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Im Haus St. Klara in Friesenhagen
Normalität statt Panikmache

Im Alten- und Pflegeheim Haus St. Klara versuchen Leiterin Bianca Böttcher (hinten l.) und ihr Team, den Bewohnern auch in Corona-Zeiten ein Maximum von Normalität zu ermöglichen. Foto: thor
  • Im Alten- und Pflegeheim Haus St. Klara versuchen Leiterin Bianca Böttcher (hinten l.) und ihr Team, den Bewohnern auch in Corona-Zeiten ein Maximum von Normalität zu ermöglichen. Foto: thor
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thor Friesenhagen.  Es gibt diese Tage, da kämpft Friesenhagen fast vergeblich dagegen an, die Postkarten-Idylle nicht in Kitsch abgleiten zu lassen. Wenn die St.-Sebastianus-Kirche im Licht der Frühlingssonne glänzt, das Rot der Anna-Kapelle mit dem Blau des Himmels konkurriert, erste Knospen in akkurat gepflegten Gärten zum Vorschein kommen und die einzige Lärmquelle im sonoren Brummen ferner Traktoren besteht, dann ist das berühmte Heile-Welt-Image wieder ganz nah. Und mittendrin und nicht irgendwo am Ortsrand das Alten- und Pflegeheim. Schon rein optisch mit viel Fachwerk perfekt zu Friesenhagen passend.

thor Friesenhagen.  Es gibt diese Tage, da kämpft Friesenhagen fast vergeblich dagegen an, die Postkarten-Idylle nicht in Kitsch abgleiten zu lassen. Wenn die St.-Sebastianus-Kirche im Licht der Frühlingssonne glänzt, das Rot der Anna-Kapelle mit dem Blau des Himmels konkurriert, erste Knospen in akkurat gepflegten Gärten zum Vorschein kommen und die einzige Lärmquelle im sonoren Brummen ferner Traktoren besteht, dann ist das berühmte Heile-Welt-Image wieder ganz nah. Und mittendrin und nicht irgendwo am Ortsrand das Alten- und Pflegeheim. Schon rein optisch mit viel Fachwerk perfekt zu Friesenhagen passend.

Wo das Leben ruhiger ist als in jeder Stadt, sich üblicherweise keine Menschenmassen in Fußgängerzonen und öffentlichen Parks bewegen, da fällt es schwer, an das Coronavirus zu denken. Und doch ist es auch im Wildenburger Land allgegenwärtig, auch und gerade im Haus St. Klara. Für Bewohner und Mitarbeiter ist es eine extrem schwierige Phase: Die einen müssen auf einmal auf den so wichtigen Besuch von Angehörigen verzichten, die anderen stehen in einem ohnehin schon anspruchsvollen Job vor völlig neuen Herausforderungen.

Es spricht für Friesenhagen und die Pflegeeinrichtung, dass man mit den Problemen und Einschränkungen äußerst unaufgeregt umgeht. Auch wenn die über 70 Bewohner allesamt zur Hochrisikogruppe gehören und aus anderen Heimen in Deutschland schon Schreckensmeldungen zu hören waren. „Die Normalität weiter zu leben, das ist unser absolutes Ziel. Und das ist vermutlich auch der Grund, warum alles noch sehr ruhig ist“, sagt Bianca Böttcher. Dabei kann man die Arbeit der Heimleiterin und ihrer Kollegen momentan gar nicht genug würdigen. Denn im Gegensatz zu Lehrern und Erzieherinnen kann das Personal die ihnen Anvertrauten nicht mal eben nach Hause zur Familie schicken, bis sich die Lage wieder beruhigt hat.

Besagte Ruhe bzw. der Spagat zwischen Wachsamkeit und Gelassenheit ist in der Tat das Gebot der Stunde und wird nicht nur in der Pflegeeinrichtung in Friesenhagen praktiziert. Dabei stand für Böttcher zunächst einmal Aufklärungsarbeit an: „Wir mussten sehr viele Gespräche führen.“ Das Verständnis unter den Bewohnern für die Einschränkungen und zusätzlichen Hygiene-Maßnahmen sei sehr groß gewesen. Wenn Sorgen geäußert würden, gälten diese eher den eigenen Kindern und Enkeln. Eine hohe Akzeptanz finde man parallel auf Seiten der Angehörigen. Natürlich gebe es auch solche Fälle, wo ein Ehemann seine Frau bislang jeden Tag besucht habe. Nicht sofort sei dann für die Betroffenen ein harter Schnitt wie das Besuchsverbot nachvollziehbar. Immerhin: Das Paar kann sich weiterhin sehen, nur mit dem gebührenden Abstand.

Ansonsten, so berichtete Böttcher, arbeite die Marien-Gesellschaft als Träger daran, einen WLan-Hotspot einzurichten, um auf diesen Weise einen Kontakt zu ermöglichen. Alle Angehörigen sollen dazu noch angeschrieben werden.

Es geht aber nicht nur darum, dass Familie und Freunde nicht mehr vorbeischauen dürfen. Im Haus St. Klara wurde und wird schon immer großer Wert auf Gruppenangebote und kleine Ausflüge wie Einkaufsfahrten gelegt – was sich erst einmal erledigt hat. Der „Garten der Sinne“ und die Terrasse des Altenheims begrenzen derzeit den Aktionsradius. Als kleinen Ausgleich hat eine Mitarbeiterin einen mobilen Kiosk eingerichtet, mit dem sie von Tür zu Tür geht.

Auch wenn laut Böttcher darauf geachtet wird, dass die einzelnen Wohngruppen unter sich bleiben: Manche Treffen lassen sich einfach nicht vermeiden, wobei – speziell auch beim Essen – immer auf den Abstand geachtet wird. Was zugenommen habe, sei die individuelle Betreuung, so die Heimleiterin. So werde auch schon mal ganz spontan in kleiner Runde ein Lied gesungen.

Überhaupt Musik: Die steht bei den Senioren traditionell hoch im Kurs. Sobald sie eine CD einlege, steige die Stimmung, so die Erfahrung von Böttcher. Noch besser wäre natürlich die Live-Variante. Daher würde man sich freuen, wenn in dieser Zeit (wenige) Aktive des Musikvereins „Concordia“ im Eingangsbereich ein paar Lieder spielen würden. Auch Blumengrüße „für ein bisschen mehr Farbe“ wären toll. Wobei Böttcher damit nicht zum Ausdruck bringen will, dass es keine Unterstützung aus der Bevölkerung gibt – im Gegenteil: Auch in Friesenhagen stieß der Aufruf, Mundschutz selbst zu nähen, auf große Resonanz: 81 Exemplare wurden schon an das Pflegeheim übergeben.

Ein großes Lob hat Böttcher für das gesamte Team parat: „Ich finde es toll, wie unsere Mitarbeiter mit der Situation umgehen.“ Ohne Panik, sondern sehr sensibel werde Tag für Tag gearbeitet. „Alle handeln mit einem klaren Kopf.“ Schulungen fanden und finden immer noch statt, auch zu den Vorsichtsmaßnahmen. „Dabei haben sich die Mitarbeiter schon eingeschränkt, bevor sie sich einschränken mussten“, sagt Böttcher. Nun weiß auch sie, dass ihre Einrichtung kein abgeschotteter Raum ist und sich die Situation jederzeit auch ändern könne. „Wir leben von Tag zu Tag.“ Wenn ein Bewohner Erkältungssymptome habe, werde er vorsorglich isoliert. Einen Covid-19-Verdachtsfall habe es noch nicht gegeben. Überhaupt ist Böttcher froh, in so einer Zeit auf die Expertise des mit zum Verbund gehörenden Marienkrankenhauses in Siegen setzen zu können.

Ziel bleibt dabei die maximale Normalität im Alltag. Dabei kann es sogar gelegentlich zum Rollentausch kommen und das Pflege-Team Halt bei den Bewohnern finden. Denn auch ein noch so aggressives Virus vermag eine Kriegsgeneration höchstens zu beeindrucken, nicht aber zu erschüttern. Denn nicht nur einmal hat Böttcher diesen Satz gehört: „Ach, da habe ich doch schon ganz Anderes durchgemacht.“

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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