Rathausstürmung in Kirchen
Narren-Flut und Stadtrat-Wut

Wenn die versammelte Narrenschar der Verbandsgemeinde das Verwaltungsgebäude in Kirchen stürmt, ist deutlich mehr los als bei Ratssitzungen. Das gilt ausnahmsweise sowohl für den Stadt- als auch den Verbandsgemeinderat.
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thor Kirchen. Echte Narren können immer und überall improvisieren, und dieses Talent war am Montag Morgen definitiv vor dem Kirchener Rathaus gefragt. Präsidenten von Karnevalsvereinen, so auch Stephan Kreps beim HCC, sind es nun mal gewohnt, dass ihre Reden regelmäßig von einem Tusch unterbrochen werden. Ob nun live von einer Band gespielt oder per Konserve – egal. Die versammelten Jecken aus der Verbandsgemeinde Kirchen fügten dem eine neue Variante hinzu: der a-capella-Tusch. Das Problem: Die Rede von Kreps war zeitlich nicht ganz mit der Dienst-Bereitschaft von DJ Hansi synchronisiert, dafür holte der im Laufe des Vortrags alle verpassten Fanfaren eifrig nach.

Überhaupt dauerte die Sache etwas länger, was daran liegt, dass die Herkersdorfer längst nicht mehr allein auf weiter Flur sind. Die Brachbacher dürfen ebenso wenig fehlen wie die Wehbacher, und mittlerweile tummeln sich auch wieder Freusburger und Niederfischbacher vor dem Verwaltungsgebäude. Allein die Schlachtrufe „Schlöng-ronner-wehlau-ojooh-he-simmä-hauruck“ nehmen einige Minuten in Anspruch. Stephan Kreps: „Wenn jetzt noch zwei Vereine dazu kommen, bin ich am Ende.“ Diesen Zustand dürfte (der nicht vor Ort gewesene) Stadtbürgermeister Andreas Hundhausen spätestens dann erreicht haben, als er von der Rede des HCC-Präsidenten hörte. Hatte Kreps im vergangenen Jahr schon die politischen Grenzen zwischen Verbandsgemeinde und Stadt verschwimmen lassen, machte er diesmal den Stadtrat – und nicht die CDU-geführte Mehrheit im Kreistag! – für den gescheiterten Grundstücksverkauf an der Bahnhofstraße verantwortlich. Merke: Herkersdorfer sollten Herkersdorfern nicht alles glauben.

„Kirchen wollte man weiterentwickeln und nach vorne bringen, doch im Stadtrat hörte man nur die Politiker ringen. Es würden nur politische Spielchen gemacht, hat man gehört, ein wichtiges Projekt für Kirchen würde hier zerstört. Da fragen wir uns, was ist hier los? Sitzt ihr im Stadtrat und macht wirklich Spielchen los“, war von Kreps zu hören. Wenn da mal nicht langsam die Vereinszuschüsse ins Wackeln kommen.

Völlig fehlerfrei verlief hingegen die Vorstellung der HCC-Regenten – und Jens I. war nach seinem phänomenalem Auftritt als Helene Fischer am Samstagabend auch wieder züchtig gekleidet (wobei der Mann wirklich alles tragen kann). Bürgermeister Maik Köhler, der der Rede von Kreps – da nicht angesprochen – relativ gelassen folgen konnte, rückte anschließend im Angesicht der großen Kanone völlig freiwillig den Schlüssel für das Amtsgebäude heraus: „Ich kenne mich aus mit Narretei, bin schließlich Mitglied einer Partei.“

Anschließend ging es hoch in den großen Sitzungssaal, wo nun auch DJ Hansi endgültig auf Betriebstemperatur war. Und auch die Jecken fuhren die Stimmung nochmals hoch, schließlich stand für die meisten noch ein langer Tag bevor, ob nun beim Rosenmontagszug in Herdorf oder in diversen Lokalen.

Wenn die versammelte Narrenschar der Verbandsgemeinde das Verwaltungsgebäude in Kirchen stürmt, ist deutlich mehr los als bei Ratssitzungen. Das gilt ausnahmsweise sowohl für den Stadt- als auch den Verbandsgemeinderat.
Bürgermeister Maik Köhler übergab im Beisein von HCC-Präsident Stephan Kreps den Amtsschlüssel an Dennis I. und Jens I.
Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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