Tier auf Landstraße angefahren und liegen gelassen
Reh verendet qualvoll am Straßenrand

In aller Frühe erleben Yvonne Stockschläder und Thorsten Schneider den Todeskampf eines Rehs mit. Jemand hat das Tier angefahren und auf der Straße liegen lassen; eine schreckliche Stunde lang befindet sich das Reh irgendwo zwischen Tod und Leben, bis es schließlich ein Polizist mit seiner Dienstwaffe erlöst.
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  • In aller Frühe erleben Yvonne Stockschläder und Thorsten Schneider den Todeskampf eines Rehs mit. Jemand hat das Tier angefahren und auf der Straße liegen lassen; eine schreckliche Stunde lang befindet sich das Reh irgendwo zwischen Tod und Leben, bis es schließlich ein Polizist mit seiner Dienstwaffe erlöst.
  • Foto: privat
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damo Harbach. Den Morgen des 9. Juni werden weder Yvonne Stockschläder noch Thorsten Schneider so schnell vergessen. In aller Frühe erleben die beiden den Todeskampf eines Rehs mit. Jemand hat das Tier angefahren und auf der Straße liegen lassen; eine schreckliche Stunde lang befindet sich das Reh irgendwo zwischen Tod und Leben, bis es schließlich ein Polizist mit seiner Dienstwaffe erlöst. Aber mit dem Knall ist für die beiden Harbacher die Szene noch nicht vorbei: Das, was sie da notgedrungen ansehen müssen, lässt sie so schnell nicht wieder los.

Daher hat die 41-jährige Harbacherin Kontakt mit der SZ-Redaktion aufgenommen. Sie will appellieren: dass die Autofahrer mehr Rücksicht nehmen, dass sie Verantwortung für ihr Tun übernehmen, dass sie langsamer fahren. Beim SZ-Termin vor Ort ist ihr Nachbar Thorsten Schneider mit von der Partie. Denn er war es, der das Tier entdeckt hat.

"Wir wohnen
hier schließlich
mitten auf dem Land.
Da muss man einfach rücksichtsvoll
sein und langsamer fahren."

Yvonne Stockschläder
Zeugin des Wildunfalls

Der 47-Jährige berichtet: „Ich war morgens um 5.30 Uhr unterwegs zur Arbeit nach Freudenberg, als ich am Ortsausgang von Harbach etwas Braunes am Straßenrand entdeckt habe. Ich habe mir schon gedacht, dass es ein verletztes Tier sein muss.“ Der Feuerwehrmann hält an: „Das ist für mich selbstverständlich, dass ich helfe. Und Tier oder Mensch ist egal: Beide sind Lebewesen.“

Polizei zum Unfallort gerufen

Schon auf den ersten Blick erkennt Schneider, dass das Reh einen Unfall erlitten hat und nicht mehr weit vom Tod entfernt ist. Der Bock steht noch einmal auf, versucht, die Böschung hinauf zu fliehen – aber er schafft’s nicht. Schneider ruft den Jagdaufseher an, erreicht aber niemanden. Also wählt er die Nummer der Polizei.

Kurze Zeit später trifft ein Streifenwagen in Harbach ein. Auch die Beamten haben zu dieser frühen Stunde den Jagdaufseher nicht ans Telefon bekommen. Aber sie handeln selbst und geben dem Reh den Gnadenschuss: „Einer hat zu mir gesagt: ,Halten Sie sich kurz die Ohren und schauen Sie weg’“, berichtet Schneider. Er ist den Polizisten dankbar für ihren beherzten Einsatz: „Die waren 100 Prozent am Ort.“

Beim Fototermin mit der SZ haben Yvonne Stockschläder und Thorsten Schneider ihr Lächeln wiedergefunden – aber die Szene, die sie am 9. Juni erlebt haben, hat bei beiden nachgehallt.
  • Beim Fototermin mit der SZ haben Yvonne Stockschläder und Thorsten Schneider ihr Lächeln wiedergefunden – aber die Szene, die sie am 9. Juni erlebt haben, hat bei beiden nachgehallt.
  • Foto: damo
  • hochgeladen von Marc Thomas

Zwischenzeitlich haben viele Harbacher die Szene bemerkt, etliche haben kurz gestoppt und gefragt, ob sie helfen können. Darunter war auch Yvonne Stockschläder, und ihr sind die Bilder sehr nahe gegangen. „Das hat mich den ganzen Tag beschäftigt“, sagt sie. Und ihr geht nicht nur die Frage durch den Kopf, wie man so rücksichtslos sein kann, das Tier qualvoll verenden zu lassen. Ihr ist es ein Anliegen, an ihre Mitmenschen zu appellieren: „Das ist nicht das erste Mal, dass es hier zu einem Wildunfall gekommen ist“, sagt sie. „Wir wohnen hier schließlich mitten auf dem Land, rund um uns sind Wälder und Wiesen. Da muss man einfach rücksichtsvoll sein und langsamer fahren.“

Auf Landstraße Wildwechsel-Gefahr groß

Gerade auf dem Stück Landstraße in Richtung Tüschebachsweiher werde aber häufig gerast – obwohl dort die Gefahr des Wildwechsels groß sei. „Manchmal kommen mir Autos so schnell entgegen, dass ich mit meinem Auto kaum noch ausweichen kann. Ich begreife es einfach nicht: Wie kann man hier so brettern?“

Schneider bestätigt das – und auch in ihm hallt nach, dass der Unfallverursacher einfach das Weite gesucht hat. „Es kann ja passieren, dass einem ein Reh vors Auto läuft. Aber selbst wenn der Unfallverursacher nicht dafür geradestehen wollte, hätte er doch zumindest bei der Polizei anrufen und melden können, dass hier ein halbtotes Tier den Gnadenschuss braucht.“

In aller Frühe erleben Yvonne Stockschläder und Thorsten Schneider den Todeskampf eines Rehs mit. Jemand hat das Tier angefahren und auf der Straße liegen lassen; eine schreckliche Stunde lang befindet sich das Reh irgendwo zwischen Tod und Leben, bis es schließlich ein Polizist mit seiner Dienstwaffe erlöst.
Beim Fototermin mit der SZ haben Yvonne Stockschläder und Thorsten Schneider ihr Lächeln wiedergefunden – aber die Szene, die sie am 9. Juni erlebt haben, hat bei beiden nachgehallt.
Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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