Muhbach – ein Stück Lebensqualität

Vom TuS »Germania« und seiner Nachbarschaftsliebe zu Brachbach/Am Ende stand einer Eingemeindung nichts mehr im Weg

ruth Mudersbach. Dass die Mudersbacher die Brachbacher Nachbarn nicht besonders leiden können, ist bekannt. Davon konnte man sich einmal mehr bei der Karnevalssitzung des TuS »Germania« überzeugen. Jedenfalls spricht einiges dafür, das an der Ortsgrenze die gute Nachbarschaft aufhört. Karl-Heinz Haepp, der sich als Conférencier für diesen Abend zur Verfügung gestellt hatte, plauderte aus dem Nähkästchen und verriet so manches Geheimnis aus dem Gemeinderat.

Doch zunächst begann der Abend musikalisch. Die Jüngsten hatten den größten Mut und eröffneten den Tanzreigen. Die Tanzgruppe der Vier- bis Sechsjährigen von Anja Metzger machten den Anfang. Gefolgt von den Sieben- bis Acht-jährigen sorgten sie für jede Menge Wirbel auf der Bühne. Beim Tanz vom kleinen Krokodil machten schließlich auch die Erwachsenen mit. Für die jüngsten TuS-Besucher war damit die Sitzung auch schon beendet, schließlich war für sie Schlafenszeit.

Wenn’s mit dem Nachbar klappen soll, muss eine gesunde Rivalität zwischen den Orten vorherrschen, so Haepps Credo. Eine große Gefahr sah er in der geplanten Zusammenlegung der beiden Schulen. »Eine gemeinsame Schule ist der größte Feind zwischen einer gesunden Rivalität«, so Happs Überzeugung. Und: »Eine gesunde Rivalität ist schließlich ein Stück Lebensqualität.« So schütze beispielsweise die zu enge Kurve, die nach Brachbach führt, die technisch nicht so versierten Nachbarn davor, beim Verlassen des Ortes (was laut Haepp nur zweimal im Jahr vorkommt) regelmäßig vor all zu großem Schaden beim Einbiegen in die Hauptstraße.

Diese Manöver haben die Gold-Roten-Funkenmariechen ganz offensichtlich gemeistert, denn sie kamen mit ihren Betreuerinnen Heidi Mockenhaupt und Jutta Zöller in die TuS-Turnhalle und zeigten, dass man zumindest in Brachbach ganz toll tanzen kann.

Als Umweltschützer betätigte sich Martina Becher. Sie hatte erfahren, dass man mit Biertrinken auch Urwald retten kann. Während der Umweltschützer mit seinem Engagement bei der eigenen Ehefrau zunächst auf Unverständnis stieß, fand er schon bald Gleichgesinnte, die sich der Lebensraumrettung schon seit Jahr und Tag verschrieben hatten. Schon bald stellte »Herr« Becher fest, dass dieser Einsatz seinen Tribut forderte. Tennisplatzgroße Regenwaldflächen sind nun mal nicht ohne Blessuren zu retten. Dass sich dabei die gute Mutter Erde schon mal um die eigene Achse drehen kann, war für den Umweltschützer ein unbeschreibliches Glücksgefühl. Und dass sogar eine Polizeistreife Verständnis für seine Dienstfahrt hatte, bestärkte ihn um so mehr. Auf der Wache wurde sein Engagement amtlich festgehalten, mit einer Blutprobe wissenschaftlich untermauert und sein Führerschein auf Dauer recycelt. Karl-Heinz Haepp fand die Idee großartig, und spontan entschlossen sich die vielen Sitzungsgäste, ein paar Quadratmeter Regenwald zu retten.

Martina Becher versuchte sich später noch einmal in der Rolle eines Obers in einem vornehmen Lokal, das Alex Schuhen so schnell nicht wieder beehren wird. Nicht nur das »Chefsüppchen mit Fleischeinlage« brachte allerlei Überraschungen mit sich. »Wir sind nicht schw...«, betonten die alte Strolche, bevor sie auf die Bühne kamen. Welche Szenen aus »Traumschiff Surprise« ihnen am besten gefallen haben, zeigten sie in ihren Tänzen. Martin Görg, Dirk Hartmann, Sven Hoffmann und Sascha Barbas hatten an ihrer Einlage mindestens so viel Spaß wie die Gäste.

Ein Mikro, ein rot kariertes Sakko und gute Mucke, das reichte David Mays, um richtig Stimmung in den Saal zu bringen. »Steht mal alle auf«, forderte er das Publikum auf, der Rest ging wie von selbst. Zu vorgerückter Stunde wurden die Tanzgruppen älter, so dass zur Sperrstunde die Jazz-Tanz-Gruppe der 18- bis 20-Jährigen an der Reihe war. Es war die letzte Gruppe, die Anja Metzger an diesem Abend vorstellte. »Tanzen, sich bewegen, und Spaß haben«, lautet ihr Motto. Die Mädchen haben das überzeugend umgesetzt.

Ein Begräbnis der besonderen Art bescherten Joachim Lück, Andreas Becher, Dirk Hartmann, Martin Görg und David Mays dem Publikum gegen Ende der Veranstaltung. Aus der selbst gezimmerten Kiste, die zur Bühne getragen wurde, entsprang Wolfgang Petri, der zusammen mit den vier Heinos Party feierte. Petra Maag und Ulli Demmel läuteten mit ihrer Marianne-Rosenberg- und Andrea-Berg-Parodie das große Finale ein, zu dem sich noch einmal alle Künstler auf der Bühne versammelten.

Ein Zeichen der Annährung an die Brachbacher gab es dann auch noch. Brachbach soll eingemeindet werden, verriet Haepp. »Die Geheimverhandlungen laufen schon«, so der Conférencier. Gestritten werde nur noch über den neuen Ortsnamen. Die Brachbacher wollten ihr »Bach« behalten, weil sie näher an der Sieg lebten. Und Mudersbach sollte nur eine Silbe in den Namen einbringen dürfen. Also einigte man sich auf »Muh«. Auf das »h« bestanden die Mudersbacher. Wer also demnächst Visitenkarten drucken lässt, sollte vorsichtshalber schon einmal den neuen Ortsnamen in Klammern vermerken lassen: Muhbach.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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