdorf. Bei Bedarf könnten hier hektarweise Wald gerodet werden. In Rheinland-Pfalz gingen die Probleme dagegen schon los, »wenn nur ein Baum gefällt werden muss.«

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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