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„Zweite Haut“ kostet 450 000 Euro
Neue Ausrüstung für Kirchener Feuerwehrleute

Wenn die Feuerwehr neue Schutzkleidung bekommt, wird das eine gewaltige Sammelbestellung: Rund 280 ehrenamtliche Kräfte leisten den Dienst am Nächsten, und deren Ausstattung lässt sich die Verbandsgemeinde jetzt rund 450 000 Euro kosten.
  • Wenn die Feuerwehr neue Schutzkleidung bekommt, wird das eine gewaltige Sammelbestellung: Rund 280 ehrenamtliche Kräfte leisten den Dienst am Nächsten, und deren Ausstattung lässt sich die Verbandsgemeinde jetzt rund 450 000 Euro kosten.
  • Foto: rai/Archiv
  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

damo Kirchen. Über die Temperaturen, die ein Brathähnchen im Kugelgrill abbekommt, können Feuerwehrmänner nur müde lächeln: „Bei einem Hausbrand müssen wir Temperaturen von rund 400 Grad aushalten“, berichtet der stellvertretende Wehrleiter Thomas Wickler. Allerdings gibt’s noch ein paar bedeutsame Unterschiede zwischen dem Huhn und dem Feuerwehrmann: Letztgenannter will die Hitze überleben. Und dafür trägt er eine zweite Haut: seine Schutzausrüstung.

Wie wichtig es ist, dass die Dienstkleidung eines Feuerwehrmanns den bestmöglichen Schutz bietet, wissen auch die Mitglieder des Verbandsgemeinderats: Sie haben am Donnerstag eine Ausschreibung auf den Weg gebracht, um neue Schutzkleidung für die rund 280 ehrenamtlichen Wehrleute in der Verbandsgemeinde zu kaufen.

damo Kirchen. Über die Temperaturen, die ein Brathähnchen im Kugelgrill abbekommt, können Feuerwehrmänner nur müde lächeln: „Bei einem Hausbrand müssen wir Temperaturen von rund 400 Grad aushalten“, berichtet der stellvertretende Wehrleiter Thomas Wickler. Allerdings gibt’s noch ein paar bedeutsame Unterschiede zwischen dem Huhn und dem Feuerwehrmann: Letztgenannter will die Hitze überleben. Und dafür trägt er eine zweite Haut: seine Schutzausrüstung.

Wie wichtig es ist, dass die Dienstkleidung eines Feuerwehrmanns den bestmöglichen Schutz bietet, wissen auch die Mitglieder des Verbandsgemeinderats: Sie haben am Donnerstag eine Ausschreibung auf den Weg gebracht, um neue Schutzkleidung für die rund 280 ehrenamtlichen Wehrleute in der Verbandsgemeinde zu kaufen. Investitionsvolumen: rund 450 000 Euro.

Wertschätzung für ehrenamtliche Einsatzkräfte

Dass die Verbandsgemeinde so viel Geld in die Hand nimmt, um ihre Löschzüge adäquat auszustatten, zeigt die Wertschätzung, die sie den Ehrenamtlern entgegenbringt. „Und darüber freuen wir uns sehr“, sagt Wickler: „Das tut gut zu sehen, dass unsere Arbeit geschätzt wird.“ Zugleich aber legt die gewaltige Investitionssumme die Messlatte hoch: Für so viel Geld soll auch eine wirklich praxistaugliche Ausstattung gekauft werden.

Genau dafür bürgt eine Kommission aus Reihen der Feuerwehr, die sich seit gut zwei Jahren mit dem Thema Schutzkleidung befasst. Die Federführung liegt bei Thomas Wickler, der mittlerweile aus dem Stand einstündige Impulsreferate über die verschiedenen Fasern und Membranen halten kann.
„Das wird ganz sicher kein Schnellschuss“, sagt er zu der Neuanschaffung. Die Feuerwehr habe gründlich recherchiert, viele Modelle in Augenschein genommen und anprobiert, etliche Vertreter eingeladen und einen genauen Kriterienkatalog erstellt.

Ausrüstung gut 20 Jahre alt

Am Anfang stand die Bestandsaufnahme, kurzum die Frage: Was ist an den alten Schutzausrüstungen auszusetzen? Die Antwort liefert Wickler im SZ-Gespräch mit schlafwandlerischer Sicherheit: „Die Ausrüstung ist Ende der 1990er-Jahre gekauft worden, also gut 20 Jahre alt. Und seitdem hat sich viel beim Material geändert, aber auch bei unserem Anforderungsprofil.“

Heute seien die Wehrleute vielfach anderen Belastungen ausgesetzt als noch vor zwei, drei Jahrzehnten. Bei Hausbränden rückten die Einsatzkräfte dank neuer Technik offensiver vor – bekämen dafür aber auch spürbar mehr Hitze ab. „Das ist so, als ob du durch den Grill spazierst.“ Und nicht nur die Hitze fordere die Wehrleute mehr als früher: „Vor ein paar Jahrzehnten ist bei einem Hausbrand vor allem Holz verbrannt. Heute sind aber praktisch alle Baumaterialien beschichtet oder aus Kunststoff – der Giftcocktail, der bei einem Brand entsteht, ist viel gefährlicher.“ Umso wichtiger sei eine optimale Ausstattung, denn: „Die Schutzkleidung ist unsere zweite Haut.“

Der Mercedes unter den Stoffen

Bei der Herstellung dieser zweiten Haut kommen heute ganz andere Materialien zum Einsatz als noch in den 1990ern – und bei ihrer Recherche hat die PSA-Kommission der Feuerwehr (PSA steht für persönliche Schutzausrüstung) schnell gemerkt: Der Mercedes unter den Stoffen ist eine Faser namens PBI, die in Amerika entwickelt worden ist. Sie hält laut Wickler enormen Belastungen durch Hitze oder Chemikalien stand.

Aber mit der Wahl des richtigen Obermaterials ist es noch lange nicht getan: Die Kommission hat unzählige Kriterien geprüft. Welche Membran ist optimal? Wie ist der Tragekomfort der verschiedenen Modelle? Was hält die Imprägnierung aus? Wie viele Taschen haben die Uniformen?

Künftig in Beige statt Blau

All das und vieles mehr ist in den Bewertungskatalog eingeflossen – nur die Farbe nicht. Denn auch wenn’s eine Umstellung ist: Die amerikanische Zauberfaser PBI gibt’s nur in einem Beige-Ton, nicht aber im gewohnten Dunkelblau. Und färben? „Ist keine Option, denn damit die Faser den Farbstoff annimmt, müsste man sie erst künstlich schwächen“, erklärt Wickler. „Und das hat auch die letzten Blau-Fans überzeugt.“ Mit anderen Worten: Die Feuerwehr in der VG Kirchen trägt bald beigefarbene Schutzkleidung.

Womöglich sogar schon im nächsten Winter. Wenn alles glatt läuft, bekommen die Kameraden ihre neue Einsatzkleidung noch vor Weihnachten. „Vielleicht ja zu Nikolaus“, freut sich Wickler. Der Verbandsgemeinderat jedenfalls hat seinen Teil erledigt: Einstimmig hat das Gremium die Ausschreibung auf den Weg gebracht.

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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