»Papierenes Gedächtnis von Freusburg«

Repertorium des geschichtlichen Archivs des Ortsbezirks Freusburg offiziell vorgestellt

ubau Freusburg. Wenn Hans Fritzsche in Erzählen kommt, hört man ihm gerne zu. Denn der mittlerweile 90 Jahre alte Pfarrer im Ruhestand hat einen reichhaltigen Erfahrungsschatz, in dem es vor interessanten und wissenswerten Begebenheiten nur so »wimmelt«. Gestern Morgen beim Pressetermin im Otto-Pfeiffer-Museum in Freusburg plauderte er über sein neuestes Werk: das Repertorium des geschichtlichen Archivs des Ortsbezirks Freusburg, das im Rahmen einer kleinen Feierstunde offiziell vorgestellt und an die Vertreter der Verbandsgemeinde Kirchen und des Kreisarchivs übergeben wurde.

Heinz-Robert Stettner, der Vorsitzende des Freusburger »Fördervereins zur Erhaltung geschichtlicher und kultureller Werte«, dankte Fritzsche für dessen Engagement und strich vor allem die »Akribie« heraus, mit der Fritzsche das Repertorium zusammengestellt habe. »Es war ein echter Glücksfall für uns, dass Herr Fritzsche sich dieses Themas angenommen hat«, lobte Stettner.

Dessen Verein verwaltet die umfangreichen Archivunterlagen in den Kellerräumen des Otto-Pfeiffer-Museums und ist Ansprechpartner für Interessierte. In erster Linie denkt Stettner dabei an die Schulen. »Die möchten wir erreichen«, unterstrich er. Aber auch allen anderen, die sich anhand von Urkunden, Notizen und Dokumenten über die historische Entwicklung von Ort, Kirche, Burg und Vereinsleben in Freusburg informieren wollen, stehe die Tür zum Archiv offen, sagte Stettner. Ein »herzliches Dankeschön« richtete er an die Adresse der Freusburger Bevölkerung, »die uns sehr viel Material zugetragen hat«. Im gleichen Atemzug wies er darauf hin, dass der Verein weitere historische Bild- und Textdokumente bzw. Datenträger händeringend suche. Will heißen: Unterlagen aufbewahren und nicht voreilig fortwerfen!

Doch zurück zum Repertorium: Die ersten Exemplare bekamen Bürgermeister Wolfgang Müller und der Leiter des Kreisarchivs, Dieter Sommerfeld, ausgehändigt. Müller würdigte das Werk als »wichtigen Beitrag zur Geschichtsforschung«. Fritzsche habe detailgenau gesichtet, erfasst und dokumentiert, lobte er. »Eine derartige fachwissenschaftliche Akribie in einem so hohen Alter zu erstellen, das nötigt mir Respekt ab.« Darüber hinaus dankte der Kirchener Rathauschef dem Förderverein für die finanzielle Unterstützung des Projekts. Dieter Sommerfeld beglückwünschte Heinz-Robert Stettner und seine Mitstreiter zu einem »Schatz, den man gut hüten müsse« und lobte den Autor des Repertoriums in höchsten Tönen.

Fritzsche selbst stellte »das papierene Gedächtnis von Freusburg« in Auszügen vor – natürlich angereichert mit unterhaltsamen Erzählungen. Von Ende Mai bis Mitte Juli dieses Jahres habe er das Archiv des Ortes Freusburg nach den Richtlinien der »Handreichung zur kommunalen Archivpflege in Rheinland-Pfalz von 1994« geordnet. Er wies auf die »lange und bewegte Geschichte« – im Jahr 1048 wurde Freusburg erstmals urkundlich erwähnt – des Ortes hin. So sei Schloss Freusburg zeitweise Residenz und Verwaltungssitz der Grafschaft Sayn gewesen. Des weiteren erläuterte Fritzsche, dass die 1928 im Schloss errichtete Jugendherberge bis zum Jahr 1933 eine weltweit bekannte internationale Begegnungsstätte gewesen sei. Im Dritten Reich sei sie dann aber von der Hitlerjugend übernommen und bei Kriegsende geplündert worden. Wertvolle Dokumente für die Geschichte des deutschen Jugendherbergswerks fand Fritzsche in den Schreiben der Pioniere Wilhelm Münker und Arno Steglich.

An die Bergbautradition Freusburgs erinnerten laut Fritzsche die Schriftstücke über die alten Stollen und die 1928 stillgelegte Grube »Wilhelmine«. Aus der Zeit des Dritten Reiches lägen u.a. sehr viele interessante Dokumente über die Kommunalpolitik vor. Die bisher kaum erforschte Nachkriegszeit der Jahre 1945 bis 1948 mit den Kriegsopfern, der politischen »Säuberung«, den Maßnahmen der Besatzungsmacht und den Versorgungsnöten der Bevölkerung ließen eine Vielzahl von Dokumenten lebendig werden.

Aufgeteilt ist das umfangreiche Schriftgut des Archivs in drei Bestände: Teil 1 umfasst die Zeit von 1868 bis 1932, Teil 2 von 1933 bis 1945, Teil 3 von 1945 bis ca. 1969.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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