SZ

In Brachbach formiert sich Protest
Mit Mistgabeln gegen Amprion

Mit dem Bau der neuen Stromtrasse Kruckel-Dauersberg macht sich Amprion im AK-Land keine neuen Freunde. Jetzt laufen die Anlieger einer Wohnstraße in Brachbach Sturm gegen den Netzbetreiber.  Archivfoto: damo
  • Mit dem Bau der neuen Stromtrasse Kruckel-Dauersberg macht sich Amprion im AK-Land keine neuen Freunde. Jetzt laufen die Anlieger einer Wohnstraße in Brachbach Sturm gegen den Netzbetreiber. Archivfoto: damo
  • hochgeladen von Achim Dörner (Redakteur)

damo Brachbach.  In der Straße „Auf dem Härdtchen“ formiert sich der Protest – und es könnte durchaus sein, dass die Firma Amprion in Brachbach den zivilen Ungehorsam der Bevölkerung erleben wird. Zumindest ist am Mittwochabend im Rat mehr als einmal von „Mistgabeln und Fackeln“, von „querstehenden Autos“ und „brennenden Reifen“ gesprochen worden. Denn die Anlieger sind schon jetzt, bevor sich der erste Lkw auf seinem Weg zur Strommastbaustelle durch ihre Straße gequält hat, gereizt bis in die Haarspitzen.

Verwunderlich ist das nicht – schließlich können sich die Nachbarn an zwei Fingern abzählen, was es bedeuten wird, dass Amprion den Bau der neuen Masten über die kleine Wohnstraße abwickeln will (die SZ berichtete).

damo Brachbach.  In der Straße „Auf dem Härdtchen“ formiert sich der Protest – und es könnte durchaus sein, dass die Firma Amprion in Brachbach den zivilen Ungehorsam der Bevölkerung erleben wird. Zumindest ist am Mittwochabend im Rat mehr als einmal von „Mistgabeln und Fackeln“, von „querstehenden Autos“ und „brennenden Reifen“ gesprochen worden. Denn die Anlieger sind schon jetzt, bevor sich der erste Lkw auf seinem Weg zur Strommastbaustelle durch ihre Straße gequält hat, gereizt bis in die Haarspitzen.

Verwunderlich ist das nicht – schließlich können sich die Nachbarn an zwei Fingern abzählen, was es bedeuten wird, dass Amprion den Bau der neuen Masten über die kleine Wohnstraße abwickeln will (die SZ berichtete). Für drei 75 Tonnen schwere Stahlkolosse müssen entsprechend große Fundamente gegossen werden, so dass Unmengen Material herbeigeschafft werden muss. Und das soll eben auf einer Straße geschehen, die so schmal ist, dass sich dort kaum zwei Lastwagen begegnen dürfen.

Das wirft beinahe zwangsläufig die Fragen auf, was all das mit der intakten Straße macht und ob am Ende mögliche Gebäudeschäden ausgeglichen werden. Das sichert Amprion zwar zu – dennoch ist laut Tim Kraft vom Bauamt Kirchen noch offen, wie sich überhaupt der Ist-Zustand der Straße so dokumentieren lässt, dass mögliche Spätfolgen klar dem Verursacher zuzuordnen wären.

Für reichlich Frust sorgt zudem die Informationspolitik des Stromnetz-Giganten: Erst vorgestern – zwei Wochen vor dem Baubeginn – haben die Anlieger Post bekommen. In einem vergleichsweise lapidaren Schreiben, das viele Fragen offenlässt, erklärt Amprion, dass keine Alternativtrasse zur Verfügung stehe und dass sich die Anlieger auf Baustellenverkehr bis Anfang 2021 einstellen müssen. Los geht’s bereits im Oktober, wenn auch zuerst lediglich mit Freischneide- und Wegebauarbeiten. Und was kommt dann? Dazu lässt sich aus dem Schreiben allenfalls eine gefällige Willensbekundung ableiten, definitiv aber keine Verbindlichkeit: „Voraussichtlich“ werde werktags von 7 bis 18 Uhr gearbeitet, und phasenweise müssten die Anlieger davon ausgehen, „dass die Wege viel genutzt werden“. Auf die angekündigte Anlieger-Versammlung will Amprion laut Ortsbürgermeister Steffen Kappes vorerst verzichten – schließlich sei mit dem Schreiben alles gesagt.

Aber: Weder die Ortsgemeinde noch das Kirchener Rathaus sind willens, die Amprion-Kröte zu schlucken. Klar, Kappes und Bürgermeister Maik Köhler wissen auch, dass Amprion „die große Politik im Rücken hat“: Der Bau der Höchstspannungstrasse ist elementarer Bestandteil der Energiewende und genießt entsprechende Priorität. Das hat Köhler bereits als Mudersbacher Ortschef erfahren: „Mit Amprion gab es nie einen Dialog, keine fairen Gespräche“, sagte Köhler gestern. Am Ende bekam Amprion vor Gericht Recht und hielt an seinen Plänen fest.

Trotzdem wollen die örtlichen Akteure dagegenhalten, was Kappes gestern wie ein Mantra wiederholte. „Wir werden alle Hebel, die wir zu fassen bekommen, in Bewegung setzen“, versprach er den aufgebrachten Anliegern im brechend vollen Feuerwehrhaus ein Dutzend Mal. „Wir stehen zu 150 Prozent hinter den Anliegern.“

Die Strategie der Ortsgemeinde soll so aussehen: Die Gemeinde will noch einmal darauf drängen, dass eine Alternativtrasse zum Zug kommt. Bekanntlich favorisieren die Brachbacher eine Baustraße, die entweder vom oberen Teil der Büdenholzer Straße abzweigt oder von der B 62. Nach eigener Darstellung, berichtete Kappes von einem Gespräch mit der Firma Amprion im August, sei der Netzbetreiber selbst daran interessiert, diese Option zu nutzen. Allerdings sperre sich der Landesbetrieb Mobilität – offenbar, weil er negative Auswirkungen auf den Verkehrsfluss auf der B 62 befürchte.

Ob das aber der Realität entspricht, der Schwarze Peter also wirklich beim LBM zu finden ist, weiß in Brachbach derzeit niemand. Zwar hat die Gemeinde bei der Straßenbehörde um Klärung des Sachverhalts gebeten – eine Antwort hat Kappes aber noch nicht bekommen. „Da werde ich morgen nochmal nachhaken“, kündigte er an.

Und wenn der Druck, den Orts- und Verbandsgemeinde ausüben, verpufft? „Wenn alles nicht zieht, sind wir auch bereit, juristische Schritte zu prüfen“, kündigte Kappes an.

Etwas freier in der Wahl ihrer Mittel sind freilich die Anlieger – und die ließen zumindest rhetorisch schonmal die Muskeln spielen. Bernhard Baumeister etwa schimpfte: „Wir dürfen uns das nicht gefallen lassen, wir müssen uns wehren.“ Und das könnte zum Beispiel bedeuten, dass die Lastwagen nicht durchkommen, weil ein Autofahrer seinen Wagen eben ein paar Zentimeter zu weit vom Bürgersteig entfernt geparkt hat...

Dass solche Szenarien zu befürchten seien, hat Kappes der Firma Amprion bereits mitgeteilt: „Ich haben denen gesagt, dass die Anlieger Mistgabeln und Fackeln zücken werden.“ Ob das in der Dortmunder Konzernzentrale jemanden beeindruckt hat, muss aber bezweifelt werden. „Bislang haben unsere Argumente jedenfalls nicht gefruchtet“, räumte Kappes ein.

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

5 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen