Privatschule in altem Mühlengemäuer

Thema einer Diplomarbeit:

Architektur-Studentin Stefanie Schmidt entwickelte Konzept für die Freusburger Mühle

thor Kirchen. Sie ist – neben Druidenstein und Freusburg – das beliebteste Fotomotiv weit und breit. Die idyllisch dahin fließende Sieg, grüne Wiesen vor roten Backsteingebäuden und Fachwerkfassaden, und als »Krönung« ein mächtiger Silo, der in den blauen Himmel ragt. Vor der Mitte des 18. Jahrhunderts an dieser Stelle errichteten Freusburger Mühle drückt man gerne auf den Auslöser. Das tat auch Stefanie Schmidt, obwohl der markante Gebäudekomplex eigentlich zu ihrem Alltag gehört (hat), schließlich ist sie am benachbarten Queckhahn aufgewachsen.

Doch ein Spielplatz sind die Siegauen und die Freusburger Mühle für die Freusburgerin schon lange nicht mehr. Ganz im Gegenteil: In ihrer Diplomarbeit als Architektur-Studentin an der Uni Siegen hat sich Stefanie Schmidt wissenschaftlich mit der Freusburger Mühle befasst. »Verknüpfung von Vergangenheit und Zukunft – Umnutzung der Freusburger Mühle zur Privatschule« hat die 30-Jährige ihre Arbeit getitelt und damit eine (theoretische) Möglichkeit aufgezeigt, wie die zum großen Teil leer stehenden Gebäude neu genutzt werden könnten.

Damit hatte es sich die angehende Architektin nicht gerade einfach gemacht. Viele ihrer Kommilitonen wählten von Professoren vorgegebene Themen, um damit das Diplom zu erreichen. Schon lange hatte Stefanie Schmidt die Mühle im Visier, beschäftigt sie sich doch lieber mit älteren Bausubstanzen als mit Neubauten auf der grünen Wiese. Und fast genau so lang dachte sie auch an eine Privatschule: »Ich habe nach etwas gesucht, mit dem man den ganzen Komplex wieder zusammenfassen kann«, erklärt sie ihre Motivation. Eine Zergliederung in verschiedene Nutzungsbereiche – das ist ganz und gar nicht nach dem Geschmack der jungen Architektin. Außerdem sollte die Freusburger Mühle ihrer Meinung nach zu einem gewissen Teil der Öffentlichkeit weiter zugänglich sein.

Hohe Investitionskosten

Der größten – wiederum theoretischen – Hürde war sich Stefanie Schmidt von Anfang an bewusst: Vor einer Realisierung stehen extrem hohe Investitionskosten. Weder Silo noch die anderen Gebäude genügen den heutigen baurechtlichen und brandschutztechnischen Anforderungen. Vor allem im Silo wären aufwändige Maßnahmen erforderlich: Treppenhäuser, Fenster und Zwischendecken. Allerdings lassen sich die 40 cm dicken Außenmauern gut für Umbauarbeiten nutzen: »Das ist alles sehr solide gebaut.«

Doch Stefanie Schmidt hat sich nicht von harten Euro-Rechnungen einengen lassen. Ihre Planung sieht vor, dass in der Freusburger Mühle eine zweizügige Schule für die Jahrgangsstufen I und II entsteht. Bei einer in Privatschulen üblichen Klassengröße von etwa zwölf Schülern würde der vorhandene Raum Platz für 18 Klassen (216 Schüler) bieten. Allerdings sieht der Entwurf der Architektin auch drei Neubauten vor: eine große zentrale Mehrzweck-Halle, ein dreigeschossiger Anbau am Silo für Fachklassen sowie ein Anbau am Küchenhaus (ehemalige Garage) für Lager- und Personalräume. Außerdem sollen das Mühlengebäude, in dem der allgemeine Unterricht stattfinden würde, und das Silo mit einer Brücke verbunden werden. Ein Lehrerseminar könnte zudem in der ehemaligen Schreinerei entstehen. Bei allen Überlegungen und Planungen hat Stefanie Schmidt die umgebende Landschaft berücksichtigt. Die Schule soll sich optimal in die Natur einfügen. Das besondere Potenzial der Mühle für eine Schule: »Der Gebäudekomplex erzeugt Spannung, die die Aufnahmebereitschaft weckt, und erzeugt durch seine Prägnanz eine Identifikation der Schüler mit ihrer Schule. Das fördert soziales Verhalten und beugt Vandalismus vor«, heißt es in der Erklärung der Architektin.

Vom finanziellen Gesichtspunkt her sei eine Privatschule »gar nicht mal aus der Luft gegriffen«, meint Stefanie Schmidt und erinnert an die bisherigen Ideen, hier eine Mischung aus Gastronomie und Gewerbe aufzubauen. Das wäre ihrer Meinung nach »komplett unrentabel« und »zu schade« für die Gebäudestruktur. Probleme sieht sie darüber hinaus in der schlechten Verkehrsanbindung bzw. im erhöhten Verkehrsaufkommen. Bei einer Privatschule wären durch die Schulgebühren permanente Einnahmen gesichert. Und nicht erst seit der Pisa-Studie, so Stefanie Schmidt, werde diese Schulform immer beliebter, da viele Eltern in den staatlichen Lehranstalten nicht mehr die optimale Förderung ihrer Kinder sehen würden.

»Gedanken machen reicht nicht«

Für ihre Diplomarbeit hat Stefanie Schmidt die Note 1,7 erhalten. Die Professoren waren also mehr als zufrieden. Nicht ganz so »euphorisch« wird das Szenario von Friedhelm Schmidt bewertet. Der Eigentümer der Freusburger Mühle – über ein paar Ecken mit der jungen Architektin verwandt – ist grundsätzlich für alles offen, was das Gelände angeht. Aber: »Gedanken machen allein reicht nicht aus.« Denn die logische Konsequenz laute: »Wer Geld mitbringt, ist herzlich willkommen.« Schmidt selbst hat gegen eine Privatschule nichts einzuwenden, nur sei es fraglich, ob sich angesichts der Kosten ein Investor finde. Momentan würden rund 25 Prozent der Fläche genutzt: »So viel war es seit der Stilllegung 1978 noch nie.«

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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