Orkanböen: Baumriesen lagen im Garten

Bewohner der Waldstraße in Wehbach sehen ihre Befürchtungen bestätigt/Heute Gespräch im Forstamt

dima Wehbach.»So etwas habe ich noch nie erlebt.« Jeanette Hillen aus Wehbach steht der Schreck auch einen Tag später noch ins Gesicht geschrieben. Am Montagnachmittag fegte eine Windböe orkanartig durch Katzwinkel und Wehbach. Bäume knickten um wie Streichhölzer, die Dachpfannen des Bürgerhauses im Kirchener Ortsteil flogen durch die Luft, Gartenhäuser wurden aus ihren Fundamenten gehoben. Die Spuren sind unübersehbar. Zum Beispiel im Garten von Jeanette und Joachim Hillen. Ein Holzhaus, das Ortsvorsteher Joachim Hillen für seine Tochter gezimmerte hatte, neigt sich jetzt bedenklich zur Seite. Der Holzzaun der Hillens wurde gleich meterweise flachgelegt und Fichten, die einmal entlang der Grundstücksgrenze standen, liegen jetzt auf dem Boden. Dabei halten sich die Sturmschäden auf dieser Talseite noch in Grenzen. Anders dagegen auf der gegenüberliegenden Hangseite. Hier hat der Sturm ganze Arbeit geleistet. Über 30 Meter hohe Fichten, die hier am Hang zur Waldstraße stehen, wurden entwurzelt und rutschten anschließend hangabwärts. Dabei kamen sie den Häusern der Waldstraße erschreckend nahe. Und näher, denn in einem Fall rutschte einer der Baumriesen in den Vorgarten. Im Weg war dabei ein Jägerzaun, der jetzt eine deutliche Lücke aufweist.

Für Norbert Quast ist das eine letzte Warnung. Seit Jahren macht der Wehbacher Rentner auf die Gefahren aufmerksam, die vom nahen und steilen Rand des angrenzenden Staatswaldes ausgeht. In Briefen an das Forstamt Kirchen bat Quast, auch im Namen von zehn Nachbarn, die als Anwohner der Waldstraße bereits im November 1995 eine Unterschriftenliste verschickt hatten, um schnelle Hilfe. Konkret heißt das: Die Anlieger fordern eine baumfreie »Schutzzone« entlang des Forstes. Schon damals sah Quast eine »akute Gefährdung der Häuser und Autos durch umstürzende Bäume bei Wind- oder Schneebruch«. Das Antwortschreiben der Forstbehörde überraschte die Wehbacher. Hier stand: »Die Nachbarschaft zu Wald als solchem macht diesen noch nicht zu einer akuten Gefährdung. Dies könnte erst dann sein, wenn tatsächlich erkennbare Hinweise an einem Baum auf eine eventuelle Gefährdung, die von diesem Baum ausgeht, vorliegen.«

Seine ganz persönliche Erfahrung mit der Nachbarschaft zum Wald machte Rolf Zimmermann, ebenfalls ein Anwohner der Waldstraße, im vergangenen Jahr kurz vor Weihnachten. In der schneereichen Nacht von Freitag auf Samstag hörte Rolf Zimmermann ein verdächtiges Knacken. Beim Blick durchs Küchenfenster traute der Wehbacher seinen Augen nicht. »Ich sah eine riesige Eiche auf mich zukommen.« Zimmermann fürchtete um sein Leben und rannte aus der Küche in Richtung Wohnzimmer. Das befindet sich auf der vom Wald abgewandten Hausseite. In dem Moment hörte er einen fürchterlichen Krach. »Nachbar Eiche« hatte seinen Vorgarten zertrümmert, war mit den Ästen bis aufs Dach geschlagen und hatte ein Auto dabei unter sich begraben. Rolf Zimmermann: »Das fast neue Auto meiner Tochter war Schrott. Wir überlegen jetzt, ob wir in der Auseinandersetzung mit dem Forstamt juristische Hilfe in Anspruch nehmen werden.«

Auch Ortsvorsteher Joachim Hillen ist bestürzt. »In der Waldstraße wohnen sehr viele Familien mit Kindern. Der Weg führt zum Friedhof und wird daher von sehr vielen Fußgängern benutzt. Bei Sturm und Schneefall besteht hier aber Gefahr für Leib und Leben.«

Gestern Morgen hat sich Hillen aus diesem Grund sofort telefonisch mit Bürgermeister Wolfgang Müller in Verbindung gesetzt. Hillen: »Dieses Thema wird am Mittwochmorgen bei einem Gespräch mit dem Forstamt Kirchen endgültig geklärt. Jetzt muss gehandelt werden. Die Bäume müssen einfach weg.« Für den Fall, dass die entsprechende Reaktion des Forstamtes ausbleibt, kündigt Hillen einen Brief ans zuständige Ministerium an. Bürgermeister Müller hofft, dass man zu einer »einvernehmlichen Lösung« kommen wird: »Die Sicherheit der Anwohner muss gewährleistet sein.«

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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