SZ

Niederfischbacherin kritisiert schleppende Impf-Terminvergabe
Neidischer Blick über die Landesgrenze

Mit dem Motto „Wir machen’s einfach“ wirbt Rheinland-Pfalz auf den „Eingangsschildern“ – Sandra Lamowski sieht hier eine große Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit.
  • Mit dem Motto „Wir machen’s einfach“ wirbt Rheinland-Pfalz auf den „Eingangsschildern“ – Sandra Lamowski sieht hier eine große Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit.
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  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

sz/thor Niederfischbach.  Wer unmittelbar an der Grenze von zwei Bundesländern lebt, kann die Vorteile auf beiden Seiten genießen. Für die an den Großraum Siegen angrenzenden Gemeinden im AK-Land bedeutet dies unter anderem: Günstigerer Wohnraum und Beitragsfreiheit in Kitas hier, städtische Angebote und eine große Auswahl an Jobs dort. Vor allem aber: Es gibt stets eine Vergleichbarkeit – und die stellt gerade in der Pandemie bloß, dass eine Grenzlage auch Nachteile haben kann. So empfindet es jedenfalls Sandra Lamowski: Die 43-Jährige aus Niederfischbach prangert in einer Mail an die SZ die schleppende Impfterminvergabe in Rheinland-Pfalz bzw. dem Kreis Altenkirchen an. Und das macht sie deshalb, weil sie die Situation im angrenzenden Nordrhein-Westfalen als wesentlich besser beurteilt.

sz/thor Niederfischbach.  Wer unmittelbar an der Grenze von zwei Bundesländern lebt, kann die Vorteile auf beiden Seiten genießen. Für die an den Großraum Siegen angrenzenden Gemeinden im AK-Land bedeutet dies unter anderem: Günstigerer Wohnraum und Beitragsfreiheit in Kitas hier, städtische Angebote und eine große Auswahl an Jobs dort. Vor allem aber: Es gibt stets eine Vergleichbarkeit – und die stellt gerade in der Pandemie bloß, dass eine Grenzlage auch Nachteile haben kann. So empfindet es jedenfalls Sandra Lamowski: Die 43-Jährige aus Niederfischbach prangert in einer Mail an die SZ die schleppende Impfterminvergabe in Rheinland-Pfalz bzw. dem Kreis Altenkirchen an. Und das macht sie deshalb, weil sie die Situation im angrenzenden Nordrhein-Westfalen als wesentlich besser beurteilt.

"Dann passierte erstmal nichts mehr“

Sandra Lamowski ist nach eigenen Angaben wegen einer Autoimmunerkrankung seit mehreren Jahren in Behandlung. Trotzdem hatte sie das Thema „Impfen“ zunächst nicht groß „auf dem Schirm“. Mitte April erhielt sie dann aber ein Schreiben ihres Immunologen mit dem Vermerk, dass sei „Prio 2“ sei und sich schnellstmöglich impfen lassen sollte, um einen schweren oder gar tödlichen Verlauf von Covid-19 zu vermeiden. Zwei Tage später rief sie bei der Hotline an: „Da erhielt ich eine Vorgangsnummer – und dann passierte erstmal nichts mehr.“

Mehr als die Hälfte der „Ü60“ geimpft Nach dem Impfgipfel der Ministerpräsidenten trat am Dienstag nochmals Malu Dreyer in Mainz vor die Presse. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin berichtete, dass inzwischen mehr als die Hälfte der über 60-Jährigen im Land eine Erstimpfung erhalten hätten. All diejenigen über 70, denen noch kein Termin zugeteilt worden sei, sollte diesen noch im Laufe der Woche erhalten, so Malu Dreyer. Bis Mitte Mai solle dann auch diese Gruppe geimpft sein. Am vergangenen Freitag habe man die Priorisierungsgruppe 3 geöffnet, „weil wir gut vorankommen“, erklärte die SPD-Politikerin weiter. „Im April haben wir in Rheinland-Pfalz genau so viele Menschen geimpft wie im gesamten 1. Quartal.“ Auch zahlreiche Lehrer hätten sich inzwischen registriert, hieß es weiter. Jene, die sich rechtzeitig angemeldet hätten, sollen ebenfalls noch im Mai ihre Impfung erhalten. Im Juni, so Dreyer, werde dann die Priorisierung voraussichtlich fallen – und sie auch dagegen, vorher noch neue Gruppen einzuteilen.

Parallel verfolgte die 43-Jährige die Nachrichten, dass in Rheinland-Pfalz „Prio 2“ fast durchgeimpft sei und sich nun bereits die nächste Gruppe registrieren lassen könne. Bei einem erneuten Anruf habe ihr eine nette Dame aus einem Callcenter in den neuen Bundesländern erklärt, dass sie nichts machen könne: Rheinland-Pfalz sei da „ein wenig kompliziert“, man könne ausschließlich über die Hotline gehen und müsse dann vier bis sechs Wochen warten, um einen Termin weitere vier bis sechs Wochen später genannt zu bekommen.

Sandra Lamowski berichtet, dass sie dann leicht ironisch gefragt habe, ob sie sich jetzt bei ihren Eltern in NRW anmelden solle, um einen Impftermin zu bekommen.“ Als Antwort habe sie gehört: „Vermutlich sind sie da schneller.“ Diese Auskunft deckte sich für die Niederfischbacherin auch mit dem, was sie durch persönliche Kontakte in den Kreisen SI und OE gehört hatte. „Da wäre ich vermutlich seit einer Woche geimpft.“

Tägliche Beschwerden

Nach weiteren fünf Tagen, in denen nichts geschehen sei, habe sie sowohl das Gesundheitsamt in Altenkirchen als auch nochmals die Impf-Hotline kontaktiert. Da sei ihr erneut bestätigt worden, dass Rheinland-Pfalz eines der wenigen Bundesländer sei, in dem eine eigene Terminbuchung über das Internet mit Auswahl des Impfzentrums nicht möglich sei.

Der SZ sind ähnliche Fälle aus Niederschelderhütte bekannt. Und auch der CDU-Landtagsabgeordnete Michael Wäschenbach (Wallmenroth) kennt die Problematik zur Genüge: „Wir haben täglich Beschwerden hier und Anfragen von Leuten, die einfach nur genervt sind.“ Im Zentrum der Kritik stehe die umständliche Terminvergabe im Land. Die CDU habe sich von Anfang an gegen das Procedere ausgesprochen, leider ohne Erfolg: „Eine zentrale Terminvergabe ist nicht optimal und viel zu weit weg vom tatsächlichen Geschehen.“ Im Fall von Sandra Lamowski konnte sie auch ihr Immunologe nicht unterstützen – die Problematik in Rheinland-Pfalz sei bekannt, aber sie dürfe leider nicht zum Impfzentrum ins näher gelegene Siegen fahren, da anderes Bundesland. Und auch bei ihrem Hausarzt (in Wenden) ist sie an der falschen Adresse, da dieser nicht selbst impft.

"Gerade für Ältere ist es umso schlimmer“

So stellt Sandra Lamwoski mittlerweile diese Fragen in den Raum: „Wie kann es sein, dass über die Aufhebung der Impf-Priorisierung diskutiert wird, es aber Menschen gibt, die trotz hoher Priorisierung noch nicht mal einen Impftermin bekommen? Wie kann es sein, dass Menschen ohne jegliche Priorisierung geimpft werden, aber Menschen mit Priorisierung stundenlang am Telefon hängen und trotzdem kein Impfangebot bekommen?“

Es nicht ihr darum, bald „alle Freiheiten“ wiederzuerlangen. Und sie selbst sehe sich auch nicht unbedingt als stark gefährdet, sagte die 43-Jährige im Gespräch mit der SZ. „Aber gerade für Ältere ist es umso schlimmer.“ Sandra Lamowski betont auch nochmals die Vergleichbarkeit direkt an der Landesgrenze: Würde ich jetzt im tiefsten Rheinland-Pfalz wohnen, bekäme ich gar nicht mit, wie menschenunwürdig der Prozess hier ist.“

Michael Wäschenbach will die exemplarischen Probleme von Sandra jedenfalls am Mittwoch im Gesundheitsausschuss des Landtags ansprechen - für den er ohnehin einen langen Fragenkatalog an Ministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler vorbereitet hat.

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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