Nächste Runde im Streit um Tüschebachsweiher

Baumaßnahme auf 18. August verschoben / Verwaltung will Termin prüfen

damo Niederfischbach. Zumindest die Tretbootfahrer haben zurzeit ihren Spaß am Tüschebachsweiher. Sie drehen ihre Runden auf dem Wasser, und dass der Damm an einigen Stellen undicht ist, scheint ihnen dabei herzlich egal zu sein. Viele andere hingegen verbinden mit dem idyllischen Weiher derzeit eher Ärger und Sorgen: Die SGD Nord drängt auf Reparatur des Dammes, die Kirchener Verwaltung hat schon zum zweiten Mal einen Termin für die Baumaßnahme ansetzen müssen, und die Umweltverbände laufen Sturm.

Der Damm – nicht allzu alt – ist undicht, und so muss an dem Bauwerk gearbeitet werden. Dazu ist es nötig, den Wasserspiegel abzusenken, berichtete Bürgermeister Wolfgang Müller auf Anfrage der SZ. Dann wird Lette oder tonhaltiger Boden angebracht – und wenn alles gut geht, ist der Damm anschließend dicht.

Eigentlich hätten diese Baumaßnahmen längst erledigt sein sollen: Bereits Mitte Juli sollte das Wasser abgelassen, der Damm abgedichtet werden. Damals aber hatte Berufsjäger Helmut Hilpisch, durch dessen Revier der Winnersbach verläuft, die SZ informiert und die Aktion zum Erliegen gebracht.

Hilpisch hatte ökologische Gründe angeführt: Er hatte befürchtet, dass der Winnersbach zuerst verschlammt und dann trocken fällt. Verschlammen in dem Moment, in dem abgelassen wird; trocken fallen anschließend, wenn der Zulauf gekappt wird. Die Verwaltung hatte Hilpischs Befürchtungen scharf zurück gewiesen, den Termin aber dennoch verschoben, um die Umweltverbände nicht vor vollendete Tatsachen zu stellen.

Nun stößt aber auch der neuerliche Termin auf deutlichen Widerstand. Gestern war der Kreisfischereibeauftragte vor Ort, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Alfons Müller fällte im Gespräch mit der SZ ein klares Urteil: »Die Baumaßnahme ist notwendig – aber sie darf auf keinen Fall jetzt ausgeführt werden.«

Er skizziert folgendes Szenario: Derzeit führt der Winnersbach kaum Wasser. Die Fische im Bach haben sich darauf eingestellt und ihren Lebensraum in die Gumpen verlagert. Wenn der Bach beim Ablassen des Weihers kurzfristig geflutet wird, kommen die Fische zurück. Kurze Zeit später aber kehrt schlagartig wieder Niedrigwasser ein – für die Fische geht das zu schnell, sie verenden nach Einschätzung Müllers reihenweise. »So dringend ist die Baumaßnahme nicht, dass nicht noch so lange gewartet werden könnte, bis die Bäche wieder genug Wasser führen.« Fazit: »Derzeit sind die Verhältnisse ohnehin extrem«, befindet Müller, »das darf man nicht noch zusätzlich verschärfen.«

Neben den ökologischen Problemen im Winnersbach befürchtet Müller einen weiteren ökologischen Schaden: im oberen Bereich des Weihers, in den Feuchtwiesen und Uferzonen.

Mit dieser Einschätzung steht Müller nicht alleine da – BUND-Sprecher Wolfgang Stock warnt vehement vor einem Eingriff: »Wenn der Wasserspiegel des Weihers während einer Trockenperiode abgesenkt wird, fallen die Feuchtwiesen trocken.« Diese Wiesen und Uferzonen stellen laut Stock ein »sehr sensibles Biotop« dar. Dort leben seltene Vögel, und viele bedrohte Pflanzen sind dort heimisch. Erschwerend kommt hinzu: »Das sind 24er Flächen, die unter strengem Naturschutz stehen. Allein deshalb ist eine Baumaßnahme derzeit nicht zu tolerieren.«

Diese Erkenntnis hat auch die Kirchener Verwaltung gewonnen. Die SZ erreichte Bürgermeister Wolfgang Müller während seines Urlaubs, und Müller stellte klar: »Neue Situationen verlangen nach neuen Maßnahmen.« So sagte Müller, dass der neu angesetzte Termin nochmals geprüft werden muss: »Wir müssen schauen, ob die Maßnahme angesichts der derzeitigen Trockenheit durchführbar ist.« Ein erneutes Fischsterben müsse verhindert werden, auch wenn die Baumaßnahme unverzichtbar sei: »Die SGD sitzt uns im Nacken, dass der Damm endlich abgedichtet wird.«

So wird es vom Wetter der kommenden Tage abhängen, ob am 18. August nun der Wasserspiegel abgesenkt wird oder nicht – und ob das Gezerre um den Tüschebachsweiher endlich ein Ende findet. Aber davon bekommen die Tretbootfahrer nicht viel mit…

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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