Abgespeckte Narretei
Nur ein einziger Wagen beim Karnevalsumzug

Irgendwie bezeichnend: In Wehbach war ein einsamer 
Motivwagen unterwegs.
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rai Wehbach/Herkersdorf. Trotz der offiziellen Absage der Session finden die hiesigen Narren immer wieder kleine Schlupflöcher, um trotzdem Frohsinn zu verbreiten. Und das so, dass die Viren davon eben nicht profitieren.
So geschehen am Wochenende beispielsweise in Herkersdorf und Offhausen. Blauer Himmel und klirrender Kälte – und in den Gassen sah man die Vereinsfarben Rot und Weiß: In Corona-konformen Gruppen verteilten die Mitglieder des Herkersdorfer Carnevalsclub (HCC) und das Noch-Prinzenpaar Dennis und Jens die „närrische Druidenpost“. 1111 Exemplare kamen nach Vereinsangaben in die Briefkästen: „In den vereinigten Staaten von Herkersdorf und Offhausen und Randgebieten“, wie Alterspräsident Felix Kreps über Mikro kundtat.
Das „parteiliche, amtliche und spekulative Spaßblatt“ (Kreps) ist dem Kirchener Mitteilungsblatt nachempfunden, Titel: „Noch Aktueller“. Die Idee dabei sei, den Blödsinn aus der Bütt ins Haus zu bringen, erläuterte Manuel Berndes. „Die Menschen sollen ein Karnevalsgefühl bekommen, heute hätten wir unsere Prunksitzung.“

Karneval zu Haus'

Das Sessionsmotto lautet: „Corona lässt uns alle nur selten raus, feiern wir den Karneval eben mal zu Haus’!“ Nach dem Gefühl gefragt, meinte er: „Als der Rosenmontagszug sturmbedingt ausfiel, war es ein Drama, aber das hier übertrifft alles.“ Es fehle etwas. Was nicht fehlt, das ist die „närrische Druidenpost“, die in den Haushalten der beiden Dörfer sowie an Sponsoren, Freunde des Vereins und befreundete Vereine verteilt wurde.

Tatsachen und Halbwahrheiten in der "närrischen Druidenpost"

Auch in Wehbach musste der Umzug, seit 2005 veranstaltet, diesmal ausfallen. Aber: „Karneval in Zeiten der Pandemie – ja, es ist möglich, und Wehbach zeigt wie“, sagte Steffen Bachmann. Gerade war er mit einem Motivwagen durch das Dorf gerollt. Auf dem Anhänger hinter dem Traktor: drei lebensgroße Puppen auf Abstand – und sogar aus ein und demselben Haushalt. Auf den Seiten stand geschrieben: „Karneval fällt dies’ Jahr aus, doch spielen wir nicht stille Maus.“

Häuser und Gärten geschmückt

Steffen Bachmann und seine Ehefrau Laura waren der Ansicht, dass man „irgendetwas machen“ müsse. Also gestalteten sie diesen Wagen. Zu der Initiative der beiden gesellte sich DJ Hansi. Auf der Ladefläche eines Kleinlasters beschallte er am Mischpult. Spontan war auch noch Michael Link, Vorsitzender des Wehbacher Karnevalsvereins, dazu gekommen, der bei der Runde durch das Dorf mitlief und über Mikro die Menschen in den Häusern grüßte. Den Chauffeur gab Jonas Baldus.
Über soziale Medien hatte Bachmann in Reimform geschrieben: „In diesem Jahr, welch großer Schreck, fällt unser Zug tatsächlich weg.“ Doch den Wehbacher Narren mache das nichts aus. „Die feiern Karneval ganz einfach zu Haus’.“ Die Bitte: „Schmückt eure Häuser und den Garten, lasst uns gemeinsam etwas Großes starten. Bunte Luftballons, Konfetti und Girlanden.“
Man sah hier und da Dekorationen. Vor der Hüttenschenke waren bunte Wimpel aufgezogen. An Fenstern konnte man winkende und lächelnde Menschen erspähen.
Im Übrigen kam diesmal auch der Ortsteil Buchenhof in den Genuss – ein normaler Zug beim Straßenkarneval kam dort noch nie vorbei. „Das war Karneval 2021 in abgespeckter Version.“, sagte Link, zurück im Ort: „Nächstes Jahr kommen wir wieder.“

Polizei lobt Vereine

Auch die Polizei beschäftigte sich mit den beiden „Veranstaltungen“, fanden in einer Pressemitteilung allerdings lobende Worte für die Vereine: Sie seien „sichtlich bemüht“ gewesen, „das närrische Treiben Corona-konform in Grenzen zu halten“. Auf den Plan gerufen wurden die Beamten demnach von Anrufen teilweise verständnisloser Anwohner. Zwar seien die Aktionen in Wehbach und Herkersdorf im Vorfeld mit dem Gesundheitsamt abgesprochen gewesen. Vor Ort habe dann aber die Polizei „in Abwesenheit der originär zuständigen Ordnungsbehörde“ nach dem Rechten geschaut. Dabei sei lediglich ein einziger Verstoß gegen die aktuelle Corona-Verordnung aufgefallen: verbotswidriger Alkoholkonsum.

Autor:

Rainer Schmitt (Freier Mitarbeiter) aus Betzdorf

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