Unbekannte vergriffen sich an Kreuzen zur Erinnerung an Leutnant Klaus Morré
Ohne Skrupel im Giebelwald

Herbert Dietershagen am Tatort unterhalb der Wasenecke. In der Hand hält der Föschber Heimatfreund ein Foto, das noch beide Kreuze zeigt, die hier an den gefallenen Leutnant erinnerten.  Fotos: thor
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  • Herbert Dietershagen am Tatort unterhalb der Wasenecke. In der Hand hält der Föschber Heimatfreund ein Foto, das noch beide Kreuze zeigt, die hier an den gefallenen Leutnant erinnerten. Fotos: thor
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thor Niederfischbach. So idyllisch und friedlich der Giebelwald heute auf den Wanderer wirkt, so sinnlos und grausam waren die Gefechte, die hier in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs stattfanden. Beim unaufhaltsamen Vormarsch der amerikanischen Streitkräfte leisteten zumeist blutjunge deutsche Soldaten erbitterten Widerstand – auf beiden Seiten gab es zahlreiche Opfer.

Dass dieses düstere Kapitel der Heimatgeschichte nie in Vergessenheit geriet, ist vielen Menschen zu verdanken. Und gerade die Niederfischbacher haben sich dabei hervorgetan, den Toten zu gedenken und die Erinnerung wachzuhalten. Sei es durch Schriften, sei es durch Mahnmale.

Umso größer ist die Empörung vor Ort darüber, dass sich Unbekannte an einer der kleinen Gedenkstätten vergriffen haben. Genauer gesagt: an den Kreuzen zur Erinnerung an Leutnant Klaus Morré, die unterhalb der Wasenecke am Wanderweg zur Freusburg stehen bzw. standen. Von dem einen fehlt jede Spur, beim anderen wurde das Bild des Offiziers entfernt.

Nicht nur Herbert Dietershagen fehlen die Worte zu so einer Tat. Der Föschber Heimatfreund und Bergbau-Experte kümmert sich seit Jahrzehnten ehrenamtlich um die historischen Spuren im Giebelwald. Erst im vergangenen Jahr hatte er zusammen mit Andreas Leitner die Gedenkstätte am Hellbachskopf (Soldatengräber) dahingehend aufgewertet, dass beide den Gefallenen auf einer Info-Tafel einen Namen gaben und das Umfeld entsprechend gestalteten. Nicht erst seit dieser Zeit bestehen gute Kontakte zu den Nachfahren, u. a. nach Billerbeck im Münsterland.

Hier ist bislang alles so geblieben, wie von Dietershagen und Leitner geschaffen – nicht aber etwas weiter unterhalb. Schon im vergangenen Jahr verschwand das uralte Holzkreuz, das an einem Baum an Klaus Morrè erinnerte. Dieser war am 4. April 1945 unweit der Totenbuche gefallen. Seine Kameraden konnten ihn einen Tag später holen und brachten ihn mit einem Leiterwagen nach Freudenberg, wo er seine letzte Ruhe fand. Später kam ein zweites Kreuz hinzu.

„Tausende von Wanderer sind seit dem Krieg hier vorbeigekommen und haben Ehrfurcht gezeigt, nie ist etwas passiert“, berichtet Dietershagen, der das Verschwinden des Kreuzes eigentlich gar nicht an die große Glocke hängen wollte. Doch in der vergangenen Woche wurde der Föschber über die zweite Tat informiert. Denn um Morré „ein Gesicht zu geben“, war auf dem neueren Kreuz zuletzt auch ein Foto des jungen Soldaten angebracht worden. Andreas Leitner hatten einen passenden und wetterfesten Rahmen aus Birkenholz angefertigt. „Das war nicht 08/15, sondern durchaus aufwändig“, betont Dietershagen, der beim Anbringen bewusst Torx-Schrauben verwendet hatte, um ein Entfernen so schwer wie möglich zu machen.

Genutzt hat es trotzdem nichts: Nach dem alten Kreuz ist nun auch das Foto verschwunden – und zwar sauber abgeschraubt. Dietershagen möchte deshalb auch nicht von Vandalismus sprechen. Hier wurde nach seiner Einschätzung ganz gezielt vorgegangen, vielleicht von einem Militaria-Sammler. „Solche Leute tun mir einfach nur leid.“ Viele Niederfischbacher, denen er bis jetzt davon erzählt habe, hätten sehr emotional reagiert, weil Morré wie ein Einheimischer angesehen worden sei.

Eine Anzeige bei der Polizei hat Dietershagen wegen der geringen Erfolgsaussichten nicht gestellt. Er hofft aber darauf, dass das Foto des Leutnants irgendwann und irgendwo wieder auftaucht. Für Hinweise auf den Verbleib stellt er eine Belohnung von 100 Euro aus seiner Privatschatulle in Aussicht: „Das ist mir die Sache wert.“

Herbert Dietershagen am Tatort unterhalb der Wasenecke. In der Hand hält der Föschber Heimatfreund ein Foto, das noch beide Kreuze zeigt, die hier an den gefallenen Leutnant erinnerten.  Fotos: thor
Dieses Foto von Klaus Morré ist seit einigen Tagen verschwunden – es wurde fein säuberlich abgeschraubt.
Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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