Phantasie und Spielfreude am mystischen Druidenstein

Bewohner am »Köppel« mit starkem Gemeinschaftsgeist / Pläne für Kirchbau zielstrebig umgesetzt / 1961 fiel der letzte »Vorhang«

sz Herkersdorf. Donas, Fürst der Sigambrer, ist in großer Sorge um seinen Sohn Ingo, der vor Jahren bereits wegzog, um in Franken das Kriegshandwerk zu erlernen. In seiner Not wendet sich Donas an den Oberpriester Seltas, dass er die Götter bittet, Ingo möge bald dem Vater gesund wiedergegeben werden. Der Sohn kehrt heim, aber Seltas bemerkt, dass Donas’ Sohn Ingo Christ geworden ist.

So beginnt die Uraufführung des Freilichtspiels »Es werde Licht« am 1. Pfingsttag 1952. Donas (Alfons Schmidt), Ingo (Alois Schlösser, Zweitbesetzung Herbert Lang) und Seltas (Josef Bender), weitere 15 Einzelrollen, sigambrische und fränkische Krieger sowie viel Volk spielen vor genau 50 Jahren das erste Stück der später weit über die heimatlichen Grenzen hinaus bekannten und beliebten Freilichtbühne Druidenstein.

Bühnenstück geschrieben

Nach seinem Roman »Der Druide und seine Opfer« hatte Stefan Utsch aus Brachbach daraus ein Bühnenstück geschrieben, wozu er neben Alois Zöller auch die Spielleitung hatte. Es kann ja möglich sein, dass selbst während der traditionellen Herkersdorfer Prozession am letzten Himmelfahrtstag zum Druidenstein, Personen mit dabei waren, die vor 50 Jahren das Schauspiel gesehen oder sogar mitgewirkt haben. Sicher ist, die Dramatisierung des Erstlingswerkes von Stefan Utsch durch ihn selbst wurde ein großer Erfolg.

»Wir erleben bei dem Spiel jene Zeit, in der unsere heidnischen Vorfahren noch vor den Stein (gemeint ist der Druidenstein) ihren Göttern opferten, wie dann das Christentum gegen den blutigen Opferdienst ankämpfte und endlich der Hl. Bonifatius dort zum ersten Mal das siegreiche Kreuz erhebt,« ist im Programmheft von vor 50 Jahren zu lesen.

»Aus den Tagen der Vorzeit«

Zwar steht diese Version auch etwas auf wackeligen Füßen, und Autoren/Zeitzeugen wie der Amtsactuar Lamprecht, der ev. Pfarrer Johann Peter Christian Sturm zu Kirchen und Fischbach, beide im 16. Jahrhundert, Sturm nach Aussagen des 88-jährigen Hans Wilhelm Imhäuser aus Grünebach, Pater Dr. Peter Rötter 1930 in seinem Buch »Aus den Tagen der Vorzeit« und Dr. August Wolf 1952 in seiner »Geschichte von Betzdorf« vertreten nicht einheitlich diese Auffassung über die wirkliche Vergangenheit des sagenumwobenen Basaltfelsens. In späteren Publikationen von Otto Kipping, Herdorfer Geschichte, Horst Koch in »Rund um die Freusburg« und Werner Stinner in der Kirchener Geschichte, werden die Meinungen der früheren Autoren zusammengefasst oder eine favorisiert.

»Es werde Licht« motivierte alle Beteiligten zu neuen Bühnenstücken, obwohl es natürlich in die verworrene Vergangenheit des Druidensteins auch kein Licht bringen konnte, wohl auch nicht sollte. Nach der Gründung des Kath. Kreuzwegbauvereins im Jahre 1919 hatten die Spiele bereits einen Vorläufer. Die Theaterabteilung des Vereins führte Theaterstücke, auch Passionsfestspiele, im Saal der Sigambria in Kirchen auf. Mit großem Erfolg, aber wegen der Inflationszeit wurden die Spiele nur bis 1923 aufgeführt und damit der finanzielle Grundstock des Kreuzweges zum Druidenstein gelegt, dessen Grundsteinlegung im Herbst 1924 war.

Neue Aufführungen

Die bestehenden Schulden wurden in den späteren 20er Jahren weiter abgebaut durch neue Theatervorführungen, so auch in den Sälen Heikaus, Kirchen und Bürgergesellschaft, Betzdorf, bis hin zur letzten Vorführung Anfang der 30er Jahre.

Anfang der 50er Jahre wuchs ein bereits vor dem Krieg geäußerter Wunsch erneut am »Köppel«: eine eigene Kirche am Fuße des Kreuzweges. Auf Anregung des 1. Vorsitzenden des 1946 gegründeten Kirchbauvereins Wilhelm Neuhaus wurden die Druiden-Freilichtspiele ins Leben gerufen, um wieder Geld zu sammeln, diesmal für die Kirche. Die Brüder Stefan und Rudolf Utsch aus Brachbach standen als Schriftsteller aktiv zur Seite und schrieben heimatbezogene Spiele für die hochaktiven Laienschauspieler. Denn das ganze Dorf war im Theaterfieber und spielte fast geschlossen mit oder übernahm sonstige Funktionen.

Illuminierter Druidenstein

Bereits in den ersten beiden Spieljahren, 1952 und 1953, fanden über 40000 Zuschauer den Weg auf die Holzbänke vor dem Felsen. Das Holz für die Tribünen stiftete die Haubergsgenossenschaft. Heute würde man von einem großen »Event« sprechen, was die Herkersdorfer dort jedes Jahr zwischen Pfingsten und Herbst veranstalteten, und Besonderes boten die Vorstellungen am Samstagabend. Sie endeten laut Programm »mit einem Feuerwerk (Illumination des Steines)«. Landrat Dr. Sinzig schreibt 1957 im Grußwort, er sehe in den Theaterspielen eine heilige Pflicht der Jugend, das von den Vätern geschaffene Kulturgut zu pflegen und zu fördern.

Neben »Es werde Licht« kamen unter anderem »Der große Sturm«, »Schinderhannes , Räuberhauptmann und Rebell«, »Varius und Arminius«, »Arnulf der Waldschmied«, »Schulze Henrich«, »Die Geburt Rubens« von Stefan und Rudolf Utsch zur Aufführung, bevor 1961 mit »Bau der Siegerländer Eisenbahn« der »letzte Vorhang« auf dem Druidenstein fiel. Die Herkersdorer hatten ihr Ziel erreicht, die Heilig-Kreuz-Kirche wurde 1960 eingeweiht. Die Heilig-Kreuz-Kirche erinnert daher heute noch an den großen Erfolg der Bewohner am »Köppel« und den Gemeinschaftsgeist, durch den unzählige genannte und ungenannte »Theaterleute« vor 50 Jahren ein »sehenswertes sakrales Bauwerk«, wie Kirchens Bürgermeister Paul Wingendorf die Kirche nannte, geschaffen haben.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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