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Am liebsten in der Bahnhofstraße
Pflegeschule würde gern in Kirchen bleiben

Die Schule für Pflegeberufe ist seit Jahrzehnten im „Hochhaus“ an der Sandstraße untergebracht. Wie deutlich zu erkennen ist, hat das Gebäude selbst mit der zunehmend komplexeren Ausbildung nicht ganz Schritt halten können. Fotos: thor
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  • Die Schule für Pflegeberufe ist seit Jahrzehnten im „Hochhaus“ an der Sandstraße untergebracht. Wie deutlich zu erkennen ist, hat das Gebäude selbst mit der zunehmend komplexeren Ausbildung nicht ganz Schritt halten können. Fotos: thor
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thor Kirchen. Wer als Mitarbeiter der Medizintechnik oder als Krankenpflegeschülerin motiviert morgens auf dem Weg zum Arbeitsplatz bzw. zum Unterricht ist, der sollte auf den letzten Metern den Blick tunlichst nach unten richten. Das mehrstöckige Gebäude am Ende der Sandstraße ist mit seiner offen zur Schau getragenen Patina nicht gerade ein Gute-Laune-Förderer. Die Tristesse von außen setzt sich leider an vielen Stellen auch im Inneren fort – insofern kann man vor all den dort Arbeitenden und Lernenden nur den Hut ziehen.
Schönere und größere Räume gesuchtDabei hatte sich die dort seit vielen Jahrzehnten angesiedelte Schule für Pflegeberufe fast schon mit den Zuständen arrangiert. Fast. Denn jede Leidensfähigkeit hat nun mal ihre Grenzen.

thor Kirchen. Wer als Mitarbeiter der Medizintechnik oder als Krankenpflegeschülerin motiviert morgens auf dem Weg zum Arbeitsplatz bzw. zum Unterricht ist, der sollte auf den letzten Metern den Blick tunlichst nach unten richten. Das mehrstöckige Gebäude am Ende der Sandstraße ist mit seiner offen zur Schau getragenen Patina nicht gerade ein Gute-Laune-Förderer. Die Tristesse von außen setzt sich leider an vielen Stellen auch im Inneren fort – insofern kann man vor all den dort Arbeitenden und Lernenden nur den Hut ziehen.

Schönere und größere Räume gesucht

Dabei hatte sich die dort seit vielen Jahrzehnten angesiedelte Schule für Pflegeberufe fast schon mit den Zuständen arrangiert. Fast. Denn jede Leidensfähigkeit hat nun mal ihre Grenzen. Die Schule braucht Platz und würde lieber heute als morgen die Umzugskisten packen, um in deutlich schönere und größere Räume zu wechseln. Und selbstverständlich würde man am liebsten in Kirchen bleiben. In unmittelbarer Nähe zum Krankenhaus. Das betonten jedenfalls im Gespräch mit der Siegener Zeitung Schulleiterin Karola Jockel und Nicki Billig als kaufmännischer Direktor.

Politische Blockade des Grundstücksverkaufs

Und doch könnte genau das Gegenteil passieren: die Verlagerung der Schule an einen anderen Standort. Mit gewissen Optionen in der Nachbarschaft hat man sich seitens des DRK schon befasst. Dabei war Karola Jockel vor Monaten noch „guter Dinge“, was eine Kirchener Lösung anging. Ihre Hoffnungen lagen auf dem geplanten Neubau am Ort der alten Heizzentrale. Bei diesem Investorenprojekt waren von Anfang an auch neue Räume für die Pflegeschule eingeplant. Doch ein Verkauf des Grundstücks durch den Kreis ist bekanntlich maßgeblich von der CDU blockiert worden.

Kooperation mit Altenheimen

Karola Jockel erläuterte die Hintergründe des Platzbedarfs, der in erster Linie auf der neuen generalistischen Ausbildung in der Pflege beruht. Soll heißen: Der Nachwuchs in der Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege wird gemeinsam ausgebildet. „Wir sind schon von etlichen Altenpflege-Einrichtungen aus der Region angefragt, ob wir für sie ausbilden können“, berichtete die Schulleiterin. Die Zusammenarbeit sei durchaus sinnvoll, schließlich sei man selbst auch auf die Altenheime angewiesen, finde hier doch ein Teil der praktischen Lehre statt.

Kirchen als perfekter Standort

Kirchen sei ein zentraler Standort, mit Bus und Bahn bestens angebunden, so Jockel. Ansonsten müssten Schüler oft große Fahrtstrecken in Kauf nehmen, etwa nach Siegen oder Herborn. Ein ganz wichtiges Pfund, mit dem Kirchen wuchern könne, seien zudem die Wohnheimplätze vor Ort. Und nicht zuletzt werde die eher familiäre Atmosphäre im Vergleich zu großen Schulen geschätzt. Jockel widersprach in diesem Zusammenhang der manchmal zu hörenden These, wonach die Schule eine Konkurrenz zur BBS Wissen sei.

Schon in diesem Schuljahr wurden neben den 26 eigenen Schülern zehn Externe aufgenommen, wobei man die eigentlich gedeckelte Klassengröße überschreiten musste. „Wir haben das Potenzial für zwei Kurse, uns fehlen aber die Räume“, schilderte die Schulleiterin die Situation.

Wichtig für das Krankenhaus

„Für das Krankenhaus ist die Pflegeschule enorm wichtig“, sagte Nicki Billig. Wer einen guten Abschluss hinlege, könne stets davon ausgehen, auch übernommen zu werden – und zwar mit einem unbefristeten Vertrag. Der Bedarf an Pflegekräften sei groß, auch weil der Altersdurchschnitt in Kirchen relativ hoch sei: „Deshalb brennt das Thema.“ Und ja, es sei in jeder Hinsicht sinnvoll, wenn die Pflegeschule auch räumlich weiter direkt an das Krankenhaus angekoppelt bleibe.

Betzdorf im Blick

Als die Diskussion um das Grundstück an der Bahnhofstraße aufgeflammt war, hatte die DRK-Geschäftsführung mehrfach gebetsmühlenartig betont, dass man selbst keine Verwendung für die Fläche habe. An dieser Haltung hat sich nichts geändert. Nunmehr hofft man im Krankenhaus und in der Schule darauf, dass unter Umständen auf Kreisebene doch noch ein Umdenken stattfindet. Ansonsten dürfte Plan B greifen. Denn wer verfolgt hat, welche Pläne baulicher Art in Betzdorf verfolgt werden, muss nur eins und eins zusammenzählen, um herauszufinden, mit welchen Alternativen sich das DRK bereits beschäftigt.

Hundhausen: Thema erneut im Kreis beraten

Derartige Überlegungen sind natürlich auch Kirchens Stadtbürgermeister Andreas Hundhausen nicht verborgen geblieben. Nicht zuletzt deshalb dränge man beim Kreis darauf, „dass das Thema nochmals in die Gremien kommt“. Die Investoren seien nach wie vor bei der Stange, man könne unverzüglich auf die immensen planerischen Vorleistungen zurückgreifen. Wie berichtet, sind bereits Gespräche mit der SGD Nord hinsichtlich des Hochwasserschutzes geführt worden, Lärmschutzgutachten wurden erstellt und ausreichend Parkplätze vorgesehen. Neben Räumen für die Krankenpflegeschule sind u. a. Wohngruppen für ältere und demente Menschen geplant – das alles mit dem Ziel, den Gesundheitsstandort Kirchen insgesamt zu stärken.

Seinerzeit war Kritik aufgekommen, dass die Stadt hier als Käufer auftritt. Dieses Modell sei mittlerweile vom Tisch, berichtete Hundhausen: „Der Kreis würde direkt an die Investoren verkaufen. Wir als Stadt wären nur noch eine Art Vermittler.“

Die Schule für Pflegeberufe ist seit Jahrzehnten im „Hochhaus“ an der Sandstraße untergebracht. Wie deutlich zu erkennen ist, hat das Gebäude selbst mit der zunehmend komplexeren Ausbildung nicht ganz Schritt halten können. Fotos: thor
Der Kreis hatte bereits 450 000 Euro für den Verkauf des Grundstücks an der Bahnhofstraße eingeplant – dann kam das politische Veto.
Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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