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Hegering ist bestens gerüstet
Rehkitz-Rettung mit der Drohne

Knietiefes Gras bietet aus Sicht einer Ricke den perfekten Schutz für den Nachwuchs. Leider haben Rehe die Rechnung ohne das Mähwerk gemacht.
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  • Knietiefes Gras bietet aus Sicht einer Ricke den perfekten Schutz für den Nachwuchs. Leider haben Rehe die Rechnung ohne das Mähwerk gemacht.
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damo Kirchen. Wenn man schutzlos, aber geruchsneutral ist, dann ist Wegducken eine ausgesprochen clevere Strategie. Und gegen Wölfe, Bären und Füchse hat sich die Taktik der Rehkitze auch jahrtausendelang bestens bewährt. Allerdings haben die Rehe die Rechnung ohne das Mähwerk gemacht: Wenn ein Kreiselmäher über die Wiese zieht, hat es fatale Folgen, die Ohren einzuziehen und sich unsichtbar zu machen – Jahr für Jahr werden in Deutschland zigtausende Rehe bei der Wiesenmahd getötet. Das wissen natürlich auch die Jäger im Hegering Betzdorf-Kirchen. Und sie haben eine Lösung in petto.

Im vergangenen Frühsommer haben sie erstmals eine Drohne mit Wärmebildkamera über dem kniehohen Gras kreisen lassen, bevor die Bauern ihr Mähwerk angeworfen haben.

damo Kirchen. Wenn man schutzlos, aber geruchsneutral ist, dann ist Wegducken eine ausgesprochen clevere Strategie. Und gegen Wölfe, Bären und Füchse hat sich die Taktik der Rehkitze auch jahrtausendelang bestens bewährt. Allerdings haben die Rehe die Rechnung ohne das Mähwerk gemacht: Wenn ein Kreiselmäher über die Wiese zieht, hat es fatale Folgen, die Ohren einzuziehen und sich unsichtbar zu machen – Jahr für Jahr werden in Deutschland zigtausende Rehe bei der Wiesenmahd getötet. Das wissen natürlich auch die Jäger im Hegering Betzdorf-Kirchen. Und sie haben eine Lösung in petto.

Im vergangenen Frühsommer haben sie erstmals eine Drohne mit Wärmebildkamera über dem kniehohen Gras kreisen lassen, bevor die Bauern ihr Mähwerk angeworfen haben. Und der Erfolg gibt den Jägern Recht: 42 Kitzen ist im vergangenen Mai und Juni der blutige Tod bei der Wiesenmahd erspart geblieben. Jetzt stehen die Jäger wieder Drohne bei Fuß.

"Kitze haben praktisch keinen Geruch und sind für ihre Feinde kaum zu entdecken."
- Josef Jendrek, Hegeringsleiter

Denn es wird nur noch wenige Tage dauern, bis das Gras auf vielen, vielen Wiesen einen halben Meter hoch gewachsen ist – und dann werden die Ricken wieder genau dort ihren Nachwuchs ablegen. Schließlich sind die jungen Rehe im Gras richtig gut gegen ihre natürlichen Feinde geschützt. „Kitze haben praktisch keinen Geruch und sind für ihre Feinde kaum zu entdecken“, sagt Hegeringsleiter Josef Jendrek im Gespräch mit der SZ. „Aber das hilft eben nicht gegen ein Mähwerk.“

Schon seit Jahren ist Josef Jendrek im Frühsommer mit seinem Vorstehhund Hummel unterwegs, um Rehkitze zu retten. Jetzt bekommt der Hund Unterstützung aus der Luft.
  • Schon seit Jahren ist Josef Jendrek im Frühsommer mit seinem Vorstehhund Hummel unterwegs, um Rehkitze zu retten. Jetzt bekommt der Hund Unterstützung aus der Luft.
  • Foto: Daniel Montanus
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Also helfen die Jäger aus – und Jendrek ist froh darüber, dass sie im Raum Betzdorf/Kirchen mittlerweile praktisch jede Wiese vor der Mahd unter die Lupe nehmen können. „Die Landwirte machen richtig gut mit“, sagt Jendrek: „Ich kenne keinen einzigen mehr, der uns nicht informiert, bevor er seine Wiese mähen will.“

Abstandsgebot auch ohne Corona

Und dann rücken die Jäger aus der Abteilung Rehkitzrettung an – mit Drohne, aber zur Sicherheit auch noch mit einem Vorstehhund. Der schnüffelt dort, wo die Drohne scheitert (z.B. unter Hochspannungsleitungen). Und er muss perfekt geschult sein: „Ein gut ausgebildeter Vorstehhund spürt das Rehkitz auf und zeigt es dann an – und zwar ohne ihm zu nahe zu kommen.“

"Wendsche Kitzrettung" ist gestartet

Auch die Jäger, die die Kitze in Sicherheit bringen, halten Abstand: „Wir tragen Handschuhe und nehmen noch zusätzlich Grasbüschel, wenn wir ein Kitz anfassen.“ Denn: „Die Ricke hat ein gutes Näschen. Sie nimmt das Kitz nicht mehr an, wenn es nach Mensch oder Hund riecht.“
Neben den Kreiselmähern gibt es in diesen Tagen noch zwei große Gefahren für Rehkitze: frei laufende Hunde und wohlmeinende Menschen.

Hunde richten schon Schaden an, wenn sie das seltsame Ding in der Wiese lediglich neugierig beschnüffeln und ablecken – Stichwort: Geruch. Und wenn Menschen ein vermeintlich verwaistes Rehkitz finden und retten wollen, tritt zutage, dass „gut gemeint“ oft das Gegenteil von „gut“ ist.

Gut gemeint ist nicht gut gemacht

„Gerade wenn spielende Kinder ein Rehkitz in einem Gebüsch am Wegesrand oder in einer Wiese entdecken, meinen sie es gut: Weit und breit ist die Ricke nicht zu sehen, also denken sie, dass sie dem kleinen Reh helfen müssen. Und immer wieder kommt es vor, dass sie dann ein Kitz mit nach Hause nehmen.“ Das aber ist ein böser Fehler, weiß Jendrek: Ricken kommen nur ganz sporadisch zu den Kitzen, um sie säugen zu lassen – und dann verschwinden sie, damit sie eben keinen neugierigen Fuchs zu ihrer Kinderstube locken. Alles im Lot also – zumindest solange, bis Menschen „helfen“.
Deshalb appelliert der Hegering an die Verantwortung all derer, die im Mai und Juni in Wald und Wiese unterwegs sind: „Mit einem bisschen Rücksicht ist schon viel gewonnen.“

Knietiefes Gras bietet aus Sicht einer Ricke den perfekten Schutz für den Nachwuchs. Leider haben Rehe die Rechnung ohne das Mähwerk gemacht.
Schon seit Jahren ist Josef Jendrek im Frühsommer mit seinem Vorstehhund Hummel unterwegs, um Rehkitze zu retten. Jetzt bekommt der Hund Unterstützung aus der Luft.
Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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