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Dr. Harald Smetak im Gespräch
Nächste Corona-Welle: Ruhe vor dem Sturm im Krankenhaus Kirchen?

Chefarzt Dr. Harald Smetak, hier mit Schwester Daniela Haim von der Notaufnahme, sieht bei der Behandlung von Corona-Patienten derzeit noch eine entspannte Situation – doch das könne sich jederzeit wieder sehr schnell ändern.
  • Chefarzt Dr. Harald Smetak, hier mit Schwester Daniela Haim von der Notaufnahme, sieht bei der Behandlung von Corona-Patienten derzeit noch eine entspannte Situation – doch das könne sich jederzeit wieder sehr schnell ändern.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

thor Kirchen. Es waren zwei Anrufe, die Dr. Harald Smetak am Mittwoch haben aufhorchen lassen. Anrufe, bei denen der Chefarzt der Anästhesie und Intensivmedizin am DRK-Krankenhaus Kirchen Kollegen von Unikliniken am Hörer hatte. Und beide Male wurde ihm berichtet, dass die jeweiligen Intensivstationen bei der Betreuung von Covid-19-Patienten wieder langsam an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. Mehr als nur ein Aufhorchen haben diese Schilderungen bei Smetak ein „Kribbeln“ ausgelöst. Denn aus der Erfahrung heraus weiß er: Mit etwas Verzögerung könnte diese Situation auch in Kirchen eintreten.

Noch ist es ruhig im Krankenhaus, die derzeit rollende vierte Welle hat in Kirchen noch Baggersee-Dimensionen.

thor Kirchen. Es waren zwei Anrufe, die Dr. Harald Smetak am Mittwoch haben aufhorchen lassen. Anrufe, bei denen der Chefarzt der Anästhesie und Intensivmedizin am DRK-Krankenhaus Kirchen Kollegen von Unikliniken am Hörer hatte. Und beide Male wurde ihm berichtet, dass die jeweiligen Intensivstationen bei der Betreuung von Covid-19-Patienten wieder langsam an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. Mehr als nur ein Aufhorchen haben diese Schilderungen bei Smetak ein „Kribbeln“ ausgelöst. Denn aus der Erfahrung heraus weiß er: Mit etwas Verzögerung könnte diese Situation auch in Kirchen eintreten.

Noch ist es ruhig im Krankenhaus, die derzeit rollende vierte Welle hat in Kirchen noch Baggersee-Dimensionen. Dabei kennen Smetak und sein Team durchaus hawaiianische Verhältnisse: „Die erste und zweite Welle im vergangenen Jahr haben wir deutlich gespürt – auch auf der Intensivstation“, berichtet der Chefarzt. Seinerzeit hatte man sich sogar um zwei Patienten aus den italienischen Krisengebieten gekümmert. Keine Frage: Als relativ kleine Klinik war man in Kirchen stolz darauf, schwierige Fälle erfolgreich „durchgeboxt“ zu haben..

Einsatz gegen Corona macht Belegschaft im Krankenhaus Kirchen zu schaffen

Smetak macht aber keinen Hehl daraus: Der belastende Dauer-Einsatz gegen das Virus habe die Beschäftigten stark gefordert und auch müde gemacht. Ohnehin sei fehlendes Personal – und nicht unbedingt die Bettenzahl – nach wie vor ein limitierender Faktor in den Krankenhäusern. Auch deshalb betrachte er die momentane Entwicklung mit wachsender Sorge.

Derzeit werden in Kirchen durchschnittlich zwei bis vier Corona-Patienten behandelt, allesamt aber auf normalen Stationen. Vor einigen Tagen habe es lediglich eine „kleine Welle“ gegeben, so der Chefarzt, verursacht durch Reiserückkehrer. Ein (drohendes) Problem: Die Intensivstation ist fast komplett mit anderweitig Erkrankten belegt. So hat Smetak kürzlich vorsichtshalber eine Patientin nach Weidenau verlegen lassen, bei der die Gefahr bestand, dass sie intensivmedizinisch betreut werden muss.
Auch die Kirchener können bestätigen, dass die stationär versorgten Infizierten deutlich jünger sind als die in den ersten Wellen. In den allermeisten Fällen handele es sich um ungeimpfte Personen, sagt Smetak. Eine Patientin sei doppelt geimpft gewesen: „Aber die konnten wir auch ganz schnell wieder entlassen.“ Bei den Ungeimpften sei die Symptomatik und der Verlauf durchaus etwas milder: „Krank sind sie trotzdem.“ Und ja, einer habe auch schon offen bedauert, dass er sich bislang nicht habe impfen lassen.

Krankenhaus Kirchen bislang gut durch die Pandemie gekommen

Die Tatsache, dass das Krankenhaus Kirchen bislang verhältnismäßig gut durch die Pandemie gekommen ist, führt der Mediziner u. a. auf die rechtzeitig getroffenen Maßnahmen zurück. „Wir waren ganz früh beim Impfen dabei“, betont Smetak. Das werde auch bei den kommenden Booster-Impfungen der Fall sein. Auch in Zeiten von nur sehr geringen Inzidenzen habe das Krankenhaus konsequent an seinem Hygiene-Konzept festgehalten. Und ganz wichtig: Auch geimpfte und genesene Patienten würden bei ihrer Aufnahme weiterhin getestet. „Es darf auf keinen Fall mehr passieren, dass Stationen wegen Corona geschlossen werden müssen.“

Smetak gehört zu jener immer größer werdenden Gruppe, die nicht mehr alles ausschließlich an der Inzidenz festmachen will, sondern verstärkt die Hospitalisierungsrate einbezieht. „Wir müssen ja auch wieder dahin kommen, wo wir nicht nur destruktiv und in Angst leben. Das Virus wird uns schließlich noch lange begleiten.“ An Hygiene-Maßnahmen im öffentlichen Bereich führt seiner Meinung nach aber zunächst kein Weg vorbei. Von dem englischen Vorgehen mit einem „Freedom Day“ halte er nichts: „Das ist der falsche Weg.“.

Krankenhaus Kirchen bereitet sich auf nächste Corona-Welle vor

Dass die nächste Welle auch Kirchen wieder härter treffen wird, steht für Smetak fest: „Nur die Intensität ist schwer vorherzusagen.“ Und natürlich werde der weitere Verlauf der Pandemie auch stark von der Impfquote abhängen. Jeder, der noch zögere, sollte sich einen Ruck geben. „Wir haben schließlich Impfstoffe, die sehr gut auch bei Varianten wirken.“ Das diene nicht nur der eigenen Gesundheit, sondern der gesamten Gesellschaft.

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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